Ein Dorf namens Judentöter

Castrillo Matajudíos liegt in den Weiten des kastilischen Nordens, rund 50 Kilometer westlich der Provinzhauptstadt Burgos, an einem der Wege, auf denen Pilger nach Santiago de Compostela ziehen. Das Land ist hart, die Gegend einsam. 64 Menschen leben hier, zumeist vom Getreideanbau. Ein Ort wie viele in Spanien. Was ihn von allen unterscheidet, ist sein Name: Matajudíos bedeutet Judentöter. Ein „aggressiver Name“, findet der Autor der Dorfgeschichte auf der offiziellen Website.

Nun will der Bürgermeister von Castrillo Matajudíos, Lorenzo Rodríguez, die Einwohner über eine Umbenennung abstimmen lassen – am 25. Mai, parallel zur Europawahl. „Die Entscheidung der Mehrheit wird respektiert“, kündigt der Bürgermeister an, „und sei es auch nur mit einer Stimme Unterschied“.

Am Anfang der Geschichte Castrillos steht ein Pogrom. Im Mittelalter lebten in Spanien Christen, Moslems und Juden – manchmal wird diese Zeit als Epoche der drei Kulturen verherrlicht. Doch das Miteinander war selten friedlich. Während Christen und Moslems immer wieder gegeneinander in den Krieg zogen, bis das katholische Spanien 1492 endgültig über das maurische Al-Andalus siegte, versuchten die Juden unter den einen oder den anderen Herren in Ruhe ihr Leben zu führen. Manchmal ließ man sie, manchmal verfolgte man sie.

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts, wahrscheinlich 1035, plünderten die Einwohner des nahen Ortes Castrojeriz einen königlichen Palast in der Gegend, töteten eine Handvoll Offiziere – und rund 60 Juden. Die Überlebenden, erklärt der Bürgermeister, seien in eine neue Siedlung gebracht worden, die man Castrillo nannte und ihr den Beinamen Mota de Judíos gab, was sich etwa mit Judenhügel übersetzen lässt. Erst in späteren Jahrhunderten habe sich „Mota“ zu „Mata“ gewandelt, und aus dem Judenhügel wurde ein Judentöter.

Bürgermeister Rodríguez will seinen Nachbarn nun den alten Beinamen Mota de Judíos zurückgeben. Ein Leser der Lokalzeitung Diario de Burgos: „Als ob man mit der Namensänderung die Geschichte ändern könnte“, schreibt er. Wie die Bewohner abstimmen, sagt der Bürgermeister, „ist nicht klar“.

tagblatt

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