Seehofers K(r)ampf

“Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat Richard Wagner als ‘Genie von Weltrang’ gewürdigt.”

“Das Bayreuther Festspielhaus gehöre zu den kulturellen Kronjuwelen Bayerns, sagte Seehofer in seinem Grußwort.”

Am 1. Januar 2016 erlischt das Urheberrecht des Freistaats Bayern an Adolf Hitlers Buch “Mein Kampf”. Während in Deutschland weder der Besitz noch die Verbreitung bereits gedruckter Exemplare verboten sind, verhindert Bayern unter Berufung auf sein Urheberrecht bislang Neuauflagen des Buchs.

Wer “Mein Kampf” lesen will, kann das durchaus tun, wer Nazi werden oder bleiben will, ist gleichwohl so wenig auf die Schwarte angewiesen wie zivilisiertere Menschen in ihr blättern müssen, um Deutsche, die sich öffentlich für den glühenden Antisemiten Richard Wagner begeistern, unappetitlich zu finden.

Es gibt nicht den geringsten Grund, sich für eine Neuauflage von “Mein Kampf” in Deutschland einzusetzen, sich jedoch dagegen stark zu machen, wie es die bayerische Landesregierung derzeit tut, ist pure Heuchelei, selten dumm – und, vor allem, überhaupt nicht überzeugend.

Wurden 2012 noch eine kommentierte Ausgabe, die am Institut für Zeitgeschichte erstellt wird, sowie eine Schulbuchausgabe mit 500.000 Euro unterstützt, verkündete die Regierung in München vor wenigen Tagen, daß sie auf zukünftige Veröffentlichungen des Buchs mit Strafanzeigen reagieren wolle:

“Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte, der Respekt vor dem Leid der Opfer des Holocausts verbiete eine Edition im staatlichen Auftrag.”

Das Buch, so erklärte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer jetzt, sei – auch kritisch kommentiert – “volksverhetzend”. “Ich kann nicht einen NPD-Verbotsantrag stellen in Karlsruhe und anschließend geben wir sogar noch unser Staatswappen her für die Verbreitung von ‘Mein Kampf’”.

Ein Buch, das derzeit unkommentiert straflos verbreitet werden kann – nur nicht nachgedruckt -, ist damit offenbar weniger volksverthetzend und gefährlich als kritische Ausgaben, die – vielleicht – zukünftig erscheinen könnten. Was immer die bayerische Staatsregierung damit signalisieren will, nachvollziehbar ist es nicht.

Und angesichts der Tatsache, daß die gleiche Regierung die alljährlichen Wagner-Festspiele in Bayreuth als “kulturelle Kronjuwelen” feiert, darf man wohl davon ausgehen, daß der demonstrative Antifaschismus der CSU-Führung alles andere ist als auch nur ansatzweise glaubwürdig.

“Wagners Weltanschauung, die sein Leben, seine Schriften und seine Opern prägt”, schreibt Gottfried Wagner, sei “mit den Grundsätzen menschlicher Ethik unvereinbar. Sie ist bestimmt von Rassismus, Frauenverachtung, Selbstvergötterung und Lebensverneinung.”

Man könnte eine kritische Ausgabe von “Mein Kampf” dulden. Unter all den möglichen Optionen wäre sie wohl das geringere Übel. Eine Staatsregierung jedenfalls, die einen NPD-Verbotsantrag stellt und das “Genie” Richard Wagner feiert, ist lächerlich, findet sie “Mein Kampf” plötzlich volksverhetzend.

tw24

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