Antisemitische Besessenheit der Linken

Der Historiker Robert Wistrich, Inhaber des Neuberger Lehrstuhls für moderne europäische und jüdische Geschichte und Leiter des Vidal Sassoon International Center for the Study of Anti-Semitism an der Hebräischen Universität Jerusalem, hat zahlreiche Veröffentlichungen zu verzeichnen. Zuletzt erschienen von ihm Lethal Obession über zeitgenössischen Antisemitismus im weitesten Sinne des Wortes [1] und das auf Deutsch erschienene Buch Muslimischer Antisemitismus – eine aktuelle Gefahr, in dem er Ähnlichkeiten zum Antisemitismus der Nazis feststellt.[2]

Wistrichs letztes Buch From Ambivalence to Betrayal: The Left, the Jews and Israel ist eine weitere Meisterleistung der Forschung. Die Kapitel sind so bewundernswert gestaltet, dass sie auch einzeln als Essay bestehen können. Das Buch liefert eine faszinierende Analyse der Evolution der Positionen  die extrem Linke und Sozialdemokraten hinsichtlich dem, was als„jüdische Frage“ bekannt geworden ist, vertraten.

Wistrich untersucht eine lange Zeitspanne und beginnt im 19. Jahrhundert. Der Umfang der Positionen ermöglicht es dem Leser, antisemitische Motive in der Linken wiederzuerkennen, die in den letzten Jahrzehnten erneut in verschiedenen Formen hervorgekommen sind. So brandmarkte beispielweise Karl Kautsky, führender Theoretiker der deutschen Sozialdemokraten, hundert Jahre bevor die UN 1975 „Zionismus ist Rassismus“ annahm, den Zionismus bereits als rassistisch. (308).

Kreisky, Archetyp der jüdischen Selbstverachtung

Ein Viertel des Buches behandelt Themen, die die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg betreffen. Der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky, über den Wistrich bereits früher geschrieben hat, wird als Quintessenz des linken, selbsthassenden Juden beschrieben. Interessanterweise behauptet Kreisky, dass er in seiner Jugend keinen Antisemitismus erfahren habe, kaum vorstellbar angesichts der Ereignisse in Österreich in der Vorkriegszeit.

Kreisky war einer „jener Juden, die nichtjüdischen Österreichern gänzlich von einer latenten Schuld wegen ihrer bekannten Rolle im Holocaust freisprechen konnten“, beschreibt ihn Wistrich. Kreisky tat diesauf verschiedene Art und Weise. Schonungslos griff er Simon Wiesenthal an, den er als „gefährlichen Reaktionär“ brandmarkte. Auch sagte er, „wenn die Juden ein Volk sind, dann sind sie ein hässliches Volk“. (496). Kreisky war ein Pionier auf dem Gebiet, Israel als „semi-faschistisch“ und als „Apartheid“-Staat zu bezeichnen, seiner Meinung nach war Israel „undemokratisch“, klerikal“ und „militärisch“. (480).

Zeitgenössische Antisemiten halten einen Juden vom Typ Kreisky für nützlich, um sich selbst von Kritik freizusprechen, weil sie ja auf einen Juden verweisen können, der ihre Meinung teilt. In seinem Buch Post-Zionism, Post-Holocaust: Three Essays on Denial, Forgetting, and the Delegitimation of Israel beschreibt Elhanan Yakira ein verwandtes Thema – postzionistische –  antizionistische – Juden, die Israel dämonisierenl. So werden sie Mitglied einer „intellektuellen Gemeinde gleichgesinnter Verzerrer.“ Yakira meint, dass es „der beste Weg sei, Teil eines Systems zu sein, um in akademischen Kreisen weiterzukommen. Dann wird man ständig ins Ausland eingeladen und veröffentlicht Arbeiten, auch wenn diese nur geringe Substanz haben.”[3]

Der Ansatz von Kreisky funktioniert aber nicht immer gut, selbst wenn man ein noch extremer Antizionist ist. Dies zeigt sich besonders im Zusammenhang mit Diktaturen. Rudolf Slansky, Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, wurde 1952 mit anderen Mitangeklagten jüdischer Herkunft im Prager Schauprozess unter anderem des „Zionismus“ beschuldigt. „Er war ein eingeschworener Feind Israels und des gesamten zionistischen Unterfangens und hatte nach 1948 den Waffenverkauf an den jüdischen Staat blockiert“, berichtet Wistrich. Unter den jüdischen Mitangeklagten dieses Prozess gab es eine Reihe, die ebenfalls sehr antizionistisch eingestellt waren. Doch auf die damalige klassisch kommunistische Weise, wurden sie gezwungen zuzugeben, dass „sie bürgerlich-nationalistische Juden sind.“ (450).

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Eine Antwort zu Antisemitische Besessenheit der Linken

  1. Und auf der Verladerampe steht Herr Wistrich und winkt mit dem Daumen: gute Juden nach links und böse Juden nach rechts in die Verdammung als „Selbsthasser“.

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