Kultur statt Krankenkasse: Warum der Islam der Berliner Republik so teuer ist und was Pegida daran stört

Jüngst postete Cem Özdemir ein Foto seiner Eltern aus den siebziger Jahren. Die Mutter im flotten Mini und selbstverständlich ohne Kopftuch, der Vater im damals schicken Hemd bis obenhin zugeknöpft, beide glücklich vereint vor dem geschmückten Weihnachtsbaum. Versehen hatte Özdemir das Foto mit dem Kommentar: „Erwischt: Meine das Abendland bedrohenden fundamentalistischen Eltern bei einer islamistischen Zeremonie.“ Foto und Kommentar sollen die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz: Pegida lächerlich machen und so tun, als spielte der Islam 2015 dieselbe Rolle wie 1971, nämlich keine, als seien Islamismus und Islamkritik eine Sache von Spinnern auf beiden Seiten. Durchaus witzig, aber deshalb umso perfider wird hier absichtsvoll alles durcheinandergeworfen; denn die türkische Familie vor dem Weihnachtsbaum ist es sicher nicht, wogegen Pegida demonstriert, sie symbolisiert vielmehr das, was sich die Demonstranten als gesellschaftlichen Zustand ersehnen: die traute Idylle der staatlich abgesicherten Kleinfamilie in der alten Bundesrepublik, die im Tausch für brave Arbeit irgendwann einer sicheren Rente entgegen sehen konnte. Mit Islam meint der sozialkonservative Demonstrant also nicht den vom Aussterben bedrohten Typus Özdemir, den ebenso integrierten wie ambitionierten Daimler-Türken, sondern das, was der Islam in und für die Berliner Republik bedeutet.

Nichts würden sich die altgedienten Friedensaktivisten wie das gesamte Blockupy-Spektrum sehnlicher wünschen als die politische Klasse in Berlin und ihre medialen Vorfeldinstitutionen mit wenigen Tausend Demonstranten dermaßen in Aufregung zu versetzen wie es Pegida jetzt gelungen ist. Schrille Panik nämlich kennzeichnet nicht wenige Statements; sogar die Neujahrsrede der Kanzlerin warnte die Nation in einem Aufwasch vor den Kopfabschneidern des Islamischen Staates und den Pegida-Organisatoren, die „Vorurteile, Kälte, ja, sogar Hass in ihren Herzen“ trügen. Geradezu hektisch wird derweil die natürlich vergebliche Suche nach dem moderaten Euro-Islam betrieben, anhand dessen man den geäußerten Widerwillen gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“ blamieren könnte; mehr denn je muss die blanke Behauptung, es gäbe ihn oder es könnte ihn zumindest geben, die erschütternde Realität des praktizierten Islam ersetzen; eine Lüge, die niemand so recht mehr glaubt – und an der doch so erbittert festgehalten wird, dass es wohl momentan ohne die publicityträchtigen Schlächtereien des IS überhaupt keine Islamkritik in den öffentlichen und etablierten Medien mehr gäbe.
Auf den ersten Blick ist die zentrale Rolle des Islam in der gesellschaftlichen Debatte eines Landes, in dem Moslems nur wenige Prozent der Gesamtbevölkerung bilden, ein Rätsel. Der Islam steht in dem Konflikt zwischen Pegida und Establishment nicht für sich selbst, sondern als Chiffre für etwas anderes, das vor allem die Meinungsführer der Berliner Republik nicht auszusprechen wagen. Aber nicht nur sie, sondern auch ihre Gegner meinen mit Islam mehr und anderes als das, wofür der Begriff eigentlich steht. Denn warum sollte das Pegida-Spektrum, wenn es denn aus Vollblut-Nazis bestünde, den Islam als Religion angreifen? Erstens wären Nazis ja gegen alle „Raumfremden“ und „Nichtarier“, gleich, zu welcher Religion diese sich bekennen; zweitens kennzeichnet Nazis ja nicht Abscheu gegen den Islam, im Gegenteil: Bewunderung mischt sich mit Neid angesichts der gemeingefährlichen Fähigkeit des Islam, den „unerhellten Trieb“ (Adorno/Horkheimer) – so wie einst Hitler – in idiosynkratische Reflexe und enthemmte Gewalttätigkeit überführen zu können. Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) beispielsweise ist eine politische Konkurrenzveranstaltung von Leuten, die morgen schon als Konvertiten selber Salafisten sein könnten und es – siehe Pierre Vogel – wohl auch sein werden.
Der Islam ist deshalb den einen so sankrosankt und wird von den anderen quasi blasphemisch angegriffen, weil die Berliner Republik in eine Legitimationskrise gerät: Ihr Wesen – im Unterschied zur klassischen Bundesrepublik bis in die achtziger Jahre hinein – war die Ersetzung der Krankenkasse durch Kultur, die Integration nicht durch Rentenanspruch, sondern durch Ressentiment. Dabei hielt die Berliner Republik nicht wie die osteuropäischen Nachbarn ordinären Rassismus im Angebot, sondern eher wie die westeuropäischen Anrainer Antirassismus: Die Gesellschaft sollte ein Netzwerk von Minderheiten, Kommunitäten, Kulturkollektiven werden, die sich nur gegen das universale Prinzip von Tausch und Recht vereinen; übergreifende Ideologie, die den Laden des immer weiter abgewickelten integralen Etatismus und mit ihm der industriellen Arbeitsbiograhie, zusammenhielt, war ein Antiamerikanismus im Namen der Minderheiten der Welt. Dabei spielte und spielt der Islam eine zentrale Rolle: als mustergültige Ideologie dafür, wie gesellschaftliche Reproduktion kostensparend – scheinbar lediglich um den Preis eines militanten Antisemitismus – den Familien, den Clans rückübertragen werden kann. In diesem kommunitären Rückbau der Gesellschaft ist Labour-London am weitesten gegangen, hier lässt sich entsprechend am besten beobachten, was man sich unter Islamisierung vorstellen muss.
Der Islam spielt eine entscheidende Rolle nicht nur als für diesen kommunitären Rückbau in Deutschland ohnehin am besten geeignete Ideologie, sondern auch ganz praktisch: seine Basis, die ehemaligen türkischen „Gastarbeiter“ und ihre Familien, wurde zum Experimentierfeld der Segregation des Arbeitsmarktes. Drohende türkische Massenarbeitslosigkeit, insbesondere die ganzer Generationen Heranwachsender, wurde in die migrantische Ökonomie, die Familie, den Gemüseladen, die Gängelung durch die Onkel abgeschoben und – eher ungewollt, aber unvermeidlich – der organisierten Kriminalität übergeben. Doch nicht nur die Onkel und die Gangster leben von dieser kalten Abschiebung Hunderttausender Jugendlicher in den ehemaligen industriellen Ballungszentren und der ehemals verlängerten Werkbank Westberlin in die totale Perspektivlosigkeit, in ein unsichtbares Straflager mit freier, von Neid geprägter Sicht auf den unerreichbaren Lebensstil derer, die ihre Arbeitskraft noch zu einem zumutbaren Preis verkaufen können. Von dieser Abschiebung und Segregation leben auch die, wenn man so will, ideologischen Staatsapparate der Berliner Republik: Sozialinstitutionen, Weiterbildungsfirmen, Integrationssprachschulen, Islaminstitute etc.pp. – jene also, die jetzt einen auf Antifaschismus und Euro-Islam machen.

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Eine Antwort zu Kultur statt Krankenkasse: Warum der Islam der Berliner Republik so teuer ist und was Pegida daran stört

  1. E.C. schreibt:

    Alles klar,hat die NPD schon immer gesagt, die Türken sind nur hier, um uns zu ruinieren. Echt, da steht bei denen irgendwo, dass die Amis die Deutschen gezwungen haben, die Masseneinwanderung der Türken zu erlauben, damit wir schön unten bleiben.
    Die Türken sind unser Unglück- Heil Pegida!

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