Ein Kardinal sorgt sich um „Palästina“

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist „besorgt“ um die Situation der Palästinenser. Seine Einschätzung gleicht propagandistischer Desinformation – und hat mit der tatsächlichen Lage vor Ort wenig gemeinsam. Eine Analyse von Ulrich W. Sahm

Woelki äußerte seine Beunruhigung über die Situation in Israel und „Palästina“ beim katholischen Radiosender Domradio. Der Kardinal befindet sich auf Rundreise in „Israel und Palästina“, sein eigenwilliger Blick auf die Fakten bietet jedoch Anlass zur Kritik.

„Checkpoints“

„Es ist auch erschreckend zu sehen, wie viele Checkpoints dort sind und wie Israel palästinensische Gebiete bei möglichen Unruhen absperren kann.“ Woelki scheint im Westjordanland nicht herumgereist zu sein. Denn dann hätte er bemerkt, dass es kaum noch Checkpoints gibt. Zwischen Ramallah und Nablus oder Bethlehem und Hebron sind alle Checkpoints geräumt worden, mit Ausnahme palästinensischer Checkpoints, deren Personal kontrolliert, ob sich israelische Juden mit ihren Autos in die palästinensisch verwalteten Gebiete verirrt haben. Die werden dann zurückgeschickt, um Anschläge auf sie zu verhindern.

Zwischen Israel und den besetzten Gebieten gibt es tatsächlich die Checkpoints, weil Israel aus guten Gründen nach zahllosen Selbstmordattentaten und anderen Terroranschlägen bemüht ist, niemanden unkontrolliert einzulassen. Woelki erwähnt natürlich nicht, dass es bis heute fast täglich Versuche von Palästinensern gibt, Waffen, Sprengstoff, Messer oder gar Rohrbomben nach Israel zu schmuggeln. Die potentiellen Attentäter werden an den Checkpoints gefasst und gestehen beim Verhör, Juden umbringen zu wollen. Kann es sein, dass ein deutscher Kardinal derartiges gutheißt?

Und wenn es, wie Woelki behauptet, „Unruhen“ gibt, die leicht blutig ausgehen und gegen Israel gerichtet sind, ist es den Israelis wirklich zu verdenken, wenn sie diese Gebiete absperren? In Köln jedenfalls sperrt die Polizei doch auch Straßen und Gebiete, wenn da gewaltsame Demonstrationen oder gar Unruhen erwartet werden. Ist es wirklich so verwerflich, Unruhegebiete absperren zu können, wie Woelki das in seinem kurzen Interview kritisiert?

„Eingemauertes Palästina“

„Es ist schon bedrückend zu sehen, dass Palästina eingemauert ist“, sagte Woelki dem Domradio. Jeder Besucher Israels seit dem Jahr 2003 trifft auf dem Weg von Jerusalem nach Bethlehem auf die acht Meter hohe graue Betonmauer und ist erschüttert. Doch „eingemauert“ ist „Palästina“ keinesfalls. Schon ein paar hundert Meter nach links oder rechts vom „Kontrollpunkt 300“ auf dem Weg nach Bethlehem endet die Mauer mitten in der Landschaft. Im Süden und Osten Bethlehems gibt es gar keine Mauer. „Eingemauert“ bedeutet jedoch, dass eine Mauer rundum steht. Tatsächlich besteht der von Israel erst seit 2003 errichtete Sperrwall bestenfalls zu fünf Prozent aus Mauern. Der Rest sind elektronisch überwachte Zäune und Patrouillenstraßen.

Wo liegt „Palästina“?

Das gilt umso mehr für „Palästina“, wobei man den Kardinal fragen müsste, was er eigentlich damit meint. „Palästina“ war einst der Name des gesamten Mandatsgebiets der Briten, inklusive des heutigen Königreichs Jordanien. Nachdem die Briten das damalige Transjordanien dem Emir von Mekka überreicht hatten, blieb nur noch das Gebiet des heutigen Staates Israel, des Westjordanlandes und des Gazastreifens als „Palästina“. Für die Palästinenser gehört auch das Territorium des Staates Israel zu Palästina. Eigentlich dürften nur die von den Palästinensern seit 1994 selbstverwalteten Gebiete im Westjordanland und der Gazastreifen als „Palästina“ bezeichnet werden. Denn die übrigen Gebiete im Westjordanland stehen weiterhin unter israelischer Kontrolle, ohne dass deren Souveränität geklärt wäre. Sie werden von den Palästinensern „beansprucht“, doch gehören sie ihnen nicht.

Propagandistische Desinformation

Nachdem Woelki die deutsche Bevölkerung aufgerufen hat, sich über das Heilige Land und die politische Lage zu informieren, greift er selber zu unlauteren Methoden der propagandistischen Desinformation. Er sei bestürzt, „wie sich Israel des Landes, das den Palästinensern zusteht, bemächtigt und dort durch Siedlungsbau eingreift“, sagte Woelki.

Was meint er mit „zusteht“ und was mit „bemächtigt“? Den Palästinensern steht nur jenes Land zu, das ihnen infolge von Verhandlungen zur Verwaltung von Israel überstellt worden ist, denn weder die Osmanen als letzte Souveräne, noch die Briten als Mandatsmacht, noch die Jordanier als Besatzungsmacht zwischen 1949 und 1967 haben da ein Wort mitzureden.

Die Palästinenser haben sich als Volk erst 1968 konstituiert und stellen seitdem Ansprüche auf das Land, manchmal gar auch auf das Land, in dem Israel 1948 errichtet worden ist. Kann man da wirklich behaupten, dass ihnen dieses Land zustehe? Oder mal anders gefragt: Steht Woelki, dem Sohn von Vertrieben aus Ostpreußen, nicht auch jenes Land zu? Es sei hier noch angemerkt, dass die israelischen Siedlungen im Falle eines Friedensabkommens auch wieder geräumt werden können, wie 1982 mit der Räumung aller Siedlungen im Sinai bewiesen und 2005 mit dem Abzug aller Siedler und Militärs aus sämtlichen Siedlungen im Gazastreifen und im Norden des Westjordanlandes. „Ermächtigt“ ist da wohl eher ein relativer Begriff.

Schwindender Anteil von Christen, der sich aber stetig vermehrt

Woelki fordert dann auch noch „Solidarität mit den Christen in Israel“, der einzigen christlichen Minderheit im ganzen Nahen Osten, die in Frieden und Religionsfreiheit mit allen demokratischen und anderen Bürgerrechten ein Leben ohne Bedrohung genießen kann. Um seine „Sorge“ zu bekräftigen, verwendet er einen üblen statistischen Trick, ohne ihn zu erklären: „Wir hatten hier 1948 noch zehn Prozent Christen, als der Staat Israel gegründet wurde. Gegenwärtig geht die Zahl der Christen gegen ein bis zwei Prozent.“

Er sagt freilich nicht, dass sich die Zahl der Christen im Staat Israel seit 1948 stetig vergrößert hat. Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung ist gesunken, weil Hunderttausende Juden seitdem eingewandert sind, darunter Holocaustüberlebende aus Europa und rund 800.000 vertriebene Juden aus den arabischen Ländern. Hinzu kommt, dass vor allem die Muslime unter den Arabern in Israel eine wesentlich höhere Geburtenrate haben, als die Christen. Dank ihrer sehr hohen Bildung leisten sie sich eine ähnlich niedrige Geburtenrate, wie die Juden Israels. Würde der Kölner Kardinal ernsthaft das gleiche Zahlenspiel auch auf Deutschland anwenden und behaupten, dass der Anteil der Türken (Gastarbeiter und Migranten mit türkischem Hintergrund, also Muslime) 1990 auf einen Schlag gesunken ist, ohne dass auch nur ein einziger Türke Deutschland verlassen hätte? Mit der Wiedervereinigung gab es nämlich plötzlich 20 Millionen mehr Deutsche im gleichen Land, wodurch der Anteil der Türken spürbar gesunken ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei http://www.audiatur-online.ch via israelnetz

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Eine Antwort zu Ein Kardinal sorgt sich um „Palästina“

  1. E.C. schreibt:

    Es war einmal, vor langer, langer Zeit, da gab es einen Journalisten und guten Nahostkorrespondneten namens Sahm, dann mutierte er zum hirnlosen Nachplapperer der Likudregierung.

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