Juden müssen draußen bleiben: Tunesien wieder normal

Vor drei Wochen war die Norwegian Jade noch ein gefeiertes “Partyboot” im Hafen von Sotschi. Vergnügten die Gäste am Tag sich als Zuschauer sportlicher Wettkämpfe, erbrachten sie in der Nacht auf dem Schiff selbst Höchstleistungen: “Die Russen trinken Wodka wie Wasser”.

Mittlerweile ist das Kreuzfahrtschiff wieder unterwegs im Mittelmeer, Touristen aus aller Herren Länder beispielsweise zum Tagesausflug nach Tunesien zu befördern. In dem nordafrikanischen Land begann Ende 2010 der “Arabische Frühling”, und glaubt man etwa Josef Joffe, geriet er dort zu einem vollen Erfolg:

“Tunesien hat geschafft, was in Ägypten, Libyen und Syrien so misslungen ist: den Weg Richtung Demokratie einzuschlagen. Der Westen sollte dieses Modell hegen und pflegen.”

Allzu genau sollte man dabei allerdings nicht hinsehen. Dann nämlich bekommt das schöne Bild schnell Risse. So wurde Ende Januar berichtet, wie es Amel Karboul erging, die als Ministerin für Tourismus ihrem Land zu dienen vorhatte. Ihr wurde zum Verhängnis, daß sie 2006 an einem “training program for Palestinian youths” teilnehmen wollte.

Mit dem Flugzeug in Tel Aviv gelandet, wurde sie, so Amel Karboul, “mehr als vier Stunden lang verhört, weil ich Araberin in Muslima bin”. Darauf entschied sie, ihre Reise abzubrechen. “Ich habe Israel nicht besucht.” Es half ihr nichts: Mehrere Parlamentsfraktionen “condemned Karboul and demanded reasons for [..] her relationship with the Jewish country.”

Die auch im deutschsprachigen Raum bestens vernetzte Amel Karboul reichte ihren Rücktritt ein. Antisemitismus ist jedoch nicht nur im neuen tunesischen Parlament beheimatet, er bestimmt auch Regierungshandeln, wie nun einige israelische Touristen an Bord der Norwegian Jade erfahren mußten. Sie durften das Schiff im Hafen von Tunis nicht verlassen:

“Israeli tourists aboard a Norwegian cruise ship were barred from disembarking in the Port of Tunis Sunday. They were forced to remain on the ‘Norwegian Jade’, while non-Israeli Jewish passengers were allowed off.”

Breit und weit ließ sich offenbar kein deutscher Diplomat blicken, sich für die rund 20 Bürger des jüdischen Staats zu verwenden, und über die Erfahrung, Juden auch ohne israelischen Paß zu erkennen, verfügen die tunesischen Behörden anscheinend noch nicht. Dubai wird da aber sicher gern mit seiner Expertise behilflich sein.

In der  vergangenen Woche hob Moncef Marzouki, der tunesische (Interims-)Präsident, den seit Anfang 2011 geltenden Ausnahmezustand vorzeitig auf. Im ganz normalen Tunesien ist Haß auf Juden offensichtlich kein Randphänomen: Antisemitismus ist vielmehr fester Bestandteil jenes “Modells”, das daher überhaupt nicht gehegt und gepflegt werden darf.

tw24

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