„Dem deutschen Comedian ist es wichtiger, sich anzubiedern“: Interview mit dem Kabarettisten Oliver Polak über sein neues Buch „Der jüdische Patient“ und seine Erfahrungen mit Kollegen, Kritikern und Publikum

Der »Tagesspiegel« war in dieser Hinsicht der Gipfel der Ekeligkeit. Ich hatte eine Show, »Jud süß sauer.« Die Idee war: 35 Jahre dumme Fragen, jetzt gibt’s die dummen Antworten. Einen Tag nach der Premiere in Berlin erschien im »Tagesspiegel« eine Besprechung von Thomas Lackmann: »Polak ist, wie alle anderen, Berufsjude.« Da fragte selbst mein 84jähriger Vater, der eigentlich ein sehr harmonischer, ruhiger Typ ist: »Was ist das für ein Satz? Was soll das bedeuten?« Derselbe Journalist beschrieb in einem späteren Artikel meine Show als Gaskammernkalauer. Manchmal sind die Gedanken der Zuschauer gefährlicher als die der Künstler.

Im Buch beschreiben Sie einen desaströsen Auftritt im Quatsch Comedy Club.

Ich beschreibe einen, es gab mehr davon. Einer, den ich rausgestrichen habe, fand zwei Tage nach dem Tod meines besten Freundes statt. In einem Kabarettzelt in München. Da arbeitete eine ältere Frau, ich weiß nicht, ob es die Veranstalterin war. Ich musste noch was kopieren für die Show und fragte sie, ob sie einen Kopierer hätten. Während der aufwärmte, laberte die Frau vor sich hin: »Ja, ist eh ’ne Ausnahme, dass Sie hier auftreten, weil eigentlich machen wir ja nichts mehr mit Juden, weil hier war letztens ein jüdischer Geschäftsmann, der hat hier den Laden gemietet, und der hat dann die Rechnung nicht bezahlt.« Normalerweise hätte ich »Ciaoi« gesagt und meine Sachen gepackt, aber ich war damals so durch den Wind, dass ich einfach nicht die Kraft hatte. Das war wirklich eklig.

Wenn man Ihr Buch liest, hat man den Eindruck, dass Sie dieses Land und seine Bewohner unter Vorbehalt betrachten.

Das haben Sie aber schön gesagt. Eigentlich will ich mir über diese Bewohner gar keine Gedanken machen, eigentlich habe ich eine große Leichtigkeit und will vorangehen. Da treibt es mich manchmal in den Wahnsinn, wenn ich merke, dass die Leute sich an mir abarbeiten, ja, fast therapieren. Das war immer so. Im ersten Buch habe ich geschrieben: Deutsche Juden sind wie Pandabären – es gibt nicht mehr so viele von uns. Deshalb kommen die Leute zu dir mit ihren Fragen, und teilweise ist das auch okay. Aber teilweise eben nicht. Dieter Hallervorden hat auf seiner Facebook-Seite gepostet: »Wir träumen davon, dass es in Deutschland möglich ist, der israelischen Regierung einen ständigen Verstoß gegen UN-Resolutionen und die Menschenrechte vorzuwerfen, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, Antisemit zu sein.« Ich träume davon, in einem Deutschland zu leben, in dem Dieter Hallervorden keinen Facebook-Account hat.

Serdar Somuncu hat mal gesagt: Deutschland hat seine Geschichte nie verarbeitet, sondern nur verdrängt. Ein Stück weit stimmt das. Dabei geht es nicht um Schuld. Die Leute beklagen sich immer: »Aber wir können doch nichts dafür.« Das hat auch nie jemand gesagt. Schuld ist nicht vererbbar. Verantwortung schon. Es gibt zwar den Geschichtsunterricht und die Mahnmale, aber wo war angesichts der judenfeindlichen Ausbrüche in letzter Zeit die Gegenbewegung?

Kurt Krömer beispielsweise hat vor ein paar Jahren an einer Kampagne in Berlin gegen Rassismus, Antisemitismus, Schwulenhass teilgenommen. In der ganzen Stadt hingen Plakate mit den Gesichtern von Prominenten, und darunter stand zum Beispiel: »Ich bin Türke, wenn du was gegen Türken hast.« Bei Kurt Krömer und Ulrich Wickert stand: »Ich bin Jude, wenn du was gegen Juden hast.« Und jetzt, wo die antisemitische Stimmung so hochkochte, hab’ ich gedacht: »Wo seid ihr denn jetzt?«

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3 Antworten zu „Dem deutschen Comedian ist es wichtiger, sich anzubiedern“: Interview mit dem Kabarettisten Oliver Polak über sein neues Buch „Der jüdische Patient“ und seine Erfahrungen mit Kollegen, Kritikern und Publikum

  1. E.C. schreibt:

    Es ist ganz einfach: Der allergrößte Teil der deutschen Öffentlichkeit findet Rechtsradikale zum Kotzen. Und wenn nun eine Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft so abgrundtief blöd ist, sich entweder der Regierung eines rechtsradikal regierten Landes anzubiedern oder sich gewissermaßen unter den Schutz dieser Regierung stellt und ihre Propagada nachplärrt, so geht sie das Risko ein, gleichfalls zum Kotzen gefunden zu werden.

    • Kanalratte schreibt:

      Wenn Israel angeblich schon Rechtsradikal ist, dann frage ich mich was dieses sogannte Palästina ist. Der Teufel höchstpersönlich?

      In Israel leben muslimische Araber legal.
      In „Palästina“ leben Juden nur illegal.

      • E.C. schreibt:

        Was das „sogenannte Palästina“ anbetrifft, so mache ich mir ganz einfach die israelische Sichtweise zu eigen: Kein Volk, kein Staat, keine Geschichte, keine staatliche oder staatsähnliche Autorität, ein Haufen staaten- und bezugsloser Untermenschen eben, die die Unverschämtheit haben, einfach dort zu sein, wo nach der eigenen, ultranationalistischen, ultrareligiösen, verlogenen Ideologie nur Israelis sein dürften.
        Wen interessiert es in der Knesset schon, wer oder was die Palästinenser sind und was sie wollen? Letztlich niemanden, denn dazu müsste man seine für den Rest der Welt zunehmend nur noch peinliche Selbstverliebheit überwinden, und dann kann man nicht. Selbst wenn auf der Westbank lauter Ghandis lebten, die Politik der faschistischen Landräuber ihnen gegenüber wäre um kein Iota anders.

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