Blinde Frau im Zug von Nordafrikanern bestohlen und sexuell genötigt

Es ist erst kurz nach 18 Uhr, aber schon dunkel, als Erika Kälin (50) aus Einsiedeln SZ am Samstag in Langenthal BE in den Interregio nach Zürich steigt. Ihr Freund Reinhard Schütz (55) begleitet sie. Die beiden leidenschaftlichen Sportler kommen gerade von einem Samichlaus-Lauf. Es hat nicht viele Passagiere im Abteil. «Am Anfang gab es noch ein paar Leute», sagt Kälin, die fast komplett blind ist. In Olten wird es im Zug still. «Wir waren plötzlich fast allein», sagt Kälin. Dann betritt eine Horde Männer den Waggon. «Sie liefen mehrmals im Zug hin und her und nahmen schliesslich auf den Sitzen hinter uns Platz. Rückblickend ist für mich klar, dass sie gezielt nach einem Opfer suchten.» Die Männer reden laut miteinander, in einer für das Paar nicht verständlichen Sprache. «Sie hatten Wein, Bier oder Schnaps dabei und stanken schrecklich nach Alkohol.»Kälin hängt die Jacke an den Haken neben ihrem Sitz. Plötzlich bemerkt sie ein Rascheln. Kälin kontrolliert ihre Jackentaschen und erschrickt: «Mein Schlüsselbund war verschwunden!» Die Frau sucht verzweifelt danach. Ihr Freund hilft ihr dabei. «Sie fing an zu weinen», sagt Reinhard Schütz. «Ein Mann aus der Gruppe tat dann so, als wollte er ihr ebenfalls bei der Suche helfen. Er tastete sie dabei von hinten an der Leiste ab.» Schütz will verhindern, dass die Situation eskaliert, versucht Ruhe zu bewahren. «Doch dann griff der Mann meiner Freundin in den Schritt. Ich musste reagieren.» Der 55-Jährige stösst den Mann zur Seite, worauf dieser von der Frau ablässt. «Der Typ hat mich überall betatscht», sagt Kälin. «Es war ein Schock, furchtbar. Ich war sehr froh, dass mein Freund da war und mich beschützte.»Schütz verständigt die Transportpolizei. Bei der Einfahrt am Hauptbahnhof Zürich warten Beamte am Gleis und nehmen drei der Männer fest. Kälin erstattet Anzeige. Ausser dem Schlüsselbund ist zum Glück nichts weggekommen. Die Kantonspolizei Zürich, die neben der Transportpolizei für die Sicherheit am Hauptbahnhof verantwortlich ist, bestätigt die Festnahme. Einer der Männer ist geständig. Der 31-jährige Marokkaner wurde gemäss Oberstaatsanwaltschaft per Strafbefehl zu einer unbedingten Geldstrafe und zu einer Busse verurteilt. Der Mann drehte danach laut Sprecher Erich Wenzinger auch in Polizeihaft durch und bespuckte einen Polizisten. Den beiden anderen Festgenommenen habe kein Fehlverhalten nachgewiesen werden können. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig.Kälin ist mit einer Sicht von drei Prozent auf einem und acht Prozent auf dem andern Auge fast komplett blind. Als Langläuferin holte die Parathletin zahlreiche Auszeichnungen. So zum Beispiel Gold und Silber bei den Special Olympics World Winter Games 2017. Bis der Schock nach der Horrorfahrt im Interregio verdaut ist, dauert es mehrere Tage. «Ich konnte zuerst gar nicht mehr schlafen», sagt Kälin. Bei Zugreisen wird bei der Einsiedlerin wohl noch lange ein mulmiges Gefühl aufkommen.
blick.ch

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