Plebejische Globalperspektive – Critical Whiteness als postmoderner Nazi-Zombie

U1-67Der durchschnittliche Weiße und der durchschnittliche Schwarze waren jedenfalls Experten des kritischen Weißseins, lange bevor Critical Whiteness als akademische Disziplin die Universitäten des Westens eroberte und die radikalen Linken zu begeistern verstand. Die schwarz-weiße Weltsicht, die dort mit Bezug auf Edward W. Said und Frantz Fanon gelehrt und gelernt wird, dass die Weißen kategorisch die rassistischen (weil orientalistischen) Täter, die nicht-weißen People of Colour (PoC) dagegen die Objekte der Geschichte und damit vorrangig deren Opfer seien, ist zweifellos recht primitiv und blamiert sich an der geschichtlichen Realität, die doch etwas grauer ist. Wer deshalb meint, es bei den gegenwärtigen Verfechtern dieser Ideologie mit aufklärungsbedürftigen Dummköpfen zu tun zu haben, deren Gefolgschaft man in die Bredouille bringen oder auch nur vorführen könnte, indem man die eklatanten Widersprüche ihrer Textproduktion in sich selbst und zur Wirklichkeit herausstellte, hat jedoch immer noch nicht verstanden, was eigentlich passiert ist, als aus der Kritik des Rassismus der Antirassismus wurde, als – um dem historischen Bruch Symbol und Datum zu geben – die Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings im Jahr 1966 Konkurrenz bekam durch die separatistisch-nationalistische Black-Power-Bewegung, in deren Umfeld dann auch die Black Panther Party entstand. Die Zeiten, da Kings „I have a dream“-Rede Telos und Strategie des Kampfes gegen Rassismus vorgab, sind nämlich längst passé. Das macht Kings Traum zum Denkmal für die letzte Kritik des Rassismus: „Vor hundert Jahren unterzeichnete ein großer Amerikaner, in dessen symbolischem Schatten wir heute stehen, die Emanzipationsproklamation. […] Aber hundert Jahre später ist der Neger immer noch nicht frei. […] Als die Architekten unserer Republik die großartigen Worte der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung schrieben, unterzeichneten sie einen Schuldschein, zu dessen Einlösung alle Amerikaner berechtigt sein sollten. Dieser Schein enthielt das Versprechen, dass allen Menschen – ja, schwarzen Menschen ebenso wie weißen – die unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und der Anspruch auf Glück garantiert würden. […] Es ist heute offenbar, dass Amerika seinen Verbindlichkeiten nicht nachgekommen ist, soweit es die schwarzen Bürger betrifft. […] Jetzt ist die Zeit, die Versprechungen der Demokratie Wirklichkeit werden zu lassen. Nun ist es Zeit, aus dem dunklen und trostlosen Tal der Rassentrennung aufzubrechen und den hellen Weg der Gerechtigkeit für alle Rassen zu beschreiten. […] Der wunderbare, neue kämpferische Geist, der die Gemeinschaft der Neger erfasst hat, darf uns nicht verleiten, allen Weißen zu misstrauen. Denn viele unserer weißen Brüder – das beweist ihre Anwesenheit heute – sind zu der Einsicht gekommen, dass ihre Zukunft mit der unseren untrennbar verbunden ist. Sie sind zu der Einsicht gelangt, dass ihre Freiheit von unserer Freiheit nicht zu lösen ist. Wir können nicht allein marschieren. […] Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum. Ich habe einen Traum: Dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Credos gemäß leben wird: ‚Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind.‘ […] Ich habe einen Traum: Dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. […] Wenn wir die Stimme der Freiheit erschallen lassen – wenn wir sie erschallen lassen von jeder Stadt und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Großstadt, dann werden wir den Tag eher erleben können, an dem alle Kinder Gottes – schwarze und weiße Menschen, Juden und Heiden, Protestanten und Katholiken – sich die Hände reichen.“

Damit können Antirassisten überhaupt nichts anfangen. Und zwar nicht deshalb, weil hier noch ganz selbstverständlich das Wort Neger verwendet wird. Man lasse sich nicht davon beeindrucken, wenn antirassistische PoCs und ihr weißer Anhang aus dem Critical-Whiteness-Umfeld, wie im April dieses Jahres geschehen, eine von der Taz organisierte Diskussionsveranstaltung in Berlin zu sprengen versuchen, indem sie in dem Moment, als Moderator Deniz Yücel aus Kings Rede vorliest, wie hysterische kleine Kinder herumplärren, dass er das N-Wort nicht mit vorlesen dürfe, weil sie das verletze. Denn grundsätzlich geht es darum, dass Kings Kampf gegen Rassismus offensichtlich dem Geist von Aufklärung, Universalismus und Versöhnung verpflichtet war, während diese Ideen vom Antirassismus ja gerade als „weiß“ bekämpft werden. Die Stichwortgeber des weltweiten antirassistischen Aufstands der Subalternen heißen denn auch nicht zufällig Mussolini und Hitler. Auf diesen Zusammenhang hinzuweisen, ist keine Übertreibung, sondern eine Notwendigkeit, wenn damit aufgehört werden soll, dem Antirassismus Motive zu unterstellen, die er nicht hat. So heißt es bei Mussolini: „Alles, was ich in diesen letzten Jahren gesagt und getan habe, ist Relativismus aufgrund von Intuition. Wenn Relativismus Verachtung für feste Kategorien und diejenigen, die die Träger der objektiven und unsterblichen Wahrheit zu sein behaupten, bedeutet, […] dann gibt es nichts Relativistischeres als die faschistische Haltung und Aktivität. […] Ausgehend von der Tatsache, dass alle Ideologien den gleichen Wert haben, dass alle Ideologien bloße Fiktionen sind, kommt der moderne Relativist zu der Einsicht, dass jeder das Recht hat, seine eigene Ideologie zu erschaffen und zu versuchen sie mit aller Energie, die ihm zur Verfügung steht, durchzusetzen.“ – Und Hitler wusste: „Es gibt nicht so etwas wie Wahrheit. Wissenschaft ist ein gesellschaftliches Phänomen und wie jedes gesellschaftliche Phänomen ist es durch das Wohl oder den Schaden begrenzt, den es der Gemeinschaft verschafft.“

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Eine Antwort zu Plebejische Globalperspektive – Critical Whiteness als postmoderner Nazi-Zombie

  1. gogo schreibt:

    Heute im Radio gehört: Taube gehen öfters und begeistert zu live Hip Hop Konzerten, durch die vielen Bässe/Vibrationen (stehen vorne,direkt an den riesigen Speakers) bekommen sie diese Musik mit, sind absolut begeistert, können die Musik erklären (System).
    Nun hat eine Übersetzerin Einigen die Texte in Gebärdensprache übersetzt … incl. dem Wort NIGGER, der ja in den Textstrophen so oft besungen wird – massive Proteste gegen die Dolmetscherin (natürlich von den „Hörenden“): sie hätte es nicht übersetzen dürfen, das Wort NIGGER nicht verwenden, usw.
    Vielleicht hätte sie es mit „…“ übersetzen sollen, der Gerechtigkeitshalber die Hörenden mit einem 900dBW hohen Piepton beglückt und wenn wir schon dabei sind weg mit den blöden Mützen und Eintritt frei für alle!

    Mist!!! Jetzt habe ich „Taube“ geschrieben, hätte aber hab nicht: Gehörlose, Schwerhörige, Hörgeschädigte, Resthörige … Behinderte wäre wohl wieder nix … obwohl NIGGER schrieb ich ja auch und ist der Ruf erst versaut, lebt es sich leichter! 😉

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