1984

In der traurigen Welt, die George Orwell in seinem Roman 1984 schildert, sind die Untertanen des totalitären Regimes Ozeaniens nachgerade abgerichtet, ihre Wut und ihren Haß auf Immanuel Goldstein zu lenken, der in der Dauerpropaganda stets als Feindbild präsent ist.

Selbst Nachdenkliche, die ihre Mechanismen zu durchschauen und zu hinterfragen beginnen, können sich der Wirkung der permanenten Gehirnwäsche nicht entziehen: “[D]er Anblick oder auch nur der Gedanke an Goldstein [weckten] schon automatisch Angst und Zorn”.

Regelmäßig werden die Menschen in Ozeanien vor Televisoren versammelt, auf denen ihnen das Gesicht des Feindes gezeigt wird. “Da und dort im Zuschauerraum wurde gezischt. Die kleine aschblonde Frau stieß ein aus Furcht und Abscheu gemischtes Quieken hervor”:

“Ehe die Haßovation dreißig Sekunden gedauert hatte, brachen von den Lippen der Hälfte der im Raum versammelten Menschen unbeherrschte Wutschreie.”

In Leipzig, wo sich in dieser Woche ganz freiwillig zahlreiche selbsternannte Retter des deutschen Abendlands versammelt hatten, um etwa einem Jürgen Elsässer zu lauschen, waren Szenen totalitärer Manipulation und Disziplinierung zu beobachten, die an 1984 erinnerten.

Kaum erwähnte der einst für linke Zeitschriften schreibende Publizist in seiner Rede den Namen Michel Friedman, kannten die “Ihr seid das Volk”-Abendländer kein Halten mehr. Mindestens so laut wie ihre “Ami go home”-Rufe war da ihr Haß auf den Anwalt und Moderator zu hören.

Hätte der ehemalige Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses sich in diesen gespenstischen Minuten in der Nähe der Legida-“Demonstration” aufgehalten, hätten hoffentlich anwesende Sicherheitskräfte sein Leben vermutlich nur unter dem Einsatz von Schußwaffen bewahren können.

Man muß Jürgen Elsässer dankbar sein für diesen einen Auftritt in Leipzig. Mit seiner rhetorisch gewiß gelungenen Rede ist es ihm gelungen, die ganze Erbärmlichkeit seines Publikums, seines “Volks”, vorzuführen. Man gebe ihnen ein Stichwort – und prompt fällt jede Individualität von ihnen ab.

Was sich da versammelt, kann sich freilich nicht mit Ahnungslosigkeit herausreden oder Dummheit. Wer gegen einen “Kriegsschuldkult” aufmarschiert, weiß ziemlich genau, worum es geht. Pegida, Legida und wie sie sonst noch heißen mögen – es ist nichts gut an diesen totalitären Chauvinisten.

Und wer SPD-Vorsitzender und Vizekanzler ist und – “privat”, wie originell – das Gespräch sucht mit solchen Gestalten, sie auch noch zu “besorgten Bürgern” hochstapelt, der ist Teil des Problems, gewiß aber nicht seiner Lösung.

tw24

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