Selbstzensur in den Medien nach dem Massaker von Paris

Die neue Qualität nach den Pariser Massakern ist nicht, dass die Zeichnungen nicht gedruckt würden. Bei den dänischen Karikaturen vor acht Jahren war die Zurückhaltung eher noch größer. Neu ist, dass Redakteure und Intellektuelle geradezu programmatisch nach Argumenten für die Selbstzensur suchen. Der »Respekt vor Religion« ist jetzt ein Prinzip, das dem der Meinungsfreiheit zumindest ebenbürtig ist. Muslimische Lobbyorganisationen wie die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) können zufrieden auf ihr Werk blicken. Der von ihnen verlangte »verantwortungsvolle Umgang mit der Meinungsfreiheit«, das heißt ihre Einschränkung zur Schonung unklarer Sensibilitäten undeutlich definierter Bevölkerungsgruppen, ist aktiv verinnerlicht und wird von Chefredakteuren und Meisterdenkern mit wichtigen Mienen als die allerneueste Devise verkauft.

Eine der Strategien auf der Suche nach Argumenten für die Selbstzensur ist die ästhetische Kritik. Ich kenne diese ästhetizistische Reaktion auf die Wucht des Terrors seit den Diskussionen um Salman Rushdies »Satanische Verse« – dieselbe Diskussion seit über 25 Jahren! Man muss nur den Eingangssatz von Willi Winklers Kritik des Romans in der Zeit von 1989 lesen – »Sicher, es ist reichlich unfair, Einwände gegen ein Buch zu erheben, das seinen Autor das Leben zu kosten droht« – um zu verstehen, wie befreiend diese Worte in ihrem kultivierten Säuselton auf viele gewirkt haben müssen, die sich zuvor nur zu Solidarität aufgerufen sahen: Es gibt also Einwände gegen dieses Buch. Es ist nicht absolut, nicht ab­solut verteidigenswert. Es ist doch immer wieder die gleiche Situation der Schulhofschlägerei, in der wir nach Gründen suchen, dem Kleinen nicht zu helfen! Ästhetisches Gemäkel an den Zeichnungen von Charlie Hebdo hat dieselbe Funktion. Es handelt sich hier nicht um eine ästhetische Frage, sondern um eine existentielle. Das Pathos dieser Frage müssen wir aushalten. Niemand wird gezwungen, aus »politischer Raison« diese Zeichnungen gut zu finden, darum geht es gar nicht.

Neben ästhetischen Bedenken riefen Werke, deren Autoren von Islamisten ermordet oder bedroht wurden, oft auch moralische Zweifel der Feuilletonisten hervor. Wenn wir schon dabei sind und die Leichen gerade bestattet werden, müssen Feuilletonisten stets vor allem eines fragen: »Was soll Satire? Was darf sie?« Haben die Ermordeten richtig gehandelt? Sozusagen: »Die Grenzen der Satire – im Lichte der jüngsten Meinungsäußerungen betrachtet.« Edel sind die Seelen der Feuilletonisten. Es werden Karikaturisten, Polizisten und Juden umgebracht, aber sie solidarisieren sich erstmal mit den Muslimen und stellen die Frage, ob man ihnen diese Zeichnungen wirklich hätte zumuten sollen. Auch sollen die Muslime nicht gezwungen werden, sich zu der Sache zu verhalten. Die Deutschen sollen ihre Nazizeit aufarbeiten, die Amerikaner die Sklaverei, die Franzosen ihre Kolonialvergangenheit. Aber den Islam zur Selbstreflexion aufzufordern – das wäre Islamophobie.

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