Gerüchteküche: „Nazi-Faschismus als ‘Segen’ für den Zionismus“

Geht es darum, die zionistische Idee eines jüdischen Staates zu diskreditieren und, da es mit Israel heute eine jüdische Demokratie gibt, auch deren ganz praktische Umsetzung und Fortentwicklung, herrscht eine „argumentative“ Einigkeit, die durchaus beeindruckt und, schöner Kollateralnutzen, zugleich entlarvt.

Daß Abu Mazen, „Palästinenserpräsident“ und, so Dirk Niebel als deutscher Minister für Entwicklung, „unser Partner“1, Israel für das Ergebnis geheimer Absprachen zwischen Zionisten und Nationalsozialisten hält, wie er erst kürzlich gegenüber einem TV-Sender der Hisbollah erklärte, ist beinahe entschuldbar.

„Abbas also defended his doctoral thesis about the relationship between Zionists and the Nazi party in Germany, saying he ‘challenges anyone who can deny that the Zionist movement had ties with the Nazis before World War II.’“2

Von einem, dem selbst Wohlgesonnene bescheinigen, er vertrete nur im Vergleich zur Hamas „gemäßigte“ Positionen, sollte man keine Liebeserklärung an Israel erwarten. Feiert Abu Mazen andererseits Hajj Muhammad Amin Al-Husseini, der sich auf deutscher Seite am Holocaust beteiligte, als „Pionier“3, offenbart das die Irrationalität seines Antisemitismus’.

Vom „Palästinenserpräsidenten“ ist es nicht weit zum „Israelkritiker“, der im Nebenberuf irgendwas bei der Bundeszentrale für politische Bildung macht. In einer Besprechung eines Buchs, dessen Käufer laut Amazon auch gern Zionism: The Real Enemy of the Jews Band 1 bis 3 kaufen, phantasiert Ludwig Watzal:

„So könnte man den Nazi-Faschismus als einen ‘Segen’ für den Zionismus in den 1930er-Jahren bezeichnen. Zwischen 1934 bis 1937 besuchten Nazis auf Einladung der Zionisten Palästina; dazu gehörten u. a. Adolf Eichmann und Herbert Hagen.“4

Herbert Hagen wurde 1955 in Frankreich in Abwesenheit wegen seiner Beteiligung an der Deportation von Juden zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, 1980 bescheinigte ihm die Große Strafkammer des Kölner Landgerichts, er habe „sich den antijüdischen Rassenhaß der NS-Führung zu eigen gemacht“5 und schickte ihn für zwölf Jahre ins Gefängnis.

Während Herbert Hagen nach vier Jahren wieder entlassen wurde und 1999 in Freiheit starb, endete das Leben des anderen Palästina-Reisenden 1962 in Ramle bei Tel Aviv am Strang. Wurde, wie der sowjetische Experte für Judenfragen Lew Kornejew erklärte, damit der „wichtigste Zeuge für die Geschäfte des Weltzionismus mit der Gestapo“6 zum Schweigen gebracht?

Davon jedenfalls, daß Zionismus und Nationalsozialismus mehr verband als unter den gegebenen Umständen vertretbar wäre, scheint auch Ina Lorenz überzeugt. Im unter der Verantwortung von Stefanie Schüler-Springorum, heute Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der FU Berlin, herausgegebenen Nachschlagewerk Das jüdische Hamburg behauptet sie:

„Durch das nationalsozialistische Regime sahen sich die Hamburger Zionisten in ihren Zielen bestärkt. [..] Nach dem Novemberpogrom löste die Gestapo am 13. November 1938 die Zionistische Vereinigung auf. Die Unterstützung für Auswanderer nach Palästina konnte allerdings noch etwa bis zum Sommer 1941 fortgeführt werden, auch weil die Zielsetzung der zionistischen Politik hinsichtlich einer forcierten Auswanderung weitgehend mit den Vorstellungen der nationalsozialistischen Machthaber übereinstimmte.“7

„Zu keiner Zeit“, schreibt Robert Wistrich in seinem bereits 1985 erstmals in deutscher Sprache erschienenen Buch Der antisemitische Wahn, „zu keiner Zeit, nicht einmal zwischen 1933 und 1939, sprach Hitler sich für die Errichtung eines jüdischen Staats auf palästinensischem Boden aus“. 1937 bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin dies in einem Rundschreiben.

„Wie das von Bülow-Schwante unterzeichnete Schreiben erläuterte, liege es im Interesse Deutschlands, daß die Juden als Feinde des Reiches zersplittert blieben. ‘Denn die Judenfrage wird für Deutschland nicht gelöst sein, wenn kein Angehöriger der jüdischen Rasse mehr auf deutschem Boden seßhaft ist. Vielmehr hat die Entwicklung der letzten Jahre gelehrt, daß das internationale Judentum zwangsläufig stets der weltanschauliche und damit politische Gegner des national-sozialistischen Deutschlands sein wird. (…) Es besteht daher auch ein erhebliches deutsches Interesse an der Entwicklung in Palästina. Denn ein Palästinastaat wird das Judentum nicht absorbieren, sondern ihm – etwa entsprechend dem Wirkungskreis des Vatikanstaats – eine zusätzliche völkerrechtliche Machtbasis schaffen, die sich für die deutsche Außenpolitik verhängnisvoll auswirken könnte.’ Daher sei die britische Regierung davon in Kenntnis gesetzt worden, daß Deutschland der Errichtung eines Judenstaats ablehnend gegenüberstehe.“8

Daß die deutschen Nationalsozialisten alles andere sein wollten als Geburtshelfer Israels, bestätigt auch ein Blick in ein Buch, dessen Autor Leopold von Mildenstein zumindest temporäre Sympathien für den Zionismus nachgesagt werden. Rings um das brennende Land am Jordan erschien 1938 in Berlin, und darin schreibt der Förderer Adolf Eichmanns ganz unmißverständlich:

„Das zwangsweise ausgewanderte Westjudentum und der jüdisch-amerikanische Touristenstrom [..] sind ein zerstörendes Gift für den Zionismus Herzls, der durch Rückkehr zur bodenständigen Arbeit auf eigenem Boden das entwurzelte Judentum wieder festigen wollte.“9

Denn „die Auswanderer aus Deutschland, die ‘Januar-Zionisten’, wie sie wegen der plötzlichen Entdeckung ihres zionistischen Herzens mit dem deutschen Umschwung von ihren eigenen Landsleuten in Palästina genannt werden“, würden „in den seltensten Fällen den Weg aufs Land, zu der harten Arbeit der Hände“ finden. „Sie blieben lieber in Haifa, Tel Aviv oder Jerusalem.“

Tatsächlich bewahrte die von Nationalsozialisten erzwungene Auswanderung von Juden nach Palästina „ungewollt mindestens 60.000 deutsche Juden vor dem Holocaust“10. Daraus eine Kumpanei zwischen Zionisten und Nationalsozialisten zu konstruieren, wie es in trauter Eintracht Antisemitismusforscherin, „Israelkritiker“ und „Palästinenserpräsident“ tun, das ist – sehr gewagt.

______

6 zitiert nach: Robert Wistrich: Der antisemitische Wahn. Von Hitler bis zum Heiligen Krieg gegen Israel, München 1987, S. 381

8 Robert Wistrich, S. 293f.

9 Leopold von Mildenstein: Rings um das brennende Land am Jordan, Berlin 1938, S. 38

10 Robert Wistrich, S. 291

tw24

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