Über Leichen?

Joachim Gauck, dem sehr deutschen Staatsoberhaupt, entfuhr kürzlich ein Satz, der viel darüber aussagt, wie es in ihm denkt. Bemerkenswert ist aber auch die öffentliche Reaktion darauf, weil sie vielmehr eine Nichtreaktion war – und daher nicht weniger bezeichnend.

Unter der Überschrift “Dialog der Präsidenten” dokumentiert die Jüdische Allgemeine ein Gespräch des Bundespräsidenten mit Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, und die anschließende Fragerunde mit dem Publikum.

Auf die Frage danach, was er heute als einer ihrer Erstunterzeichner von der Prager Erklärung halte, die Stalinismus und Nationalsozialismus miteinander gleichzusetzen versucht, erwiderte Joachim Gauck als Präsident aller Deutschen dies:

“Ich sehe gar nicht ein, dass ich wegen der Prager Erklärung Abbitte leisten muss. Die Demokratie, die Menschenrechte, die Würde des Menschen, sie alle sind nicht nur von einer Ideologie angegriffen worden, sondern von einer in Europa zweiten machtvollen Ideologie des atheistischen Kommunismus. Wenn wir die Zahlen der kommunistischen Morde zusammenzählen, so erlangen wir eine größere Zahl als die der faschistischen Morde.”

Damit hat er anschaulich die ganze Motivation hinter der Prager Erklärung enthüllt: Mit ihr wollen ihre vor allem osteuropäischen Unterzeichner jene Verbrechen herunterspielen, an denen Teile ihrer Bevölkerungen während des Zweiten Weltkriegs an deutscher Seite beteiligt waren.

Diese Unterstützung der “Endlösung der Judenfrage” soll aber gleichzeitig noch zum aller Ehren werten Widerstand gegen einen Stalinismus hochgejubelt werden, der gleichwohl doch den wesentlichen Beitrag zum Ende der deutschen Barbarei in Europa leistete.

Mit seinem auf Opferzahlen fixierten Vergleich verharmlost der deutsche Präsident wissentlich das Verbrechen, das Deutsche und deren Helfershelfer an Juden verübten und verüben wollten: Es ging ihnen um die Auslöschung des Judentums in Europa und darüber hinaus – um jeden Preis.

“Der Vernichtungsdrang ging bis zur Ausschaltung des Selbsterhaltungstriebs bei den Tätern: In zahllosen Rüstungsbetrieben wurden jüdische Experten, die unersetzlich für die Kriegsproduktion waren, von der Werkbank weg verhaftet und in die Vernichtungslager gebracht; die Züge, mit denen die Juden vom Nordkap, aus Italien, Frankreich, Belgien und von den entlegensten griechischen Inseln in den Osten transportiert wurden, fehlten der Wehrmacht für ihren Nachschub. So nahmen die Deutschen den eigenen Untergang mehr als billigend in Kauf; die Vernichtung der Juden besaß gegenüber dem Kriegsgewinn absolute Priorität.” (Jan-Georg Gerber: Saving Jean Améry, in: Bahamas Nr. 67, S. 41)

Interessant ist der bloße Bodycount Joachim Gaucks aber auch vor dem Hintergrund wiederholt geäußerter Vernichtungsdrohungen des Regimes der Islamischen Republik gegenüber der jüdischen Demokratie. Israel hat rund 8 Millionen Einwohner, davon sind etwa 7 Millionen Juden.

Was würde Joachim Gauck wohl sagen, löschten die Mullahs – mit oder ohne Kernwaffen – das jüdische Leben in Israel aus? “Wenn wir die Zahlen der kommunistischen Morde zusammenzählen, so erlangen wir eine größere Zahl als die der faschistischen und islamfaschistischen Morde zusammen”?

Es gab nach dem “Dialog der Präsidenten” angeblich “großen Applaus”. Kann es dabei wirklich bleiben?

tw24

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