Entenjagd: “Kritischer Journalismus” und die Lügen einer “Nachrichtenagentur”

“Kritischer Journalismus” besteht auch darin, Agentur-Meldungen zur Veröffentlichung auszuwählen oder diese abzulehnen. Bei einigen deutschen Medien, entschied man sich dafür, diese Zeilen aus dem gewiß großen AFP-Angebot nicht zurückzuweisen:

“Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in den USA hatte Augstein kürzlich auch auf Hinweis Broders auf seine Liste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt gesetzt. Das Zentrum hat seine Vorwürfe gegen den Verleger inzwischen differenziert und betont, dass Augstein sich kritisch über Israel äußere, heiße nicht, dass er Juden hasse. Er bleibt dennoch auf der Liste.”

AFP legt auf Aktualität nach eigener Auskunft sehr viel mehr Wert als auf Richtigkeit und hält es daher auch nicht für geboten, sachlich falsche Darstellungen zu berichtigen. AFP-Kunden könnten das wissen, schätzen AFP aber vielleicht gerade deswegen.

So stimmt auch an den zitierten Worten ungefähr gar nichts, was jeder halbwegs aufmerksame (Online-)Redakteur ahnen müßte, aber offenbar ignoriert, weil sie, die falsche Darstellung, doch so schön zur eigenen Einbildung paßt. Die ist immerhin auch eine Bildung.

“Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in den USA hatte Augstein kürzlich auch auf Hinweis Broders auf seine Liste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt gesetzt.”

Das Simon Wiesenthal Center (SWC) hat keine “Liste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt” veröffentlicht, es kann daher gar nicht “auch auf [einen] Hinweis Broders” Jakob Augstein auf diese inexistente Liste gesetzt haben.

Immerhin letzteres hat die Süddeutsche Zeitung begriffen, die die AFP-Falschmeldung ein wenig redigierte, dabei aber vergaß, das Original zu löschen, so daß es bei ihr in zwei aufeinanderfolgenden Absätzen nun heißt:

“Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in den USA hatte Augstein kürzlich auch auf Hinweis Broders auf seine Liste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt gesetzt. [..]

Das amerikanische Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte Augstein auch unter Hinweis auf Äußerungen Broders auf ihre Liste gesetzt.”

So entlarvt die kleine Berichtigung, die natürlich dennoch allenfalls ein Berichtigungsversuch ist, da es die behauptete Liste nicht gibt, die von Frankfurter Rundschau wie Welt verbreitete Erfindung, Henryk M. Broder habe Jakob Augstein beim SWC verpetzt.

Dazu hat das Simon Wiesenthal Center erklärt: “Wir hatten keinen Kontakt zu Henryk M. Broder – nicht vor, nicht während und nicht nach der Auswahl.” Und auch Henryk M. Broder bestätigt: “Ich hatte mit dem Simon Wiesenthal Center vor 20 Jahren zum ersten und letzten Mal Kontakt”.

Vielleicht besitzt Henryk M. Broder aber auch eine Zeitmaschine und ist irgendwann gegen Ende des vergangenen Jahres zwei Jahrzehnte zurückgereist in der Zeit und hat damals das SWC auf einen gewissen Jakob Augstein aufmerksam gemacht, den man 2012 im Auge behalten müsse.

“Das Zentrum hat seine Vorwürfe gegen den Verleger inzwischen differenziert und betont, dass Augstein sich kritisch über Israel äußere, heiße nicht, dass er Juden hasse.”

Das kommt heraus, wenn Nachrichtenagenturen voneinander abschreiben, was sie lesen wollen. Es war die dpa, die am vergangenen Wochenende SPIEGEL online zu der Überschrift veranlaßte, “jüdisches Zentrum relativiert Vorwürfe gegen Augstein”.

“Der Journalist äußere sich zwar kritisch über Israel, sei dadurch aber nicht automatisch ein Juden-Hasser.”

Das ist für jeden, der lesen kann, kein Freispruch Jakob Augsteins, sondern dieser wurde von der deutschen Nachrichtenagentur erfunden und deren Kunden verbreitet. “Cooper flatly denied to the [Jerusalem] Post a DPA wire service item that said the center is backtracking from its sharp criticism of Augstein.”

Jakob Augstein, behauptet schließlich AFP, “bleibt dennoch auf der Liste” und meint damit jene “Liste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt”, die es zumindest beim Simon Wiesenthal Center nicht gibt, sondern nur in der angeregten Phantasie deutscher “kritischer Journalisten”.

So reiht sich in ein paar Zeilen Lüge an Lüge, von denen jede für sich schon seit einiger Zeit als solche entlarvt ist. AFP hat keine Zeit zum Recherchieren, diese Agentur will “Aktualität” und nicht Wahrheit. Das paßt zu den “kritischen Journalisten” der Frankfurter Rundschau.

Wenn aber sogar Die Welt vergißt, was Henryk M. Broder in ihr geschrieben hat, und erneut verbreitet, “auch auf Hinweis Broders” sei das SWC erst auf Jakob Augsteins ja in der Tat antisemitische Schmierereien aufmerksam geworden, wird erst recht das ganze Elend dessen deutlich, was sich “Qualitätsjournalismus” nennt.

tw24

Dieser Beitrag wurde unter Antisemitismus Antizionismus, Bomber Harris do it again, Deutschland Nazis, Dhimmi Medien Schweinepresse, Iran Islamismus Terrorismus Islamo-Faschismus, Israel, Obama USA abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.