Rommel Airport: Stuttgart – Stadt der Flugbewegung

von Gerrit Liskow

Zum Schönen an der Demokratie, wie wir sie kennen, gehört bekanntlich unter anderem, dass jeder, der sich blamieren möchte, das tun kann. Die Landeshauptstadt Stuttgart zum Beispiel möchte sich einen Rommel-Airport gönnen und ist nun ganz verwundert, dass manche Leute das komisch, oder vielleicht auch gar nicht komisch finden. Rommel, Rommel, Rommel – da war doch mal was? Ach ja richtig, das Vater-und-Sohn-Duo Manfred und Erwin – der eine gehörte zu „Hitlers Generälen“ (ZDF-Bildungsfernsehen), der andere war in seiner Funktion als Guter Deutscher mal Oberbürgermeister der Schwabenmetropole. Aber who is who? Welcher ist welcher? Die Verfechter von Rommel-Airport nehmen das eingebaute Missverständnis billigend in Kauf und sagen sich: Stuttgart – Stadt der Flugbewegung! Ist das eine Landebahn zu weit? Nun, um es kurz zu machen: Manfred ist der, auf den man stolz sein soll. Und auf Erwin ist man vielleicht nicht nur bei Familie Rommel noch ein kleines bisschen stolzer – auf jeden Fall ist er im In- und Ausland um etliche Zehnerpotenzen bekannter als sein Sohn. Es muss eine Sternstunde der Rommels gewesen sein, als Manfred zur Ehrenrettung seines Vaters öffentlich darauf verwies, sein Vater habe nach dem gescheiterten Putsch vom 20. Juli von Hitler den Befehl entgegengenommen, er solle tunlichst seine Existenz einstellen, was dieser dann umgehend tat. Ist das nicht geradezu blitz-gescheit? Man soll doch immer machen, was der Führer sagt, nicht wahr, auch wenn man eben noch versucht hat, ihn abzumurksen. Und das bekanntlich vor allem, weil man die Schnauze voll davon hatte, den Krieg zu verlieren und auf eine geradezu verwirrende Art und Weise in dem Wahn lebte, man könnte das Meiste von dem, was man sich ab dem September 1939 unter den Nagel gerissen hatte, behalten. Ab einem bestimmten Grad war bekanntlich ganz Deutschland gegen den Krieg – ab einem bestimmten Stalingrad. Aber ging es den Junkern und Generälen des 20. Juli vielleicht viel weniger um hehre Ideale, als vielmehr um schnöden Opportunismus? Wollte man den eigenen Arsch retten, bevor es dafür zu spät war? Beides besser als nichts, aber wenn das die guten Deutschen waren, wie waren dann die bösen? Zwischendurch ein Witz aus den 50ern: Ein Pilot der BOAC landet zum ersten Mal nach dem Krieg am Flughafen Frankfurt/Main und startet durch. Der Tower schimpft ihn aus und fragt ihn höhnisch, ob er noch nie in Frankfurt war. „Doch“, quakt es zurück aus dem Cockpit, „aber damals sind wir nicht gelandet.“ Er hat schon einen Bart, ich weiß. Aber wird das nicht lustig, liebe Leserinnen und Leser, wenn es kurz nach dem Touch-down auf dem Rommel-Airport heißt: „Meine Damen und Herren, wir sind soeben in Stuttgart gelandet. Stellen Sie Ihre Uhren bitte um 70 Jahre zurück“. Oder wenn die Pilotengewerkschaft sich darüber beklagt, dass der An- und Abflug zum Drehkreuz Stuttgart immer so eckig verläuft, wegen dieser blöden 90-Grad-Kurven. Doch zurück zur Rommel-Familie. Die fühlt sich unglaublich gebauchpinselt, als deutsche Dauerberühmtheit schon wieder im Rampenlicht zu stehen, und ist entzückt wegen der Offerte der schwarz-grünen Landesregierung, mit STR in Echterdingen den immerhin sechstgrößten Flughafen von Germany „Rommel“ zu taufen. Nicht nach Erwin, dem Wüstenfuchs, nein, nein (obwohl der es aus Sicht seines Sohnes vielleicht auch verdient hätte), sondern nach Manfred, dem Schwabenfuchs; na-Sie-wissen-schon-wer. Und so ist es dann schon sehr bald möglich, dass, wer die lustigen Zwerge im Schwarzwald besuchen möchte oder sich vielleicht auch nur beim Mercedes seine Kuckucksuhr abholt, im vornehmsten Kapitel der deutschen Geschichte landet: im Rommel-Airport. Im vornehmsten, weil er als Stein gewordene Bastion (ich habe nicht Wolfsschanze gesagt) die Mär von der nachkriegswunderlichen Wandlung des Bösen Deutschland zum Neuen, äh: zum Guten Deutschland verkörpert. Also die Realpräsenz jenes Wirtschaftswunders, das auf der ganzen Welt als conditio sine qua non für Made in Germany firmiert: die moralische Wüste des rheinischen Kapitalismus. Aus dem ganzen „politischen“ Schwabenland und über dessen enge Grenzen hinaus, von schwarz über grün bis rot und rot-rot, wurde nichts darüber bekannt, dass man irgendwie gegen den Rommel-Airport wäre. Wir können alles, nur nicht Hochdeutsch. Dazu fällt mir was ganz anderes ein. Wir hatten bei uns in der Nachbarschaft einen Bäcker, der hieß Himmler, und als Kinder dachten wir uns nichts dabei, wenn die Erwachsenen sagten, sie müssten „nur noch schnell ein Brot von Himmler holen“. Diese Backware wurde zuhause auf dem Tisch präsentiert und stolz angekündigt als „Das Himmler-Brot“. Sodann floss diese Speise lobend ins Tischgespräch ein, meist in der stehenden Wendung, wonach „das Himmler-Brot ja viel besser als das vom Langrehr ist.“ (Wer den Stadtrand von Hannover kennt, weiß, welche Gegend ich meine, und alle anderen können ja mal googeln). Es ist, wie gesagt, davon auszugehen, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter nicht wissen können, was sie sagen, wenn sie vom „Himmler-Brot“ reden. Aber es wäre mal interessant zu wissen, was die Erwachsenen sich dabei gedacht haben; vermutlich gar nichts, und das ist ja das Blöde. Die Bäckerei Himmler gibt es übrigens immer noch und sie backen angeblich noch immer das beste Brot. Im Volksmund sind sie dafür bekannt, berühmt, berüchtigt. Zum Glück machen sie nur Brot, denn wenn sie Bürgermeister produzieren würden, käme in der Landeshauptstadt Hannover vielleicht jemand auf die Idee, einen Flughafen nach ihnen zu benennen. haolam

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Eine Antwort zu Rommel Airport: Stuttgart – Stadt der Flugbewegung

  1. E.C. schreibt:

    Irgendwelche höhnischen Bemerkungen über UNSER Land von Leuten, die in tiefster Verbundenheit zu einem orientalischen Schurkenstaat stehen, in dem mehrfach Terroristen und Massenmörder zu Ministerpräsidenten gewählt wurden, sind völlig wertlos und sinnbefreit.

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