Grass-Besuch in Schwerin: DIG-Hochschulgruppe kritisiert Begünstigung von `politischer Provokation´

grasstrommelDie Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft hat mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, mit welchen Worten die Stadt Schwerin den Besuch von Günter Grass in der mecklenburg-vorpommerischen Landeshauptstadt am 9. April ankündigt: „Nie hat der Dichter Günter Grass aufgehört, daran zu glauben, dass Worte doch etwas ändern können. Von der ´Blechtrommel´ (1959) über das späte Bekenntnis seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS im autobiografischen Roman ´Beim Häuten der Zwiebel´ (2006) bis zu den jüngsten israelkritischen Gedichten ´Was gesagt werden muss´ oder ´Ein Held unserer Tage´ – die politische Provokation scheint das Lebenselexier [sic!] des streitbaren Literaturnobelpreisträgers zu sein. […]“

Hierzu stellen wir klar, dass wir die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation wie der SS, die im Zentrum der Genozid-Verbrechen Hitler-Deutschlands stand, keineswegs als eine Angelegenheit ansehen, die sich zu politisch-„provokativen“ Werbezwecken eignet. Daher ist es uns unverständlich, wie dieses wahrhaft „späte Bekenntnis“ – über 60 Jahre nach der Niederlage Hitlers – als Beispiel eines irgendwie auch nur diskutablen politischen Engagements eines „streitbaren“ Autors gewürdigt werden kann.

Das gleiche gilt für die Rede von „israelkritischen Gedichten“, wo es tatsächlich um plumpe Hetze gegen den demokratischen jüdischen Staat geht.

Eine Landeshauptstadt, die den legeren Umgang eines Autors mit seiner SS-Biographie und – im gleichen Atemzug – seine Hetztiraden gegen Israel gleichsam als Gütesiegel der Streitbarkeit dieses Autors bewirbt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie auf diese Weise wirklich dem folgenden Bekenntnis auch der Stadtverwaltung gerecht wird: „Wir wollen eine Stadt ohne menschenverachtende Parolen, ohne Rassismus und ohne Angst sein.“ Und: „Wir sind Schwerinerinnen und Schweriner, die nicht tatenlos zusehen, wie Dummheit und Hass das menschliche Zusammenleben, die Gastfreundschaft und die wirtschaftliche Entwicklung in unserer Stadt beeinträchtigen […]“.

haolam

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