Investigativer Journalismus vom Feinsten: Daten im Transit

von Gerrit Liskow

Natürlich weiß niemand, was auf den USB-Sticks gespeichert war, die von britischen Behörden vorgestern in Heathrow sichergestellt worden sind.

Aber man weiß inzwischen, wie sie ihren Weg ins Gepäck von David Miranda gefunden haben: Ein gewisser Edward Snowden, zur Zeit in Moskau wohnhaft, gab sie Laura Poitras, einer sogenannten Filme-Macherin, die in Berlin einen Unterschlupf gefunden hat; dort ist das Leben billig und sie ist mit ihrer zivilisationsfeindlichen, vor allem aber anti-amerikanischen Weltanschauung nicht allein.

Besagte Ms Poitras sollte die Daten an Glenn Greenwald weiterleiten, einen  Journalisten der britischen Fantasy-Zeitung „The Guardian“. Aber um es ihren „Verfolgern“ nicht zu leicht zu machen, bediente sich das Trio Snowden-Poitras-Greewnald auf der letzten Etappe, von Berlin nach London, lieber der stillen Post.

Und zwar in Gestalt eines brasilianische Datenkuriers namens Mr Miranda, der nebenbei auch noch den Charme hat, der Lebenspartner von Mr Guardian-Greenwald zu sein, und dem die besagte britische Märchenzeitung außerdem auch die Reise bezahlt (was Mr Miranda, technisch gesehen, wenn schon nicht zu einem Journalisten, so doch zu ihrem Erfüllungsgehilfen macht, aber dazu später).

Es soll sich um denselben Mr Miranda handeln, über den Mr Greenwald und/oder Mr Snowden der Ms Poitras ein paar neue Infos für ihren neuen Film zukommen lassen wollten. Ein Machwerk, gegen das die Filme von Michael Moore so gemütlich wirken, wie die guten alten Mickey Mouse Filme. Das wird ein Werk, das in der Occupy-, Piraten- und Anonymus-Szene sicherlich für manchen feuchten Fleck in der Unterwäsche sorgen wird.

Aber was sind denn das nun für Informationen auf diesen USB-Sticks gewesen? Nun, den ganzen Aufwand betreibt man ja nicht, um nur ein paar Backrezepte und Urlaubsfotos von Moskau nach London zu transportieren. Aber wie gesagt: Keiner weiß, was auf diesen USB-Sticks ist. Oder warum alles kryptographisch verschlüsselt wurde. Vor allem: Warum mussten diese Daten persönlich übergeben werden, auf ein paar leutseligen Datenträgern, statt sie einfach per Email zu versenden?

Nun war und ist Mr Mirandas vorübergehende Festnahme im Transitbereich des Flughafens Heathrow für Mr Greenwald ein gefundenes Fressen (das er selbst angerichtet hat, denn am liebsten berichtet man jene Nachrichten, die man selber kreiert, nicht wahr, lieber „Guardian“?) um die Empörungsmaschine anzuwerfen.

Und das tat Mr Guardian-Greenwald denn auch und hängte das Thema um seinen Gatten an der ganz großen Glocke auf: die Pressefreiheit! Die wäre in Gefahr, denn schließlich wäre Mr Miranda doch nur festgenommen worden, um Mr Greenwald persönlich eins auszuwischen, in seiner Funktion als der topinvestigative Journalist des ach so unbequemen „Guardian“. Bestimmte Leute haben einfach das Talent, alles auf sich zu beziehen.

Der Angriff auf die Pressefreiheit, zu dem Mr Greenwald und sein Leitmedium die Ermittlungen am Flughafen Heathrow öffentlich zu eskalieren versuchen, ist das aber nicht. Natürlich kann man sich überlegen, ob Transitbereiche exterritorial sind oder nicht. Hinsichtlich der Einreisebestimmungen (Verkehr von Gütern und Waren) sind sie das. Hinsichtlich der sogenannten hoheitlichen Aufgaben (Schutz von Leib und Leben) sind sie es nicht. Wenn sie sich von der Richtigkeit dieser Aussage überzeugen möchten, sollten Mr Miranda oder Mr Greenwald mal versuchen, sich einen Krankenwagen aus Brasilien zu bestellten, wenn ihnen das nächste Mal in einem Transitbereich auf den britischen Inseln ein wenig blümerant wird.

Und auf recht bequeme Art vergessen, was es mal mit den Transitbestimmungen auf den Autobahnen zwischen „Westdeutschland“ und „Westberlin“ auf sich hatte, haben natürlich auch die Bescheidwisser bestimmter „alternativer“ Medien, die angesichts von Transitbereichen von rechtsfreien Räumen fantabulieren. Lange nicht von der Volkspolizei der DDR gefilzt worden, nicht wahr, liebes TAZ-Milieu?

Aber Mr Mirandas Behauptung, er wisse gar nicht, was das für Daten wären, die er da transportiert, verlässt sich auch auf selbstgefällige Art auf die menschliche Naivität, um nicht zu sagen: die Dummheit der Anderen (und nicht die eigene). In etwa so, wie bestimmte Touristen aus Kolumbien, die sich gar nicht vorstellen können, wie dieses komische weiße Pulver in ihren Rucksack gekommen ist, Herr Wachtmeister.

Bekanntlich erkennen Sicherheitsbehörden ihre Schweine am Gang und wissen, wo sie fündig werden. Anderenfalls hätten sie den Beruf verfehlt. Nachdem Mr Miranda sich auffallend ungeschickt im Umgang mit der Wahrheit erwies (natürlich wussten alle Beteiligten, was Mr Miranda dabei hat, vor allem vermutlich er selbst), ist man bei ihm schnell fündig geworden. Einerseits schöpft die Polizei zu solchen Gelegenheiten gerne mit einer Kelle namens Verdacht, und dieses Utensil ist nach dem 9. September 2001 nicht eben kleiner geworden. Andererseits sieht Mr Miranda nicht aus wie jemand, der sich nicht gerne nackig macht.

Nun ist es so, dass Leute, die alles persönlich nehmen, meist etwas hysterisch veranlagt sind, und sich zudem auch auf künstliche Dramatisierung verstehen. Ich weiß nicht, warum mir in diesem Zusammenhang schon wieder Mr Greenwald einfällt, aber er fantabuliert seit dem Londoner Tête-à-Tête mit den diskreten Organen des Staates, seinem Gatten wäre das Recht auf einen Anwalt vorenthalten worden, nicht mal ein Glas Wasser habe man ihm serviert! Nun, Mr Miranda schildert den Vorgang etwas anders: Er habe auf einen Anwalt verzichtet, weil er den britischen Behörden nicht traut; genauso wenig, wie dem britischen Trinkwasser übrigens.

Aber zu verstecken hätte er nichts, wie gesagt, und er wüsste auch gar nicht, was das für recht geschickt verschlüsselte Dokumente auf diesem USB-Stick wären, die Mr Snowden ihm mit auf den Weg gegeben hat, via Ms Poitras, der „Filme“-Macherin, und deren Entschlüsselung etliche Stunden in Anspruch nahm.

Nun kann man überlegen, ob der Anfangsverdacht derartig umfangreiche Eingriffe erforderte, oder nicht. Aber nicht darüber, ob sie erlaubt sind (sie sind es). Zumal Mr Snowden aus seinem Herzen in letzter Zeit keine Mördergrube mehr macht (denn dafür gibt es ja den Rest der Welt), könnten sie durchaus notwendig gewesen sein. „Politisch“ opportun war diese Festnahme sicherlich, denn dem „Guardian“ und einigen anderen „investigativen“ Leitmedien ist es gelungen, die Affäre zu einem Angriff auf die Pressefreiheit aufzubauschen. Und Pressefreiheit ist etwas, das der „Guardian“ sehr ernst nimmt, fast noch ernster als sein Girokonto.

Zu all der Geschichte, die Mr Greenwald öffentlich vor sich hin spinnt, passt nur nicht, dass Mr Miranda selbst bestätigt hat, ihm sei ein Anwalt angeboten worden – ein Fakt, den der Guardian erst berichtete, als bei allen anderen Blättern schon der Redaktionsschluss ausgebrochen war. Und so kam diese Lüge eben in die Welt. Tja, was kann man da machen, nicht wahr? Den ganzen Tag lang wusste der Guardian, dass es eine Lüge ist, die da verbreitet wurde, und die ganze Zeit sahen sie sich an, wie ihre Lüge um die Häuser lief, und wuschen sich ihre Hände in Unschuld (und nicht in Seife). Nun ja, das ist nun mal ihr Beruf.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende, denn Mr Greenwald hat Rache ist Blutwurst geschrien: Er werde weder rasten noch ruhen, so der rührige Enthüllungsjournalist, sondern noch aggressiver werden und eine Menge Details über die Spionageprogramme in Groß Britannien verraten.  Also wird er doch wohl etwas in seinen Besitz gebracht haben, das er verraten kann? Hat er das vielleicht auf ein paar unschuldig anmutenden USB-Sticks gespeichert?

Aber auch dazu gibt es einen schlimmen Verdacht. Und der ist wirklich schlimm, denn er wurde von einer Bastion journalistischer Integrität (kicher) in die Welt gesetzt. Nämlich ausgerechnet von Mr Greenwald selbst, der in der New York Times behauptet, die Dokumente, die ihm via Mr Miranda zugespielt wurden, stammten aus den Beständen von Mr Snowden. Also aus dem Fundus, den Mr Snowden sich bei seinem vorherigen Arbeitgeber, der NSA, unter den Nagel gerissen hat. Im O-Ton:
„Mr. Miranda was in Berlin to deliver documents related to Mr. Greenwald’s investigation into government surveillance to Ms. Poitras, Mr. Greenwald said. Ms. Poitras, in turn, gave Mr. Miranda different documents to pass to Mr. Greenwald. Those documents, which were stored on encrypted thumb drives, were confiscated by airport security, Mr. Greenwald said. All of the documents came from the trove of materials provided to the two journalists by Mr. Snowden.“

Nun ist es so, dass es kaum etwas Besseres gibt, als einen guten Köder, um Verbrecher zu fangen. Daten, die die Sicherheit der USA, des UK oder anderer westlich orientierter Gesellschaften gefährden, sind ja geradezu unwiderstehlich für Enthüllungsjournalisten und „Filme“-Macherinnen einer bestimmten Couleur; über solche Inbegriffe der Menschenrechte wie Russland, China und Iran schweigen sie sich hingegen „mutig“ aus, was wirklich ungemein investigativ sein muss.

Und wenn man durch fahrlässigen oder vorsätzlichen Umgang mit geheimen Informationen das eine oder andere Menschenleben in Gefahr bringt, sagt man in dieser Szene mit Julian „Botschaft“ Assange und in dessen eigenen Worten nur knapp: „so what?“ und geht seines Weges. Mit dem Leben anderer Leute sind diese selbsternannten Block- äh: Blogg- und Tugendwärter genauso großzügig, wie mit deren Geld.

Fazit: Man kann manchen Menschen für eine gewisse Zeit etwas vormachen. Und man kann gewissen Menschen die ganze Zeit etwas vormachen. Aber allen Menschen die ganze Zeit etwas vormachen geht einfach nicht (die Ausnahme bestätigt die Regel).

An diese Gesetzmäßigkeit sollten auch Mr Greenwald und der Guardian denken, bevor sie versuchen, sich als Opfer einer unterstellten Verfolgung zu inszenieren. Die Geschichte, mit der sie an die Öffentlichkeit gegangen sind, stimmt hinten und vorne nicht mit den Fakten überein und kommt über ihre eigenen Widersprüche zu Fall. Aber der Empörungsomnibus ist natürlich längst weitergefahren.

Für eine vollumfängliche Analyse des Vorgangs mit weiterführenden Quellen empfiehlt sich ein Beitrag von Louise Mensch. http://unfashionista.com/2013/08/19/the-lies-of-glenn-greenberg-and-the-guardian-a-short-primer/

haolam

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