Fass mich nicht an

falterkoeln

In der Ausgabe vom Januar 2016 erschien als Titelbild der Wiener Wochenzeitschrift Falter eine Zeichnung der Illustratorin Bianca Tschaikner zu den massenhaften sexuellen Übergriffen moslemischer Männer auf Frauen in der Silvesternacht in Köln. Die Zeichnung zeigt Dutzende schwarzhaarige, physiognomisch gleich aussehende Männer, die mit entschlossen aggressivem Gesichtsausdruck ihre Hände nach vereinzelt in ihrer Mitte gefangenen, weinenden blondhaarigen Frauen ausstrecken; ein Polizist wird von der Männermenge in Richtung Bildrand abgedrängt. (1) Die Männer formen einen undurchdringlichen Block, ohne deshalb eine Bande zu bilden. Vielmehr scheinen sie untereinander so wenig Beziehungen zu haben wie die einzelnen Frauen, die von ihnen umzingelt werden und sich gegenseitig nicht helfen können. Was die Männer verbindet, ist offenbar eher das momentane Ziel des Übergriffs als eine vorweg bestehende Zusammengehörigkeit. Zu einem Zeitpunkt, als in der Bundesrepublik zu den mit großer Verspätung bekannt gewordenen Vorfällen in Köln neben Forderungen nach einer Verschärfung des Sexualstrafrechts ausschließlich beschwichtigend verallgemeinernde Phrasen über die Omnipräsenz „sexualisierter Gewalt“ im Alltag zu hören waren, gegen die nun endlich vorzugehen sei, hatte das österreichische Magazin, das seit seiner Gründung 1977 mit einer dezidiert libertären Haltung konservativen wie linken Provinzialismus attackiert, durch Wahl dieses Titelbildes alle Tatsachen festgehalten, die nach kurzem Erschrecken sogleich zerredet, zerdeutet, verleugnet und schließlich in kollektiver Amnesie dem Vergessen überantwortet wurden. Nicht zuletzt in dieser Amnesie, die die Übergriffe (dass es auch in anderen Städten welche gab, weiß längst niemand mehr) zu einer Reihe diffuser Einzeltaten zusammenschrumpfen ließ, ähneln die Kölner Ereignisse den Attentaten von Paris, an die mittlerweile nur noch das Fortbestehen des Ausnahmezustands erinnert, der in ihrer Folge ausgerufen wurde, während tatsächlich zum schlechten Normalzustand zurückgekehrt worden ist. Als Täter figurieren im einen Fall „im Namen des Islam“ mordende „Extremisten“, im anderen Fall „kriminelle Asylanten“, während der Alltagsislam in Westeuropa, der Ermöglichungsgrund von beidem ist, unangetastet bleibt. Ein Fall für den Presserat Tschaikners Illustration dagegen verdeutlicht, was im begleitenden Artikel der Falter-Autorin Sibylle Hamann mit Recht hervorgehoben wird (2): dass es sich bei den sexuellen Aggressionen auf dem Domplatz nicht um Akte animalisch enthemmter Triebtäter handelte, sondern um die kollektive Erniedrigung erkennbar westlicher Frauen durch selbsternannte moslemische Herrenmenschen, ausgeführt mit ruhiger Zielstrebigkeit und in stolzer Gewissheit der eigenen Übermacht. Die Mischung aus Selbstgewissheit und Häme, die auf der Illustration die Gesichter der Täter kennzeichnet, desavouiert die Behauptung, Alkoholkonsum, fehlgelenkte sexuelle Begierde oder Leiden unter sozialer Inferiorität hätten die Übergriffe motiviert. Dass es sich bei den Männern zwar um eine übermächtige Gruppe, aber um keine Bande handelt, widerspricht dem Versuch, die Ereignisse als Erscheinungsform organisierter Kriminalität zu verharmlosen. Der von der Männermenge abgedrängte Polizist, vereinzelt wie die Frauen, indiziert schließlich, was niemand nach den Kölner Vorfällen auch nur anzudeuten wagte: dass hier, als gleichsam alltagspraktisches Echo auf die Attentate von Paris, kollektiv und spontan ein islamischer Gegensouverän auf den Plan getreten war, um an den unzüchtigen Schlampen, denen im westeuropäischen Alltag bislang zumindest nicht überall gezeigt werden darf, was von ihnen zu halten ist, erstmals ein für jeden sichtbares öffentliches Exempel zu statuieren. Selbst, dass die Frauen blond und die Männer schwarzhaarig sind, ist klärend statt verunklarend, weil die Qualität der Taten ohne Reflexion auf die ethnische Herkunft der Täter überhaupt nicht auf den Begriff gebracht werden kann. Überdies gelingt es der Zeichnung gerade durch solche Typisierung, die Kölner Ereignisse statt als Addition von Einzeldelikten als das darzustellen, was sie waren: ein Standgericht zwecks Abstrafung zur Nichtigkeit verdammter weiblicher Individuen, und damit auch einer Öffentlichkeit, in der Frauen ohne Schutz durch Bruder, Freund oder Freundin ihrem Vergnügen nachgehen können. Die Entindividualisierung der Täter wie der Opfer war kein manipulativer Eingriff der Zeichnerin, sondern brachte das erschreckend Neue an den Ereignissen zum Ausdruck. Tschaikner jedoch hat für ihre Zeichnung im vergangenen April keinen Preis, sondern eine Rüge vom österreichischen Presserat erhalten. Der Klage einer Leserin, die beanstandet hatte, in Tschaikners Zeichnung würden die Kölner Täter als „spezifisch nordafrikanisch porträtiert“, womit pauschal „Muslime und Schwarze“ (!) diskreditiert würden, ist damit stattgegeben worden. Durch „die Uniformität der Darstellung“, meinte der Presserat, werde suggeriert, dass es sich bei den Tätern „nicht um einzelne Individuen, sondern um eine homogene Gruppe handle, bei der sich alle Mitglieder gleich verhalten würden“ (3) – als wäre nicht genau das in Köln auch geschehen. Die Verhandlung über die Klage hatte am 22. März, dem Tag der Anschläge von Brüssel, stattgefunden. Auf den Erkenntnisgehalt dieser Koinzidenz wies Tschaikner in einer Stellungnahme auf Facebook hin, die wegen ihrer ungewöhnlichen Klarheit ausführlich zitiert zu werden verdient: Heute morgen habe ich […] der „Gerichtsverhandlung“ des österreichischen Presserats zu dem von mir im Jänner gezeichneten Falter-Cover zum Thema Köln beigewohnt. […] Am selben Tag werden wieder mal (man gewöhnt sich ja fast schon langsam dran, nicht wahr?) mitten in Europa für die hehren Ziele des politischen Islam Dutzende Menschen ermordet und ganze Städte in Angst und Schrecken versetzt […]. Die selbstzerstörerische Borniertheit und Blindheit derer, die sich weigern, zu erkennen, dass das Problem nicht Leute wie ich sind, die es wagen, sexuelle und andere Terrorakte von islamistischer und muslimisch-patriarchaler Seite zu thematisieren, und dass nicht wir es sind, die mit der Benennung dieser Taten den Islam verunglimpfen, sondern dass der politische Islam das Problem ist, und dass der Islam derzeit den Job, sich selbst zu verunglimpfen, schon selbst sehr gut erledigt, macht mich schlicht fassungslos. Die Selbstzerstörung, die derzeit vor allem in Deutschland und Österreich stattfindet, erinnert mich mittlerweile langsam an ganz andere dunkle Zeiten, in denen dank dem Wegschauen der Bevölkerung die furchtbarsten Dinge geschehen konnten – Dinge, die zuvor ebenfalls niemand für möglich gehalten hätte. Ich möchte all den politisch korrekten islamismusfreundlichen kulturrelativistischen GrenzegegnerInnen eines mitgeben: Wenn das, was wir jetzt durchleben, und das, was noch auf uns zukommt, Geschichte sein wird, werdet ihr es sein, ihr, die all ihr Handeln und Denken einzig von der blinden Angst, dass sich die Geschichte wiederholt, leiten lassen, ihr werdet es sein, die sich ihrerseits den schon bekannten Fragen stellen werden müssen: Warum habt ihr zugeschaut? Warum habt ihr nichts gesagt? Wie konntet ihr das zulassen? (4) Hier ist in unübertroffener Prägnanz zusammengefasst, was eine aufklärte Öffentlichkeit, schon um die Bedingungen ihres Selbsterhalts zu sichern, angesichts der Kölner Ereignisse reflektieren müsste: dass zwischen den Vorfällen von Köln und den Attentaten von Paris und Brüssel ein Zusammenhang besteht – nicht, weil sich die Kölner Täter von djihadistischen Massenmördern inspirieren ließen, sondern weil sie mit diesen, auch wenn sie mit ihnen nichts zu tun haben, den Hass auf die westlichen Gesellschaften, die in ihnen garantierten Rechte und vorausgesetzten Pflichten, und den unbedingten Willen teilen, diese Gesellschaften durch gemeinschaftliche Akte islamischer Dezivilisierung ihrer Grundlage zu berauben; dass eben deshalb, und durchaus unabhängig davon, dass einzelne Djihadisten im Zuge der jüngsten Flüchtlingsbewegungen nach Westeuropa gelangt sind, die Kölner Übergriffe, die djihadistischen Attentate und die Flüchtlingspolitik sinnvoll nur gemeinsam thematisiert werden können; schließlich die Einsicht, dass Warnungen vor einer Wiederholung der Geschichte, wie sie in der Mobilisierung gegen den sogenannten Rechtspopulismus omnipräsent sind, systematisch darüber hinwegtäuschen, dass Geschichte stets nur verwandelt wiederkehrt und die konkrete Form, die die Bedrohung des Nationalsozialismus unter den Bedingungen der multikulturalistischen Zivilgesellschaft annimmt, nicht FPÖ oder AfD, sondern der islamische Terror und seine basisdemokratische Voraussetzung, der Alltagsislam, sind, die nicht zufällig in Deutschland am stärksten verharmlost werden.  

Wir bauen einen Mythos

Erwartungsgemäß bildete sich, nachdem der Presserat der Klage stattgegeben und seine Rüge ausgesprochen hatte, in den sozialen Netzwerken um Tschaikner keine der sonst üblichen Solidarisierungswolken. Nur die Redaktion des Falter druckte eine allerdings deutliche Solidaritätsadresse (5); eine „Wir sind Bianca“-Kampagne blieb aber aus, und keine einzige sich als emanzipatorisch-feministisch verstehende Zeitschrift druckte die Zeichnung nach. Im Gegenteil, das „feministische“ österreichische Magazin An.schläge, dessen Name dadurch einen ganz neuen Beiklang erhielt, beendete die seit sechs Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der Illustratorin und widerrief zwei bereits vereinbarte weitere Aufträge, weil die Redaktion Tschaikners Darstellung der Kölner Übergriffe für „rassistisch diffamierend“ hielt, eine Einschätzung, die, wie mit autoritätssüchtiger Zufriedenheit konstatiert wurde, „vom Presserat jetzt bestätigt“ worden sei. Die Kooperation sei, verlautbarte die Redaktion in adäquatem Arbeitgebertonfall, in „gegenseitigem Einvernehmen“ beendet worden, man selbst wisse sich auf der zivilgesellschaftlich korrekten Seite: „Unsere Berichterstattung zu den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln richtet sich […] sowohl gegen rassistische Hetze als auch gegen ein Verschweigen der Vorfälle im Namen des Antirassismus.“ (6) Die Januar-Ausgabe der An.schläge enthielt zum Köln-Thema allerdings keine Kritik des Antirassismus, sondern den deliranten Text einer Irmtraud Voglmayr über die angeblich durch mediale Bildpolitik beförderte „Konstruktion gefährlicher Körper“, zu denen neben „Körpern“ von „Sexarbeiter_innen, Bettler_innen, Obdachlosen“ auch die von „Geflüchteten“ zählten, deren Dämonisierung der Verwandlung der Öffentlichkeit in einen „Angstraum“ diene – ein fast schon plakatives Beispiel für die demagogische Umdeutung nachweislicher Straftaten in ein Ergebnis von „Konstruktionen“ und „Wahrnehmungen“, die bald die Köln-Debatte bestimmte und der Tschaikner mit ihrer Zeichnung gerade entgegengearbeitet hatte. (7) Tschaikners Klarstellung, die Zusammenarbeit mit ihr sei einseitig aufgekündigt worden, und ihre Erklärung angesichts der Klage vorm Presserat wurden gar nicht erst kommentiert – eine konsequente Anwendung des in der Redaktion beliebten Begriffs der Definitionsmacht. Dabei hatte der Falter die Zeichnerin und die Autorinnen zum Köln-Thema bereits mit Rücksichtnahme auf den sprechorttheoretischen Amoklauf eines Teils seiner Leserschaft ausgewählt. Tschaikner hat in Chile studiert, zwei Jahre in Marokko gelebt, in palästinensischen Flüchtlingslagern in Jordanien gearbeitet und Iran, Dubai und die Westsahara bereist (8); Sibylle Hamann, die den Essay zum Thema verfasste, schreibt für Emma und berichtete für das Nachrichtenmagazin Profil unter anderem aus Ruanda, dem Kongo und Afghanistan. Beide können also Naherfahrungen mit dem Alltag in islamischen Ländern sowie linkes und feministisches Engagement vorweisen. Da aber Emma wegen der vernünftigen Äußerungen Alice Schwarzers über den Islam in genderfeministischen Kreisen längst als Sprachrohr eines westlichen, also bösen Feminismus gilt und weder Tschaikner noch Hamann über moslemische Wurzeln verfügen, konnten ihre Wortmeldungen als Ausdruck eines unreflektierten Eurozentrismus übergangen werden. Maßgeblich für die Wahrnehmung der Kölner Ereignisse wurde wenige Wochen nach den ersten Presseberichten stattdessen die Deutung der ehemaligen Traditionsfeministin Barbara Vinken, die am 4.2.2016 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk die sexuellen Übergriffe als Konstituenten eines „Mythos“ beschrieben hatte, wonach „ein Land, um geeinigt zu werden, den fremden Mann braucht, der auf die einheimischen Frauen übergreift“. (9) Die Attacken versteht Vinken weniger als reale Vorfälle denn als nationalistisches Phantasma, als „Szenario“, wonach „unsere deutschen, milchweißen Frauen“ durch „fremde, dunkle Männer“ bedroht seien. Nicht der patriarchalische Übergriff, sondern der um ihn geschaffene Mythos habe „Deutschland verändert, insofern als hier ein sehr fremdenfeindliches, sehr patriarchalisches Szenario wiederbelebt“ worden sei. Damit war der Rahmen geschaffen, um den in Köln angegriffenen Frauen pauschal rassistische Projektionen unterstellen und ihnen die Fähigkeit absprechen zu können, das, was ihnen geschah, angemessen zu beurteilen. Vom Ausdruck einer politischen und gesellschaftlichen Gefahr wurde Köln zum Symptom der Psychopathologie weißer deutscher Frauen, die zwecks Aufarbeitung ihres verleugneten Rassismus unbedingt eine kulturwissenschaftlich versierte Mythologin konsultieren sollten. Ob alle der in Köln belästigten Frauen überhaupt weiß und deutsch waren, hat nie jemanden interessiert.
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