“Unser Held”

Was in Deutschland und in den von Deutschen im Zweiten Weltkrieg eroberten Gebieten als Endlösung der Judenfrage betrieben wurde, war durchaus kein Geheimnis, das erst mit dem Sieg der Alliierten über die Deutsche Wehrmacht gelüftet werden konnte.
Gewiß, das ganze Ausmaß des Holocaust wurde erst nach Kriegsende offenbar. Daß es einem Todesurteil gleichkam, als Jude Deutschen und deren Helfershelfern ausgeliefert zu sein, ahnte man aber im Frühjahr 1943 bestimmt schon seit einiger Zeit.
Zahlreiche Menschen in alliierten Staaten setzten sich bei ihren Regierungen dafür ein, Juden zu helfen, Juden zu retten, stießen dabei aber leider oft genug auf Ablehnung. Manchmal indes wurden solche Initiativen auch erhört, beispielsweise Anfang 1943.
Damals signalisierte die Regierung in London dem Auswärtigen Amt in Berlin jedenfalls ihre grundsätzliche Bereitschaft, rund 5.000 jüdische Kinder in das Mandatsgebiet Palästina einreisen zu lassen, eine gleichwohl kleine, aber doch immerhin eine Zahl.
In Deutschland versetzte der Gedanke daran, auch nur 5.000 Juden könnten vor der sicheren Ermordung bewahrt werden, einen hohen Gast in helle Aufregung: Haj Mohammed Amin el Husseini, den Großmufti von Jerusalem, der seit 1941 im Exil in Deutschland lebte.
Am 6. Mai 1943 schrieb er zunächst einen empörten Brief an den bulgarischen Außenminister, den er an “die jüdische Gefahr für die gesamte Welt” erinnerte, um dann darüber zu, daß schon Vorbereitungen zur Ausreise von 4.000 jüdischen Kindern getroffen würden.

“Ich möchte mir erlauben, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es sehr angebracht und zweckmässiger wäre, die Juden an der Auswanderung aus Ihrem Land zu verhindern, und sie dorthin zu schicken, wo sie unter starker Kontrolle stehen, z.B. nach Polen. [sic!]” (1)

Und am 13. Mai 1943, die Bulgaren hatten wohl noch nicht zufriedenstellend geantwortet, wandte Haj Mohammed Amin el Husseini sich in der gleichen Angelegenheit an “Euer Exzellenz”, den “Reichsminister des Äusseren von Ribbentrop”:

“Ich möchte [..] Euere Exzellenz bitten das Äusserste zu tun, Bulgarien, Rumänien und Ungarn von der Durchführung dieses an sich jüdisch-englisch-amerikanischen Planes Abstand nehmen zu lassen, und dieser Frage Ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken. [sic!]” (2)

Der Großmufti von Jerusalem glaubte gute Gründe zu haben für sein Bitten:

“Die Auswanderung der Juden aus den bisher von ihnen – bewohnten Ländern, und ihre Konzentration im Nahen Osten, wird ihnen erlauben mit den übrigen Juden der Welt, bei Ausnützung ihrer bisher gesammelten kriegswichtigen Kenntnisse, und ihrer bestehenden gut getarnten Organisationen zu Gunsten der Verbündeten ungehindert in Verbindung treten, und werden somit viel schädlicher und gefährlicher als bisher. [sic!]” (3)

Das wirkte. Die 4.000 jüdischen Kinder und ihre Begleiter konnten nicht nach Palästina reisen, sondern wurden dorthin verbracht, “wo sie unter starker Kontrolle stehen”. Was das bedeutete, war Haj Mohammed Amin el Husseini bekannt:

“Aus seiner Kenntnis des nationalsozialistischen KZ-Systems [..] lässt sich schließen, dass der Mufti vom Vernichtungsprogramm der Nationalsozialisten Kenntnis besaß und also im vollen Umfang für die Konsequenzen seiner Intervention verantwortlich war.”

Nie für seine Taten zur Rechenschaft gezogen, konnte der Mufti von Jerusalem nach seiner Flucht aus Berlin 1945 von Ägypten aus sein Wirken fortsetzen. Yassir Arafat sollte den 1974 Verstorbenen “our hero” nennen, sein Nachfolger Abu Mazen ihn als “Märtyrer” ehren.
(1): Gerhard Höpp (Hg.): Mufti-Papiere, Berlin 2004, S. 163f.
(2): ebenda, S. 164f.
(3): ebenda, S. 165
 tw24

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