Illegales Araber-Hotel auf Bauernhof ausgehoben

Foto: BMF / Bundesministerium für Finanzen

Aufgrund einer anonymen Anzeige haben die Finanzpolizei und das Finanzamt Ende August einen Bauernhof im Salzburger Pongau kontrolliert. Die Beamten stellten vor Ort fest, dass der Bauernhof von einem amtsbekannten, Eigentümer-Ehepaar ohne jegliche Genehmigung als illegaler Tourismusgroßbetrieb geführt wurde. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurde der Fall zunächst nicht publik gemacht, teilt das BMF mit. Der Betrieb umfasste die illegale Vermietung von acht Zimmern und Appartements mit insgesamt 30 Betten und einen Gastronomiebetrieb ohne Bewilligung mit einer Großküche, die sich über mehrere Räume erstreckte, sowie eine Gaststube mit 25 Sitzplätzen. Im Freien gab es weitere 40 Sitzplätze an Heurigentischen und rund 15 Lagerplätze auf der Wiese. Außerdem war an den illegalen Betrieb eine Gatterzucht für Rotwild inklusive Schlachthof angeschlossen. Zielgruppe des Betriebs waren offenbar vorwiegend arabischstämmige Gäste, die den Bauernhof mit PKW und Kleinbussen besuchten. Die Zimmer und Appartements wurden auf einer bekannten Online-Vermittlungsplattform angeboten und sowohl im Internet als auch am Bauernhof wurde mit Speisekarten in arabischer Sprache geworben. Anhand der Gästebewertungen im Internet konnten die Kontrolleure feststellen, dass der illegale Betrieb seit rund drei Jahren bestand und sowohl im Sommer als auch Winter betrieben wurde.Der 50-jährige Betriebsführer, seine 46-jährige Gattin sowie vier Beschäftigte waren beim Eintreffen der Finanzpolizei gerade mit dem Zubereiten der Speisen bzw. dem Abkassieren beschäftigt. In der Küche wurde eine 41 Jahre alte illegal beschäftigte Köchin angetroffen und der Polizei übergeben. Bei den weiteren Mitarbeiterinnen handelte es sich um eine legal beschäftigte Frau im Alter von 42 Jahren und eine legal beschäftigte 55-jährige Frau. Eine weitere illegal beschäftigte männliche Person servierte gerade Speisen auf einem Tablett, als sich die Finanzpolizisten dem Bauernhof näherten. Er stellte das Tablett hastig ab und flüchtete vor der Kontrolle in den nahegelegenen Wald. Die Beamten stießen rund um den Bauernhof auf rund 120 arabischstämmige Gäste, die gerade frisch gegrillte Schafe, Fisch, Reis und Wildtiere verzehrten. Die Gäste nutzten das schöne Wetter, um ihre Mahlzeiten im Freien an den Heurigentischen sowie auf den Lagerplätzen auf der Wiese sitzend einzunehmen. Dafür wurden von den Betreibern auch Decken zur Verfügung gestellt.In dem Gatter zählten die Finanzpolizisten rund 220 Stück Rotwild. Davon wurden wöchentlich im Hochbetrieb ca. 30 Tiere geschlachtet und verarbeitet. Darüber hinaus wurden in dem Betrieb mehrere eingefrorene bzw. gekühlte Tiere, verschiedene weitere Lebensmittel in Großmengen sowie mehr als eine Tonne einer speziellen Reissorte, die bei den arabischstämmigen Urlaubern offenbar beliebt ist, gelagert. Aufgrund der Kontrolle laufen die Ermittlungen auf Hochtouren und umfassen zahlreiche Delikte, von der illegalen gewerblichen Vermietung von Zimmern und Wohnungen bis zu steuerlichen und abgabenrechtlichen sowie fremdenrechtlichen Straftatbeständen. Die vor Ort gewonnenen Erkenntnisse wie zum Beispiel Erlösaufzeichnungen und Lebensmittelvorräte bilden die Basis für die bereits angesetzte Betriebsprüfung und ein anstehendes Finanzstrafverfahren. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass jedenfalls Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Ortstaxe, Lohnsteuer, Dienstgeberbeiträge und Kommunalsteuer hinterzogen wurden. Die Finanzpolizei verständigte die Salzburger Gebietskrankenkasse, das AMS, die Bezirkshauptmannschaft, die Fremdenpolizei und die Salzburger Lebensmittelbehörde. Die Betreiber, die sich bei der Kontrolle äußerst unkooperativ verhielten, müssen sich nun angesichts der Dimension und langen Dauer des illegalen Geschäfts auf hohe Nachforderungen sowie Strafen einstellen, die auf einen deutlich sechsstelligen Betrag geschätzt werden.

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