“Different Approach”

Ungarn, das 2014 als ein Holocaust-Gedenkjahr zu begehen plant, gehört zu jenen europäischen Staaten, in denen die Leugnung nationalsozialistischer Verbrechen verfolgt wird. Dennoch erklärte am vergangenen Donnerstag der Jobbik-Abgeordnete Tamas Gaudi-Nagy, er zweifle daran, daß die Gedenkstätte in Auschwitz historische Fakten korrekt widerspiegle.

Die recht junge rechtsextreme Bewegung für ein besseres Ungarn bildet mit 44 Abgeordneten die drittstärkste Fraktion im Parlament in Budapest. Tamas Gaudi-Nagy repräsentiert also nicht nur keine Minderheit in Ungarn, daß er sich kaum Mühe gibt, seine Leugnung des Holocaust zu tarnen, belegt vielmehr, wie wenig Ungarn tatsächlich gegen Antisemitismus unternimmt.

Wenige Tage vor dem am Dienstag in der israelischen Hauptstadt beginnenden Global Forum for Combating Anti-Semitism wird mit den antisemitischen Ausfällen des ungarischen Parlamentariers und den Nichtreaktionen darauf erneut deutlich, daß es keine gute Idee des Außenministeriums in Jerusalem war, Vertreter Ungarns einzuladen, Eröffnungsreden zu halten.

Der Antisemitismusforscher Dr. Clemens Heni hatte bereits kürzlich gefragt, “are politicians or representatives of countries known for their efforts to whitewash their own pro-Nazi legacy allies in the fight against Holocaust denial and distortion of history?” Und Efraim Zuroff, Leiter des Simon Wiesenthal Centers in Israel, äußerte sich nicht weniger skeptisch:

“‘I don’t think it is a wise idea to give representatives of those countries a platform to try to whitewash the sins of the past, which will only pave the way for worse sins in the future,’ Zuroff told The Times of Israel on Sunday.”

Mit Neris Germanas, Außenminister Litauens, werde zudem ein Repräsentant eines Staates reden, der die Prager Erklärung unterstützt, mit dem stellvertretenden griechischen Justizminister Konstantinos Karagounis ein Politiker, dessen Land kaum etwas gegen Neonazis unternähme, und mit Alan Shatter der Justizminister Irlands, dessen Außenminister antisemitische Boykotte unterstützt.

“‘Settlements on the West Bank are illegal and therefore the produce of those settlements should be treated as illegal throughout the European Union,’ Mr Gilmore said. [..]

He said this was ‘in effect’ like boycotting the goods.”

Man muß und darf unter diesen Umständen wohl in der Tat gespannt sein, ob das Global Forum for Combating Anti-Semitism den eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. “[The] conference is geared toward action”, erklärte Gideon Behar vom israelischen Außenministerium. “Many people feel that we need to adopt a different approach in tackling anti-Semitism”.

Daß man sich dazu die Glückwünsche jener einholt, die, so Efraim Zuroff, Teil des Problems sind und nicht dessen Lösung, ist in der Tat neu. Besser wäre es indes, auf solchen Beistand zu verzichten.

tw24

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