Schweigen – Eine Kölner Tugend?

Tapfer im Nirgendwo

Anfang April 2016 erstattete ich Anzeige aufgrund diverser Hassbotschaften und Mordaufrufe, die ich auf der Facebookseite „Islam Fakten“ gefunden hatte. Eine Auswahl der Aussagen liest sich wie folgt:

„Gottlose juden inshallah werdet ihr wieder vergast und endgültig ausgelöscht“

„war schon gut was Hitler gemacht hat dreckigen Hundesöhne“

„scheiß Juden sollen verrecken die Schweine Bastarde“

„dreckiger Judenpack. ich sage es immer hätte man mein kumpel Adolf’o zu ende bringen lassen was er angefangen hat hättma jetzt die probleme nicht“

Die Kommentare fanden sich allesamt unter einem Video, das von „Islam Fakten“ geteilt wurde. Auf dem Video sah man eine 23-jährige Terroristin, die mit einem Messer in der Hand auf der Flucht war, nachdem sie einen Menschen auf der Straße niedergestochen hatte. Umstehende Passanten versuchten, die Terroristin an der Flucht zu hindern. Die Seite Islam Fakten kommentiert das Video allerdings mit diesen Worten:

„JUDEN greifen eine alte PALÄSTINENSISCHE FRAU an und…

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Unwürdiges Schauspiel

Auch in ihrer 69. Auflage sollen die im französischen Cannes veranstalteten Filmfestspiele das »nach wie vor uneinholbar wichtigste Filmfestival der Welt« sein, wie der Tagesspiegel schreibt. Mit dem Hauptpreis der Veranstaltung, der Goldenen Palme, wurde in diesem Jahr Ken Loach geehrt, »der große, mittlerweile fast 80-jährige linke Kämpe des Kinos«, wie das Blatt lobhudelt.

Jury wie – bis auf wenige Ausnahmen – die Berichterstattung blamieren sich freilich mit ihrer Wahl und deren Lob. Denn mit Ken Loach klatschen sie einem verläßlichen Antisemiten Beifall, machen sie Antisemitismus gesellschaftsfähig, wenn sie ihn nicht gar zu »Gesellschaftskritik« hochstapeln. Tatsächlich propagiert und fördert Ken Loach Intoleranz gegenüber und Haß auf Juden und Israel.

Mit seiner Unterschrift ist Ken Loach dabei, gilt es, die Fähigkeiten des einzigen jüdischen Staates, der zugleich eine lebendige Demokratie ist, zu schwächen, sich militärisch gegen seine zahlreichen Feinde zur Wehr zu setzen, ohne geringste Skrupel signiert er Aufrufe zum Boykott israelischer Künstler, Wissenschaftler oder Waren. Und er ist sich dabei seiner Vorbildrolle durchaus bewußt.

»Sie waren die erste wichtige Persönlichkeit, die Aufrufe zu einem kulturellen Boykott Israels befürwortet und unterstützt hat«, bescheinigte Ken Loach das New Internationalist magazine [sic!], »Sie haben damit die Tür für viele andere geöffnet, die sich ihnen anschlossen«. Prangert der Preisträger von Cannes tatsächliche oder eingebildete Mißstände an, ist er zugleich selbst einer.

Mit der Verleihung der Goldenen Palme an Ken Loach hat die zuständige Jury einen Menschen geehrt, der es für »Kultur« hält, Juden zu stigmatisieren, und der mit seinem Eintreten für ein gegen Israel gerichtetes Waffenembargo darüber hinaus seiner Bereitschaft Ausdruck verleiht, dessen Mehrheitsbevölkerung Feinden auszuliefern, deren Absichten alles andere als friedliche sind.

tw24

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Van der Bellen zum Bundespräsidenten gezählt !

Der Wahlkrimi um die Hofburg scheint entschieden. Die Wahlkarten- Wähler haben die Reihenfolge des vorläufigen Endergebnisses tatsächlich noch umgedreht und dem Ex- Grünen- Chef Alexander Van der Bellen zum Sieg verholfen, wie mehrere Medien unter Berufung auf das Innenministerium berichten. Gegen 16 Uhr erwartet das Ministerium das endgültige Ergebnis, Minister Wolfgang Sobotka will unmittelbar danach offiziell bekannt geben, wer Österreichs nächstes Staatsoberhaupt wird.
 krone.at

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Lügen haben keine kurzen Beine, sondern ein CDU-Parteibuch und einen türkischen Migrationshintergrund

Die Integrationsbeauftragte der Union-Bundestagsfraktion, Cemile Giousouf (CDU), sieht bei der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry eine persönliche Mitverantwortung für rechtsextreme Gewalttaten. „Wenn Menschen zu Schaden kommen, sind Sie dafür mitverantwortlich!“, sagte Giousouf in einem Streitgespräch mit Petry in Bild am Sonntag. „Wenn heute Molotowcocktails fliegen, dann ist das ein Produkt Ihrer zündelnden Sprache und Ihrer Politik, Frau Petry.“

 zeit

Es gab immer wieder Berichte über türkische Extremisten in der CDU. Im Herbst 2014 traf sich die Hagener Unionsabgeordnete Cemile Giousouf mit den Islamextremisten von „Millî Görüş“. Ein Foto zeigt die Bundestagsabgeordnete mit den Vertretern dieser Vereinigung vor der Hagener CDU-Geschäftsstelle. Schön feinsäuberlich getrennt stehen die Frauen mit ihren strengen Kopftüchern zu ihrer Rechten und die Männer ohne Kopfgefängnis zu ihrer Linken. Auch dieser Vorfall blieb ohne weitere Konsequenzen.

 juedischerundschau.de

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Fass mich nicht an

falterkoeln

In der Ausgabe vom Januar 2016 erschien als Titelbild der Wiener Wochenzeitschrift Falter eine Zeichnung der Illustratorin Bianca Tschaikner zu den massenhaften sexuellen Übergriffen moslemischer Männer auf Frauen in der Silvesternacht in Köln. Die Zeichnung zeigt Dutzende schwarzhaarige, physiognomisch gleich aussehende Männer, die mit entschlossen aggressivem Gesichtsausdruck ihre Hände nach vereinzelt in ihrer Mitte gefangenen, weinenden blondhaarigen Frauen ausstrecken; ein Polizist wird von der Männermenge in Richtung Bildrand abgedrängt. (1) Die Männer formen einen undurchdringlichen Block, ohne deshalb eine Bande zu bilden. Vielmehr scheinen sie untereinander so wenig Beziehungen zu haben wie die einzelnen Frauen, die von ihnen umzingelt werden und sich gegenseitig nicht helfen können. Was die Männer verbindet, ist offenbar eher das momentane Ziel des Übergriffs als eine vorweg bestehende Zusammengehörigkeit. Zu einem Zeitpunkt, als in der Bundesrepublik zu den mit großer Verspätung bekannt gewordenen Vorfällen in Köln neben Forderungen nach einer Verschärfung des Sexualstrafrechts ausschließlich beschwichtigend verallgemeinernde Phrasen über die Omnipräsenz „sexualisierter Gewalt“ im Alltag zu hören waren, gegen die nun endlich vorzugehen sei, hatte das österreichische Magazin, das seit seiner Gründung 1977 mit einer dezidiert libertären Haltung konservativen wie linken Provinzialismus attackiert, durch Wahl dieses Titelbildes alle Tatsachen festgehalten, die nach kurzem Erschrecken sogleich zerredet, zerdeutet, verleugnet und schließlich in kollektiver Amnesie dem Vergessen überantwortet wurden. Nicht zuletzt in dieser Amnesie, die die Übergriffe (dass es auch in anderen Städten welche gab, weiß längst niemand mehr) zu einer Reihe diffuser Einzeltaten zusammenschrumpfen ließ, ähneln die Kölner Ereignisse den Attentaten von Paris, an die mittlerweile nur noch das Fortbestehen des Ausnahmezustands erinnert, der in ihrer Folge ausgerufen wurde, während tatsächlich zum schlechten Normalzustand zurückgekehrt worden ist. Als Täter figurieren im einen Fall „im Namen des Islam“ mordende „Extremisten“, im anderen Fall „kriminelle Asylanten“, während der Alltagsislam in Westeuropa, der Ermöglichungsgrund von beidem ist, unangetastet bleibt. Ein Fall für den Presserat Tschaikners Illustration dagegen verdeutlicht, was im begleitenden Artikel der Falter-Autorin Sibylle Hamann mit Recht hervorgehoben wird (2): dass es sich bei den sexuellen Aggressionen auf dem Domplatz nicht um Akte animalisch enthemmter Triebtäter handelte, sondern um die kollektive Erniedrigung erkennbar westlicher Frauen durch selbsternannte moslemische Herrenmenschen, ausgeführt mit ruhiger Zielstrebigkeit und in stolzer Gewissheit der eigenen Übermacht. Die Mischung aus Selbstgewissheit und Häme, die auf der Illustration die Gesichter der Täter kennzeichnet, desavouiert die Behauptung, Alkoholkonsum, fehlgelenkte sexuelle Begierde oder Leiden unter sozialer Inferiorität hätten die Übergriffe motiviert. Dass es sich bei den Männern zwar um eine übermächtige Gruppe, aber um keine Bande handelt, widerspricht dem Versuch, die Ereignisse als Erscheinungsform organisierter Kriminalität zu verharmlosen. Der von der Männermenge abgedrängte Polizist, vereinzelt wie die Frauen, indiziert schließlich, was niemand nach den Kölner Vorfällen auch nur anzudeuten wagte: dass hier, als gleichsam alltagspraktisches Echo auf die Attentate von Paris, kollektiv und spontan ein islamischer Gegensouverän auf den Plan getreten war, um an den unzüchtigen Schlampen, denen im westeuropäischen Alltag bislang zumindest nicht überall gezeigt werden darf, was von ihnen zu halten ist, erstmals ein für jeden sichtbares öffentliches Exempel zu statuieren. Selbst, dass die Frauen blond und die Männer schwarzhaarig sind, ist klärend statt verunklarend, weil die Qualität der Taten ohne Reflexion auf die ethnische Herkunft der Täter überhaupt nicht auf den Begriff gebracht werden kann. Überdies gelingt es der Zeichnung gerade durch solche Typisierung, die Kölner Ereignisse statt als Addition von Einzeldelikten als das darzustellen, was sie waren: ein Standgericht zwecks Abstrafung zur Nichtigkeit verdammter weiblicher Individuen, und damit auch einer Öffentlichkeit, in der Frauen ohne Schutz durch Bruder, Freund oder Freundin ihrem Vergnügen nachgehen können. Die Entindividualisierung der Täter wie der Opfer war kein manipulativer Eingriff der Zeichnerin, sondern brachte das erschreckend Neue an den Ereignissen zum Ausdruck. Tschaikner jedoch hat für ihre Zeichnung im vergangenen April keinen Preis, sondern eine Rüge vom österreichischen Presserat erhalten. Der Klage einer Leserin, die beanstandet hatte, in Tschaikners Zeichnung würden die Kölner Täter als „spezifisch nordafrikanisch porträtiert“, womit pauschal „Muslime und Schwarze“ (!) diskreditiert würden, ist damit stattgegeben worden. Durch „die Uniformität der Darstellung“, meinte der Presserat, werde suggeriert, dass es sich bei den Tätern „nicht um einzelne Individuen, sondern um eine homogene Gruppe handle, bei der sich alle Mitglieder gleich verhalten würden“ (3) – als wäre nicht genau das in Köln auch geschehen. Die Verhandlung über die Klage hatte am 22. März, dem Tag der Anschläge von Brüssel, stattgefunden. Auf den Erkenntnisgehalt dieser Koinzidenz wies Tschaikner in einer Stellungnahme auf Facebook hin, die wegen ihrer ungewöhnlichen Klarheit ausführlich zitiert zu werden verdient: Heute morgen habe ich […] der „Gerichtsverhandlung“ des österreichischen Presserats zu dem von mir im Jänner gezeichneten Falter-Cover zum Thema Köln beigewohnt. […] Am selben Tag werden wieder mal (man gewöhnt sich ja fast schon langsam dran, nicht wahr?) mitten in Europa für die hehren Ziele des politischen Islam Dutzende Menschen ermordet und ganze Städte in Angst und Schrecken versetzt […]. Die selbstzerstörerische Borniertheit und Blindheit derer, die sich weigern, zu erkennen, dass das Problem nicht Leute wie ich sind, die es wagen, sexuelle und andere Terrorakte von islamistischer und muslimisch-patriarchaler Seite zu thematisieren, und dass nicht wir es sind, die mit der Benennung dieser Taten den Islam verunglimpfen, sondern dass der politische Islam das Problem ist, und dass der Islam derzeit den Job, sich selbst zu verunglimpfen, schon selbst sehr gut erledigt, macht mich schlicht fassungslos. Die Selbstzerstörung, die derzeit vor allem in Deutschland und Österreich stattfindet, erinnert mich mittlerweile langsam an ganz andere dunkle Zeiten, in denen dank dem Wegschauen der Bevölkerung die furchtbarsten Dinge geschehen konnten – Dinge, die zuvor ebenfalls niemand für möglich gehalten hätte. Ich möchte all den politisch korrekten islamismusfreundlichen kulturrelativistischen GrenzegegnerInnen eines mitgeben: Wenn das, was wir jetzt durchleben, und das, was noch auf uns zukommt, Geschichte sein wird, werdet ihr es sein, ihr, die all ihr Handeln und Denken einzig von der blinden Angst, dass sich die Geschichte wiederholt, leiten lassen, ihr werdet es sein, die sich ihrerseits den schon bekannten Fragen stellen werden müssen: Warum habt ihr zugeschaut? Warum habt ihr nichts gesagt? Wie konntet ihr das zulassen? (4) Hier ist in unübertroffener Prägnanz zusammengefasst, was eine aufklärte Öffentlichkeit, schon um die Bedingungen ihres Selbsterhalts zu sichern, angesichts der Kölner Ereignisse reflektieren müsste: dass zwischen den Vorfällen von Köln und den Attentaten von Paris und Brüssel ein Zusammenhang besteht – nicht, weil sich die Kölner Täter von djihadistischen Massenmördern inspirieren ließen, sondern weil sie mit diesen, auch wenn sie mit ihnen nichts zu tun haben, den Hass auf die westlichen Gesellschaften, die in ihnen garantierten Rechte und vorausgesetzten Pflichten, und den unbedingten Willen teilen, diese Gesellschaften durch gemeinschaftliche Akte islamischer Dezivilisierung ihrer Grundlage zu berauben; dass eben deshalb, und durchaus unabhängig davon, dass einzelne Djihadisten im Zuge der jüngsten Flüchtlingsbewegungen nach Westeuropa gelangt sind, die Kölner Übergriffe, die djihadistischen Attentate und die Flüchtlingspolitik sinnvoll nur gemeinsam thematisiert werden können; schließlich die Einsicht, dass Warnungen vor einer Wiederholung der Geschichte, wie sie in der Mobilisierung gegen den sogenannten Rechtspopulismus omnipräsent sind, systematisch darüber hinwegtäuschen, dass Geschichte stets nur verwandelt wiederkehrt und die konkrete Form, die die Bedrohung des Nationalsozialismus unter den Bedingungen der multikulturalistischen Zivilgesellschaft annimmt, nicht FPÖ oder AfD, sondern der islamische Terror und seine basisdemokratische Voraussetzung, der Alltagsislam, sind, die nicht zufällig in Deutschland am stärksten verharmlost werden.  

Wir bauen einen Mythos

Erwartungsgemäß bildete sich, nachdem der Presserat der Klage stattgegeben und seine Rüge ausgesprochen hatte, in den sozialen Netzwerken um Tschaikner keine der sonst üblichen Solidarisierungswolken. Nur die Redaktion des Falter druckte eine allerdings deutliche Solidaritätsadresse (5); eine „Wir sind Bianca“-Kampagne blieb aber aus, und keine einzige sich als emanzipatorisch-feministisch verstehende Zeitschrift druckte die Zeichnung nach. Im Gegenteil, das „feministische“ österreichische Magazin An.schläge, dessen Name dadurch einen ganz neuen Beiklang erhielt, beendete die seit sechs Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der Illustratorin und widerrief zwei bereits vereinbarte weitere Aufträge, weil die Redaktion Tschaikners Darstellung der Kölner Übergriffe für „rassistisch diffamierend“ hielt, eine Einschätzung, die, wie mit autoritätssüchtiger Zufriedenheit konstatiert wurde, „vom Presserat jetzt bestätigt“ worden sei. Die Kooperation sei, verlautbarte die Redaktion in adäquatem Arbeitgebertonfall, in „gegenseitigem Einvernehmen“ beendet worden, man selbst wisse sich auf der zivilgesellschaftlich korrekten Seite: „Unsere Berichterstattung zu den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln richtet sich […] sowohl gegen rassistische Hetze als auch gegen ein Verschweigen der Vorfälle im Namen des Antirassismus.“ (6) Die Januar-Ausgabe der An.schläge enthielt zum Köln-Thema allerdings keine Kritik des Antirassismus, sondern den deliranten Text einer Irmtraud Voglmayr über die angeblich durch mediale Bildpolitik beförderte „Konstruktion gefährlicher Körper“, zu denen neben „Körpern“ von „Sexarbeiter_innen, Bettler_innen, Obdachlosen“ auch die von „Geflüchteten“ zählten, deren Dämonisierung der Verwandlung der Öffentlichkeit in einen „Angstraum“ diene – ein fast schon plakatives Beispiel für die demagogische Umdeutung nachweislicher Straftaten in ein Ergebnis von „Konstruktionen“ und „Wahrnehmungen“, die bald die Köln-Debatte bestimmte und der Tschaikner mit ihrer Zeichnung gerade entgegengearbeitet hatte. (7) Tschaikners Klarstellung, die Zusammenarbeit mit ihr sei einseitig aufgekündigt worden, und ihre Erklärung angesichts der Klage vorm Presserat wurden gar nicht erst kommentiert – eine konsequente Anwendung des in der Redaktion beliebten Begriffs der Definitionsmacht. Dabei hatte der Falter die Zeichnerin und die Autorinnen zum Köln-Thema bereits mit Rücksichtnahme auf den sprechorttheoretischen Amoklauf eines Teils seiner Leserschaft ausgewählt. Tschaikner hat in Chile studiert, zwei Jahre in Marokko gelebt, in palästinensischen Flüchtlingslagern in Jordanien gearbeitet und Iran, Dubai und die Westsahara bereist (8); Sibylle Hamann, die den Essay zum Thema verfasste, schreibt für Emma und berichtete für das Nachrichtenmagazin Profil unter anderem aus Ruanda, dem Kongo und Afghanistan. Beide können also Naherfahrungen mit dem Alltag in islamischen Ländern sowie linkes und feministisches Engagement vorweisen. Da aber Emma wegen der vernünftigen Äußerungen Alice Schwarzers über den Islam in genderfeministischen Kreisen längst als Sprachrohr eines westlichen, also bösen Feminismus gilt und weder Tschaikner noch Hamann über moslemische Wurzeln verfügen, konnten ihre Wortmeldungen als Ausdruck eines unreflektierten Eurozentrismus übergangen werden. Maßgeblich für die Wahrnehmung der Kölner Ereignisse wurde wenige Wochen nach den ersten Presseberichten stattdessen die Deutung der ehemaligen Traditionsfeministin Barbara Vinken, die am 4.2.2016 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk die sexuellen Übergriffe als Konstituenten eines „Mythos“ beschrieben hatte, wonach „ein Land, um geeinigt zu werden, den fremden Mann braucht, der auf die einheimischen Frauen übergreift“. (9) Die Attacken versteht Vinken weniger als reale Vorfälle denn als nationalistisches Phantasma, als „Szenario“, wonach „unsere deutschen, milchweißen Frauen“ durch „fremde, dunkle Männer“ bedroht seien. Nicht der patriarchalische Übergriff, sondern der um ihn geschaffene Mythos habe „Deutschland verändert, insofern als hier ein sehr fremdenfeindliches, sehr patriarchalisches Szenario wiederbelebt“ worden sei. Damit war der Rahmen geschaffen, um den in Köln angegriffenen Frauen pauschal rassistische Projektionen unterstellen und ihnen die Fähigkeit absprechen zu können, das, was ihnen geschah, angemessen zu beurteilen. Vom Ausdruck einer politischen und gesellschaftlichen Gefahr wurde Köln zum Symptom der Psychopathologie weißer deutscher Frauen, die zwecks Aufarbeitung ihres verleugneten Rassismus unbedingt eine kulturwissenschaftlich versierte Mythologin konsultieren sollten. Ob alle der in Köln belästigten Frauen überhaupt weiß und deutsch waren, hat nie jemanden interessiert.
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Leerstelle

Es soll knapp 30 Millionen Dollar teuer gewesen sein, das »Nationalmuseum« der »Palästinenser«, das in dieser Woche in Ramallah feierlich eröffnet wurde. »Palästinenserpräsident« Abu Mazen hielt eine Rede, als befinde er sich in einem Krieg: »Dieses Museum wird Welt, der ganzen Welt, signalisieren, daß wir hier waren und hier bleiben werden, um unseren eigenen Staat zu gründen.«

Davon allerdings, was die »palästinensische Nationalität« ausmachen könnte, war nichts zu sehen. Das prächtige Museum öffnete ohne Ausstellungsstücke. Ein leeres Museum heißt indes nicht, daß die »Palästinenser« keine Vorbilder hätten, identitätsstiftende Heldinnen und Helden. Sie sind nur nicht vorzeigbar, wo internationalen Besuchern folgenreich kritische Fragen einfallen könnten.

Und so wurde »palästinensische Identität« auch in dieser Woche wieder dort geprägt, wohin sich kein ausländischer Politiker je verirren würde: in den sozial genannten Netzen des Internets. Auf ihren Facebook– und Twitter-Präsenzen erinnerte Abu Mazens Fatah an drei japanische Terroristen, die 1972 für die PFLP einen Anschlag auf den Flughafen im israelischen Lod verübten.

Die Mitglieder der Japanischen Roten Armee brachten bei ihrem Überfall mindestens 24 Menschen um und verletzten mehr als 70. Zwei der Terroristen, Takeshi Okudaira und Yasuyuki Yasuda, wurden während ihres Angriffs getötet, der dritte Terrorist, Kozo Okamoto, wurde festgenommen und zu einer dreifach lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. 1985 preßte die PFLP ihn frei.

44 Jahre nach dem Anschlag schickte die Fatah nun »1.000 Grüße an den japanischen Freund und Kämpfer Kozo Okamoto, den Helden der Operation in Lod vom 30. Mai 1972« und bekräftigte einen Tag später noch einmal, wie sehr sie den Terroristen schätze. Wer solche »Helden« ehrt, hat es freilich schwer, Exponate für ein »Nationalmuseum« zu finden, die von Zivilisiertheit zeugen.

tw24

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Die Volkspartei des gesunden Menschenverstandes

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Was jetzt aber schon feststeht, ist, dass die besorgten Demokraten aller Fraktionen mit dem Islam viel besser leben können als mit einer AfD in den Parlamenten, weswegen sie getrieben vom Fanatismus des Staatsantifaschismus daran arbeiten, ausnahmslos jede Kritik des Islam unter den Verdacht des Rassismus zu stellen und als „Angriff auf die deutsche Leitkultur“ (Heribert Prantl) zu bekämpfen. (35) Solch beispielhafter Einsatz für den Islam und die antirassistische Leitkultur nutzt vor allem denjenigen Berufsmoslems, die mit dem notorisch pikierten Aiman Mazyek – der den Verbandsislam als Mischung aus hochgeschleimtem DGB-Funktionär und orientalischem Mafiosi allein ästhetisch bestens verkörpert – der Meinung sind, dass es mit der AfD „zum ersten Mal seit Hitler-Deutschland eine Partei gibt, die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert“. (36) Sich selbst in einer Mischung aus Beschränktheit und Dreistigkeit als Naziopfer in Szene zu werfen, mithin nahezulegen, die AfD sei angetreten, einen Holocaust an den Moslems im Land vorzubereiten, hat nicht nur den Zweck, die Vernichtung der europäischen Juden zu verharmlosen. Die Mitleidnummer verschafft auch einen Wettbewerbsvorteil im politischen Geschäft, auf den die Mazyeks beim Jammern stets schielen: Jeder als antimuslimisch Gebrandmarkte ist ein willkommener Anlass, sich beleidigt aufzuplustern und noch mehr respektvolle Sonderbehandlung einzufordern. Die europäische Antwort auf dieses durchschaubare Taktieren verlogener Berufsmoslems heißt mitmachen und den Islam hofieren, wo man ihn trifft. Dies geschieht nicht nur, weil man diese unerhellte Religion als faszinierende Menschheitsbeglückung und Integrationsmaßnahme für deklassierte Migranten zu schätzen weiß, sondern auch in der Absicht, die militanten Glaubensbrüder zu besänftigen, obgleich diese die zarten Zuwendungen allein deswegen nicht als Handreichung zum friedlichen Miteinander annehmen, weil sie keinen Frieden wollen. Ganz im Gegenteil interpretieren die djihadistischen Mörder und ihre Helfershelfer die ihnen zuteilwerdende Anerkennung als Schwäche, die dazu animiert, den Krieg gegen die Ungläubigen, den Westen und die Juden noch entschlossener fortzusetzen. Diesem Unheil nichts entgegenzusetzen, es vielmehr blind vor Sündenstolz und Kultursensibilität zu befeuern, darin besteht der gegenwärtige Beitrag der antirassistischen deutschen Leitkulturvertreter, die damit mehr für die Kontinuität des deutschen Schreckens leisten als die zum Volksfeind erklärte AfD.

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