Cherchez la femme – unter dem Hidschab: Das Jüdische Museum Berlin auf lange vorgezeichneten Abwegen

Das größte jüdische Museum Europas entdeckte schnell sein revolutionäres Subjekt, das in Deutschland vor allem ein zu umsorgendes und zu verteidigendes Objekt ist: den Islam. Den ideologischen Grundstein dafür legte schon Bundespräsident Rau in der Eröffnungsrede, als er verkündete: „Die Wurzeln Europas liegen nicht allein im Christentum. Zu den Wurzeln Europas gehört auch die jüdische Kultur – übrigens auch die islamische.“ (11) Im JMB wurden bald das Akademieprogramm „Migration und Diversität“ (12) sowie das Jüdisch-Islamische Forum aufgebaut, die heute zentrale Bestandteile der angestrebten museal-aktivistischen Partizipation im „Meinungsbildungsprozess“ sind. Die Verklärung des Islam begann etwa im Jahre 2008 mit der Sonderausstellung „typisch! Klischees von Juden und Anderen.“ Schon hier stellte man bildliche Klischees und Stereotypen als bloß abstrakte Zeichen für Diskriminierung in einem Identifikationsakt nebeneinander, ohne auf zugrundeliegende Ideologien und deren Unterschiede einzugehen. Während des Jubiläumssymposiums mit dem Titel „Visionen der Zugehörigkeit – Juden, Türken und andere Deutsche“ (13) im Oktober 2011 (14), wurde die eingangs gestellte Leitfrage des Tages „Was ist deutsch im 21. Jahrhundert?“ spätestens mit dem Titel des Panel 2 beantwortet: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Auf jenem Panel saß unter anderen Naika Foroutan, die sich als laute Sarrazin-Kritikerin einen Namen gemacht hatte, worüber man vergaß, was sie in ihrer Dissertation, die sie für die Bundeszentrale für politische Bildung als Kurzfassung veröffentlichen konnte (15), so alles schrieb. (16) Ihr Hauptproblem war der israelische „Staatsterror“ (S. 96), weswegen sie auch für die islamische Welt die einzig adäquate Frage stellte, nämlich „welche Macht die jüdische Lobby in den USA tatsächlich hat, wenn sie die Supermacht dazu bringen kann, eine Teilnahme an einer UN-Konferenz abzusagen, weil Israel dort kritisiert werden sollte.“ (S. 96) Im Falle der PLFP und Hamas „wäre es angebrachter, von radikalen oder fundamentalistischen Gruppen zu sprechen und nicht von Terroristen.“ (S. 97) Schließlich versuchte sie dem seit dem 11. September 2001 nicht mehr zu leugnenden islamischen Terror noch Nützlichkeit zuzusprechen: „Tatsächlich stellt nun die Furcht vor der Bedrohung eine Gleichwertigkeit her, die durch Jahrzehnte währende moralische Vorhaben nicht erreicht werden konnte. Zumindest für die islamische Welt hatte sich somit der Konflikt als positiv dargestellt, denn von westlicher Seite herrschte zuvor eine latente Gleichgültigkeit gegenüber dieser Zivilisation. Diese Gleichgültigkeit ist nun, bedingt durch den sicherheitsbedrohenden Konflikt, in Interesse umgeschlagen. Dies erlaubt den Blick auf die islamische Welt aus einer anderen Perspektive.“ (S. 291 f.) Der letzte Satz der Arbeit lautet: „Kulturdialog wird der regulative Grundsatz der post-bipolaren Weltordnung sein, trotz anachronistischer Überlebenskämpfe der neokonservativen Politik oder gerade deswegen.“ (S. 293) (17) Heißt: Dank des islamischen Terrors haben die Kulturrelativisten und Dialogfreunde endgültig gesiegt (18), weshalb ein Jahr später Judith Butler im JMB ohne Bedenken ihren Adorno-Preis vor frenetisch klatschendem Fan-Publikum in einer lauen Diskussion mit Micha Brumlik verteidigen durfte, der ihren Antizionismus als „zu idealistisch“ befand – eine Sternstunde des Berliner Salon-Antizionismus. (19) Zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht (8. und 9. November 2013) ließ sich die Crew des Museums in trauter Runde während der Tagung „Antisemitism in Europe Today: the Phenomena, the Conflicts“ von dem vor allem für seine antiisraelische Haltung und seinen antizionistischen Aktivismus bekannten Brian Klug öffentlich erläutern, was Antisemitismus sei bzw. vor allem, was alles nicht antisemitisch sei. (20) Detlev Claussen – mittlerweile völlig auf der kommunikationstheoretischen Linie von Jürgen Habermas – „kritisierte“ letztlich doch zustimmend (21) und Evelien Gans führte lang und verwirrend aus, wieso der proisraelische, frauen-, schwulen- und judenfreundliche Geert Wilders und nicht der islamische antisemitische Terror das größte Problem sei. (22) Man kann sich durchaus vorstellen, welche Befriedigung den Redakteur für Islamophilie bei der Taz, Daniel Bax, erfüllt haben muss, als er Blumenthal mit den Worten zitieren konnte: „Wenn ich die Debatte um Muslime in Deutschland heute verfolge, fühle ich mich erinnert an Erfahrungen, die ich als Jude in Deutschland gemacht habe.“ (23)

In diese Reihe der bedauerlichen Einzelfälle und Fehltritte fügte sich schließlich noch 2014/2015 die Ausstellung zur Beschneidung unter dem doppeldeutigen Titel „Haut ab! (24) Haltungen zur rituellen Beschneidung“ mit einer beschnittenen Banane als fetzigem Titelbild ein. Die „Haltungen“, welche Beschneidung kritisch betrachten oder gar ablehnen, bestünden vor allem aus „Antiislamismus und Antisemitismus“. (25) Man ließ dort dann Prof. Dr. Christina von Braun mit Prof. Dr. Schirin Amir-Moazami „diskutieren“, was in Anbetracht der jeweiligen bisherigen Arbeiten der beiden natürlich ein Selbstgespräch war. Zumal der Schwerpunkt beider sonst eher in der Verharmlosung des Kopftuches liegt, das beispielsweise vor der „Kopulation mit den Augen“, also dem magisch-penetrierenden Blickfick, bewahre.

Bis März 2017 konnte man schließlich eine Ausstellung betrachten, die sehr viel verriet, ohne dass es jemanden gestört hätte, zumindest nicht die Bedürfnisse der Besucher. „A Muslim, a Christian and a Jew“ (26) sollte auf einen Witz verweisen, der im Anschluss dekonstruiert werden würde. In der Ausstellung setzte „sich Eran Shakine humorvoll mit der Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Muslim*innen, Christ*innen und Jüd*innen auseinander“, verkündete das Museum. Was in der Ausstellung aber absolut keine Rolle spielte, waren gerade die Unterschiede zwischen diesen Religionen – wie es der Ankündigungstext schon angedeutet hatte: „Bei Shakine jedoch erscheinen die drei als äußerlich nicht unterscheidbares Trio.“ (27) Die „Pointe“ war, dass sie sich „innerlich“ natürlich auch nicht unterschieden. Das Wort „Unterschiede“ fällt deshalb so permanent, um sie als tatsächliche dann zu verschweigen bzw. kleinzureden. Dies gilt für nahezu jede Ausstellung, die sich auch mit dem Islam beschäftigt. Die Feuilletons helfen munter mit, schreiben fleißig die Pressemappen und -mitteilungen ab – oder fast noch schlimmer: formulieren sie nur um, betonen also ebenfalls euphorisch, dass das Jüdische Museum Berlin differenzierte Religionskomparatistik betreibe, und propagieren damit die mal verkappte, oft aber explizite Identifizierung, die mit einem Vergleich nichts zu tun hat.

http://redaktion-bahamas.org/artikel/2017/76-cherchez-la-femme/

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