Alex Baur: Es gibt keine Weltwoche-Doktrin!

Die Zürcher Prozesse“ beschäftigten sich mit Meinungs- und Pressefreiheit. Das letzte Wort hatte die Angeklagte (Die Weltwoche), die durch Alex Baur vertreten wurde. Sein Schlusswort (Die kursiv geschriebenen Textpassagen hört man in Video [HIER] nicht, da Baur sie aus zeitlichen Gründen nicht habe vortragen können):

“Viel war in diesen Tagen von „geistiger Brandstiftung“ die Rede. Ich stünde demnach hier als einer, der die Saat ausbringt, die in ihrer ultimativen Konsequenz zum Genozid führt, wie dies – die Erinnerung ist noch wach – in Europa vor 70 Jahren geschah. Für Adolf Eichmann, den Organisator der Shoa, endete die Geschichte vor einem Gericht in Jerusalem, in einem Glas-Kabäuschen. Eichmanns letzte Station war dann bekanntlich der Galgen.

Ich selber sehe mich selber und die Weltwoche eher in der geistigen Tradition von Hanna Arendt. Arendt berichtete vor 52 Jahren über den Eichmann-Prozess. Sie brachte die ganz unangenehmen und schmerzhaften Dinge zur Sprache – etwa die Rolle der Judenräte bei der Judenvernichtung -, über denen ein Mantel des kollektiven Schweigens lag. Arendt löste mit ihrem „Bericht über die Banalität des Bösen“ einen gewaltigen Sturm der Entrüstung aus. Heute würde man wohl von einem Shitstorm reden. Ihr Buch, das heute zur Weltliteratur zählt, konnte erst vor wenigen Jahren auf Hebräisch übersetzt werden; nicht dass es an Interesse gefehlt hätte, doch kein Verleger mochte das Reputations-Risiko auf sich nehmen.

Es liegt mir fern, mich an Arendt zu messen. Sie war für mich stets ein unerreichbares Vorbild, seit ich als Teenager ihren „Bericht über die Banalität des Bösen“ gelesen hatte. Auch ist Europa seither doch merklich zivilisierter geworden. Ob wir das unseren klugen Politikern, Richtern und Intellektuellen zu verdanken haben, oder doch eher der Atombombe, die einen weiteren Krieg in Europa sinnlos gemacht hat, weil ihn keiner gewinnen konnte – lassen wir das mal offen. Wir können nur dankbar sein, in friedlichen Zeiten zu leben. Es liegen denn auch Welten zwischen der Banalität des Bösen im Reich von Adolf Eichmann und der Banalität des Gutmenschentums im Reich von Monika Stocker.

Weiterlesen bei etwasanderekritik…

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