Genese und Geltung

Wenn es um den Schutz der Gesundheit, zumindest im Westen, geht, dann gibt es noch Zivilcourage, sogar unter Studenten. „Sorry, but you can’t smoke on Campus“, wies ein Kommilitone einen jungen Mann höflich zurecht, der sich verdeckt dabei filmen ließ, wie er auf dem Universitätsgelände der University of California in Berkeley, die ISIS-Fahne schwenkend, eine Zigarette rauchte. Abgesehen von diesem kurzen Intermezzo ließ man ihn jedoch gewähren und ging wortlos an ihm vorbei. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als der junge Mann die ISIS-Fahne gegen die des jüdischen Staates eintauschte. Nun hagelte es wüste Beschimpfungen und Drohungen, das Übliche aus dem Arsenal der „Israelkritiker“: „Kid-Killers, Thieves, Genocide“ und dergleichen mehr. (1)

Wer nun meint, von dieser Performance nicht auf die Wirklichkeit schließen zu können, sieht sich eines Besseren belehrt, wenn er nur einen Blick über den Kanal nach England wirft. Am 16. Oktober 2014 berichtete die Haaretz von der Insel nämlich folgendes: „Die nationale Studentenvereinigung des vereinigten Königreichs hat einen Antrag, der den Islamischen Staat verurteilt, mit der Behauptung zurückgewiesen, dieser sei islamophob.“ Gegen diesen Antrag hatte eine Studentin der postkolonialen Theorie und der Sprache (vermutlich Anglistik) in Birmingham, die Abgeordnete schwarzer Studenten, Malia Bouattia, mobilisiert. Die Studentenvereinigung verlautbarte schließlich Folgendes: „Wir anerkennen, dass die Verurteilung von ISIS zu einer Rechtfertigung von Krieg und offener Islamophobie gekommen zu sein scheint. […] Diese Rhetorik verschlimmert den Gegenstand, um den es geht, und im Wesentlichen ist es ein weiterer Angriff auf diejenigen, die wir zu verteidigen beabsichtigen. […] Die Kampagne Schwarzer Studenten innerhalb der nationalen Studentenvereinigung unterstützt Black communities auf dem ganzen Globus kompromisslos gegen Imperialismus und westliche Einmischung, die, wie die Geschichte zeigt, viel zu oft zum Leid der Schwarzen geführt hat.“ (2) Auf derselben Sitzung der nationalen Studentenvereinigung wurde die europaskeptische Partei UKIP verurteilt und zu einem Boykott des jüdischen Staates aufgerufen.

Wilde und Neurotiker

Fast gleichzeitig regte sich gegen die „weißen“ Zumutungen auch Widerstand am renommierten linken Goldsmiths-College in London. Die streng bekopftuchte studentische Abgeordnete für Erziehungswissenschaften, Sarah El-alfy, forderte dort ihre Kommilitonen in der studentischen Vollversammlung der Universität dazu auf, dem eingebrachten Antrag, doch einen offiziellen Gedenktag des Holocaust an der Uni einzuführen, und zwar neben denen für die Opfer des Stalinismus, des Holodomors, also der Stalinschen Aushungerung der ukrainischen Bevölkerung, sowie des Genozids an den Armeniern eine Abfuhr zu erteilen, weil ein solches Ansinnen „eurozentrisch“ und „kolonialistisch“ wäre. El-alfy fügte hinzu: „Gedenktage sollten nicht bloß auf eine Liste europäischer geschichtlicher Ereignisse reduziert werden. […] Angesichts unserer langen Geschichte sich für Diversität und die Anerkennung zahlreicher Kämpfe einzusetzen und in Anbetracht der Tatsache, dass derzeit der Monat der schwarzen Geschichte [Black History Month] ist, fühle ich, dass der Antrag nicht weit genug ging.“ Ihrer Aufforderung wurde flugs mit einer durchaus totalitären Mehrheit von 60 zu 1 Stimmen entsprochen. Ein besonders sensibler Student wird mit den Worten zitiert: „Der Antrag würde Leute dazu zwingen, sich an Sachen zu erinnern, an die sie sich möglicherweise nicht erinnern möchten.“ (3)

Derartigen Aussagen und Reaktionsweisen mit dem dezenten Hinweis auf die historischen Tatsachen begegnen, beispielsweise darauf aufmerksam machen zu wollen, dass die Annahme von homogenen „black communities around the world“ ein rassisches Phantasma darstellt, und dass die westliche Einmischung die Sklaverei nicht eingeführt, sondern abgeschafft und dem wesentlich umfangreicheren arabo-muslimischen Sklavenhandel – zwar zögerlich, aber immerhin – den Riegel vorgeschoben hat, oder klarzustellen, dass die Opfer des Stalinismus doch größtenteils im Gulag vernichtet wurden, die am anderen Ende der Welt, nämlich in Sibirien gelegen waren, dass auch eine von einem palästinensischen Moslem geleitete muslimische SS-Division das Morden in Bosnien übernahm und dieser Amin al-Husseini zudem ganz persönlich die Vernichtung der ungarischen Juden in die Hand nahm, oder dass der Genozid an den Armeniern sich doch östlich der territorialen Grenze Europas am Bosporus ereignete, oder höflich nachzufragen, was diese Vernichtungen denn überhaupt mit der „Anerkennung zahlreicher Kämpfe“ zu tun hätten, ginge völlig ins Leere.

Weiterlesen bei redaktion-bahamas…

Dieser Beitrag wurde unter Antisemitismus Antizionismus, Deutschland Nazis, Ehrenmorde Islam Muslime, Israel, SPD Sozialfaschisten, Türkei Völkermord Armenier, Terrorismus Islamismus Festnahme, Verbrechen, Wissenschaft Forschung abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s