Kommentar: „Lasst die Palästinenser verdursten…“

Eine Entsalzungsanlage könnte der Wasserknappheit im Gazastreifen Abhilfe schaffen. Doch eine Koalition aus 30 teilweise kirchlichen Organisationen lehnt eine solche Lösung ab, weil sie Israel aus der Pflicht nähme. Die Einwände des Zusammenschlusses namens EWASH sind absurd, meint Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm.

EWASH setzt sich aus 30 Menschenrechts- und Kirchenorganisationen sowie palästinensischen Vereinigungen zusammen. In einem Grundsatzpapier zur Wasserknappheit im Gazastreifen hat die Koalition empfohlen, den Bau einer Meerwasser-Entsalzungsanlage abzulehnen. Zwar könne diese ausreichend Trinkwasser in bester Qualität für die 1,6 Millionen Bewohner des Landstreifens liefern. Doch würde das Israel von Pflichten entbinden und Palästinensern vermeintliche Rechte vorenthalten.

Der acht Seiten lange Report stellt den jetzigen Zustand der Wasserversorgung dar. Das Grundwasser unter Gaza sei durch übermäßiges Abpumpen, Nachfließen von Salzwasser aus dem  Mittelmeer  und Ablassen von ungeklärtem Schmutzwasser mit Nitraten und Chloriden unwiederbringlich zerstört. 90 Prozent des daraus gepumpten Wassers seien ungenießbar. Bis 2016 werde das Grundwasser gänzlich zerstört sein.

Weil es keine Landbrücke zwischen Westjordanland und Gazastreifen gebe (was eine Zweiteilung Israels bedeutete), seien Israels vertraglich abgesprochene Wasserlieferungen an die Palästinenser keine Lösung. Lieferungen aus Ägypten, der Türkei oder Jordanien (das selber kaum Wasser hat) seien wegen der geopolitischen Lage kompliziert. So bleibe nur die Errichtung einer Entsalzungsanlage. 43 Länder, darunter Israel, hätten schon zugestimmt. Es gebe auch schon Ansätze für eine Finanzierung des 450 Millionen US-Dollar-Projekts.

Doch EWASH meldet Widerspruch an. Wichtiger sei eine Umsetzung internationalen Rechts, darunter eine UNO-Konvention von 1997, die „Staaten“ verpflichte, bei grenzüberschreitenden Wasserressourcen zu kooperieren und Verschmutzung zu vermeiden. Der Gazastreifen ist freilich (noch) kein Staat. Weiter heißt es, dass Israel trotz des völligen Abzugs 2005 weiterhin in Gaza „Besatzungsmacht“ sei und Verantwortung für die Wohlfahrt der Bevölkerung trage. Eine Entsalzungsanlage würde den Gazastreifen „unabhängig“ machen, anstatt Israel zur „territorialen Einheit“ von Westbank und Gaza zu verpflichten und den Palästinensern Zugang zum Jordan-„Fluss“ zu ermöglichen. Dass der seit Jahrzehnten zu einem Rinnsal verkommen ist, weil Israel den See Genezareth staut und Jordanien dessen Zuflüsse mit Dämmen blockiert hat, wird nicht erwähnt.

Militärschläge, Stromknappheit und Umweltschutz

Eine Entsalzungsanlage, so der Report, könnte durch israelische Militärschläge beschädigt, zerstört oder außer Betrieb gesetzt werden. Das erhöhe die „Verletzbarkeit“ der zivilen Bevölkerung. Die Logik ist bestechend, wobei nicht erwähnt wird, dass seit 2007 allein 12.000 Raketen vom Gazastreifen auf zivile Zentren in Israel abgeschossen worden sind, darunter auf das Rutenberg-Kraftwerk in Aschkelon, das auch in den Gazastreifen Strom liefert.

Der knappe Strom im Gazastreifen wird als nächstes Argument gebracht. Die EU habe 2010 ihre Subventionierung der Herstellungskosten für den Strom des Kraftwerks im Gazastreifen beendet. Unerwähnt bleibt, dass es im Gazastreifen gemäß EU-Angaben „unüblich“ sei, Stromrechnungen zu zahlen. Weil die Autonomiebehörde ihren aus Israel bezogenen Strom auch nicht bezahlt, droht den Palästinensern ohnehin generelle Finsternis.

Schließlich wird noch vor Umweltgefahren gewarnt, wegen hohem Energieverbrauch einer Entsalzungsanlage und dem Ablassen von Salzbrühe ins Meer. Israel sollte demnach eher „illegal“ angeeignetes „palästinensisches“ Wasser aus dem Jordanbecken in den Gazastreifen transportieren. Immerhin wird in vier Sätzen empfohlen, im Gazastreifen Wasserdiebstahl, illegale Brunnen, lecke Rohre und Verschwendung bei landwirtschaftlicher Bewässerung unter Kontrolle zu bringen.

In ihrer Schlussfolgerungen empfiehlt EWASH der Nationalen Palästinensischen Wasserbehörde, auf Wasserrechte, palästinensisches Selbstbestimmungsrecht und auf einen Staat zu bestehen. Bei Verhandlungen sollte sie auf internationale Rechte und „palästinensische Souveränität“ bei Wasserquellen pochen. Die internationalen Spender sollten israelische Ungerechtigkeiten bekämpfen, anstatt Gelder für das Beheben einer humanitären Krise zu stiften. Nur: Wie wollen die Kirchen, die „Nahöstliche Kinder-Allianz“ und andere Menschrechtsvereine das Überleben der Menschen im Gazastreifen garantieren, wenn die ab 2016 mangels Trinkwasser ohnehin jämmerlich verdursten oder vorher schon wegen verseuchten Wassers ihren Krankheiten erlegen sind?

Der Bericht in englischer Sprache ist hier zu lesen: tinyurl.com/nhtsqlc.

Von Ulrich W. Sahm

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4 Antworten zu Kommentar: „Lasst die Palästinenser verdursten…“

  1. peterkossatz schreibt:

    Wer nicht will , der hat schon. Mache müssen zu ihrem Glück(Schutz) gezwungen werden. Kinder und Unmündige z. B. . Dafür wäre UN doch gut ! Fürchte nur , zum Verrotten bräuchte es keiner Raketen . Die Versorgung könnte dann auch über Ägypten kommen. Macht die Gaza-Menschen glücklich ! BDS pur ! Nehmt nix von Juden ! Selbst ist der …Araber.. LOL

  2. E.C. schreibt:

    Ist das auch wieder so eine Idee, bei der die EU den Betrieb der Anlage finnzieren „darf“, während Israel weiterhin Grundwasser aus dem Westjordanland klaut? Und wann wird Sahm endlich so ehrlich, mit dem Unfug aufzuhören, er sei ein unabhängiger Journalist und lässt erkennen, dass er im Auftrag der Netanjahu -Regierung alles dafür tut, den Namen des israelischen Volkes weiterhin in den Schmutz zu ziehen.

    • Fritz schreibt:

      Israel betreibt Tröpfchenbewässerung aus genehmigten Brunnen etc. Palis. kümmern sich nicht um Genehmigungen bezahlt wird das Wasser ja eh nicht da kann man auch Illiegal Brunnen bohren und wie vor 2000 Jahren Bewässern.Ohne Israel hätten die Trottel nicht mal Wassserleitungen!

      • E.C. schreibt:

        Und mit den Tröpfchen aus den israelischen Anlagen füllen sich auch die Pools der Siedler und duscht man sich in Tel Aviv. Übrigens- illegal ist die Brunnenbohrerei der Palästinenser, weil der Pseudostaat „umstrittene Gebiete unter israelischer Militärverwaltung“ die Araber daran hindert, sich anderweitig ihr eigenes Wasser zu besorgen. Die Pipelines vom Jordan hat man ja wohl schon 1967 zerstört, um Tatsachen zu schaffen. Einen schönen Gruß an das israelische Propagandaministerium, lieber Fritz, aber diese rührselige Story von den klugen Israelis mit den Wassertröpfchen und den arabischen Untermenschen glaubt nur noch, wer es unbedingt will.

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