Stop the Bomb? No, we can’t!

Hagel,ChuckSo unwahrscheinlich es klingt, aber es scheint einem älteren Herrn, der sich mit seiner Überflüssigkeit noch nicht ganz abfinden wollte, mal wieder gelungen zu sein, die Öffentlichkeit in diesem Land seit zwei Wochen auf Trab zu halten: Die Empörungskarawane in diesem Land ist von der Augstein-Debatte so derartig in den Bann geschlagen, dass sie die meisten anderen Themen ringsherum vergessen hat.

Den älteren Herrn trifft daran keine Schuld, zumindest nicht mehr als jeden von uns: Andere Themen sind nicht jedermanns Ding aber auch nicht jederfraus. Es soll dem älteren Herrn in all den Jahren seiner journalistischen Tätigkeit nicht gelungen sein, einen einzigen Text zu schreiben, der nicht halbwegs lustig war. Das ist ein einzigartiges Talent, vor allem, wenn es um ernste Themen geht.

Nun besteht aber leider nicht das ganze Leben nur aus Themen, die das Feuilleton betrifft; eine Diät aus Sahnetörtchen und Liebesknochen wäre auf Dauer zwar lecker, aber vielleicht nicht unbdingt gesund.

Das gilt vor allem dann, wenn ein sensibles Gemüt sich über die Zeitungen beugt. Nicht viel Schönes ist zu hören und zu lesen, sondern auch heute noch geschieht viel zu viel vom Grauen, das sich dem Verständnis entzieht, und zwar auf der ganzen Welt. Nur zu verständlich, wenn ab und zu der Wunsch nach Unterhaltung, Ablenkung und Zerstreuung übermächtig wird. Blöd nur, wenn man dabei das Maß für die Wirklichkeit verliert.

Und während die deutsche Empörungsindustrie im moralischen Vollrausch den Tanz um den goldenen Augstein zelebriert, und alle in diesem mit hellen Geistern ohnehin nicht überreich gesegneten Land seit Tagen wie in Rage sind, und nur noch eine Frage alle Gemüter bewegt, wie man Herrn Augstein überhaupt einen Antisemiten nennen kann, (eine Frage, die sich jeder denkende Mensch auch ohne die Kolumnen von Henryk M. Broder beantworten können sollte), und wie es überhaupt möglich ist, dass die Juden sich sowas Unerhörtes schon wieder rausnehmen dürfen, haben die Mullahs in aller Ruhe ihre erste eigene Atombombe gebaut. Nun ja, Russen, VR Chinesen und Nord-Koreaner sollen ihnen dabei wohl ein wenig zur Hand gegangen sein; mal ganz abgesehen von den Industrie- und Handelskammern in diesem Land.

Nicht, dass es anders gekommen wäre, wenn wir nicht so viel Spaß mit Herrn Broder und der Augstein-Diskussion gehabt hätten. Nur: Kann es sein, dass wir alle zusammen, wie wir so quietschvergnügt und springlebendig um diesen goldenen Augstein gehüpft sind, während wir so übereichlich mit Amüsement und Spektakel beschenkt wurden, ein paar nicht ganz unwesentliche Entwicklungen im Rückspiegel der Wirklichkeit übersehen haben? Hat uns das Son-et-lumière Spektakel in der ersten Woche dieses neuen Jahres den anderen wichtigen Themen der Wirklichkeit nähergebracht oder uns von ihnen entfernt?

Sicher ist das eine relevante Frage, die die Augstein-Debatte aufgeworfen hat. Aber wie oft muss man sich denn noch darüber streiten, ob Wasser wirklich nass ist? Wer noch immer nicht begriffen hat, in welchem Land er oder sie lebt, dem ist kaum noch zu helfen. Wer angesichts der Reaktionen auf Herrn Broder noch immer im Zweifel sein möchte, hat am wiedergutgewordenen Deutschtum etwas Wesentliches nicht verstanden. Andererseits gewinnen die Nummern im Zirkus Broder aber auch mit der Zeit nicht an Attraktivität: Der deutsche Antisemitenstadl hat auf Dauer einfach zu wenige Überraschungen parat, sondern erschöpft sich in mittelmäßigen Variationen über ein eigenes Thema.

Und jetzt mal im Ernst: Wäre es nicht Zeit zu bemerken, dass das Zirkuszelt, in dem wir uns gerade so köstlich amüsieren, bereits in Flammen steht – oder zumindest bald in Flammen stehen könnte, wenn es nach den Mullahs (oder Herrn Barroso) geht? Hat keiner gemerkt? Hatten wieder alle etwas anderes im Kopf? Ja, dachte ich mir, so ging es mir doch auch.

Nicht, dass Super-Broder irgendetwas dagegen hätte tun können, dass der Iran über Nacht Atommacht geworden ist. Nicht, dass es anders gekommen wäre, wenn wir uns mehr für das interessiert hätten, was Quellen publizieren, die vielleicht nicht jedem Standard solider journalistischer Recherche genügen (was bei Themen wie dem iranischen Atomprogramm durchaus von Vorteil sein kann). Aber, man muss es noch mal sagen: Die Mullahs haben angeblich ihre Bombe fertig. Und was haben wir währenddessen gemacht? Über Herrn Augstein diskutiert, okay.

Ich verlange gar nicht, dass sich jeder für Außenpolitik interessiert. Und so ein Knaller wie die Mullah-Bombe passt in Broders flying circus vielleicht auch gar nicht ins Programm. Der ältere Herr kann von mir aus gerne auch noch zum x-ten Mal erklären, dass Wasser nass ist, man wird ja nicht dümmer davon. Nur die, die es betreffen sollte, werden davon leider auch nicht schlauer (und das ist kein Problem, dass irgendein Außenstehender für die vom Antisemitismus betroffenen lösen kann, sondern nur sie selbst).

Ich gönne uns allen unseren Broder, aber nachdem wir uns nun alle so herrlich amüsiert und echauffiert haben, exaltiert und exzentrisch gewesen sind, vor Lachen unter den Tisch gefallen sind, empört waren, uns beleidigt, verraten und verkauft fühlen durften und/oder mussten, wütend waren, weil wir von jeder sich bietenden Seite journalistisch durch den Kakao gezogen worden sind, und zwar dafür, dass wir der Meinung sind, dass Herr Broder Recht hat, mit dem, was er über Herrn Augstein sagt – wäre es da nicht vielleicht ganz schön, wenn wir uns auch mal wieder mit den anderen wichtigen Themen beschäftigen könnten, wenigstens für ein paar Minuten?

Nun ja, vielleicht wäre es nicht schön, aber doch zumindest an der Zeit. Kommen wir zu den Fakten der schnöden Wirklichkeit. Wenn wir uns schon mit etwas derartig Unangenehmen auseinandersetzen müssen, können wir es wenigstens schnell hinter uns bringen. Es kann nicht mehr jeden Tag Shabbes sein: Die Mullahs haben, so heißt es aus vertrauenserweckenden, aber ganz und gar nicht zitierfähigen Quellen, ihre Atombombe zusammengeschraubt. Das behaupten zumindest Quellen bei Reza Kahlili auf WND sofern man über ausreichende Kenntnisse der englischen Sprache verfügt, klingt das alles ganz plausibel.

Die Rede ist in diesem Zusammenhang von klandestinen Installationen tief in einem Bergmassiv in der Nähe von Khondab, die sich durch einen außerordentlich hohen Stromverbauch auszeichnen, obwohl dort keinerlei menschliches Leben zu sehen ist – zumindest nicht über Grund. Die Mullahs haben, so Quellen aus dem Umfeld der CIA, ihr Atomprogramm so weit unter die Erde verlegt, dass es sich mit konventionellen Mitteln nicht mehr ausschalten lässt. Das ist kein Anlass, in Ohnmacht zu fallen. Es war ja mehr oder weniger klar, dass das passiert, früher oder später. Und die “friedliche” Nutzung der Atomenergie scheint nicht das einzige Interessengebiet der Mullahs zu sein. Denn siehe: Sie sind auch sehr daran interessiert, wie man biologische Waffen produziert.

Natürlich ist das ganze Masenvernichtungswaffen-Argument in Deutschland durch eine Operation des BND auf dem Weg zur Irak-Invasion insoweit kompromittiert, dass man den Amerikanern nicht mal mehr dann abnehmen würde, dass die Mullahs Massenvernichtungswaffen produzieren, wenn im Iran bereits die ersten Leute an der Beulenpest gestorben sind.

(Die Deutschen haben, heißt es, damals durch den BND an CIA und MI6 den vermeintlichen “Beweis” für das irakische Massenvernichtungswaffenprogramm geliefert, obwohl sie wussten, dass es sich dabei um eine Falschmeldung handelt. In der Folge standen die Alliierten ziemlich blamiert da. Damit hat die deutsche Außenpolitik einen Vorfall produziert, der es auf absehbare Zeit so gut wie unmöglich macht, einen Kampfeinsatz wegen ABC-Waffen vom Bundestag genehmigt zu bekommen – vermutlich sogar, wenn diese ABC-Waffen tatsächlich existieren).

Die gegenwärtige Situation ist die logische Konsequenz der Sanktionspolitik der letzten Jahre. Denn nachdem die Fünf-plus-eins-Gespräche seit sehr vielen Jahren erfolglos an dem Thema herumgedoktert haben, ist genau das passiert, was von anfang an klar gewesen ist: unter dem wachen Sanktionsauge der Weltöffentlichkeit haben die Mullahs ihre Bombe gebaut.

Die Sanktionen waren für gar nichts gut. Außer dafür, den Menschen im Iran das Leben elendig zu machen und den Mullahs die Zeit zuzuschanzen, die sie brauchten, um Fakten zu schaffen. Nicht, dass sie dabei ohne historischen Vorgänger gewesen wären: Das kaiserliche Japan war seiner Zeit am selben Wochenende in Washington zu Friedensverhandlungen, an dem es Pearl Harbour überfallen hat. Der Gipfel der Infamie. Und selbstverständlich wusste die japanische Delegation von diesen militärischen Plänen – sie waren ja ganz erpicht darauf, sich für ein Ablenkungsmanöver mit diplomatischen Mitteln zur Verfügung zu stellen. Und genau das war der “kritische Dialog” auch: ein Ablenkungmanöver mit diplomatischen Mitteln – vielen lieben Dank.

Es hat also der Westen sich gut zwei Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ganz genau so wie damals an der Nase herumführen lassen – nichts hat man dazugelernt. Eigentlich ist diesmal sogar alles noch ein kleines bisschen schlimmer: Zum einen sollte man spätestens seit Pearl Harbour wissen, wozu ein zu allem entschlossener Schurkenstaat in der Lage ist. Und zum anderen hatte es angesichts des “kritischen Dialogs”, zumindest wie ihn Deutschland geführt hat, zu keiner Zeit den Anschein, als hätte es überhaupt anders kommen sollen als so, wie es jetzt eben gekommen ist.

Aber zum Glück ist Deutschland nicht alles. Noch ein paar andere Staaten gehören dem Gremium an, das darüber wachen sollte, dass der Iran sich an die Absprachen hält. Allen voran Amerika. Nun hat Herr Obama in dieser Woche einen Verteidigungsminister in Aussicht gestellt, der es in sich zu haben scheint: Senator Chuck Hagel. So heißt der auserkorene Minister, und er wurde postwendend von der Pressestelle der Mullahdiktatur mit einem dreifach herzlichen Hello auf Press TV begrüßt. Anscheinend ist Senator Nagel auch in Teheran als strammer “Israelkritiker” bekannt. Muss ja ein echter Sarg-Nagel sein, wenn die Mullahs sich jetzt schon auf ihn freuen.

Die Personalpolitik des US-Präsidenten hat ihre Fans nicht nur in den eigenen Reihen – oder sind die Mullahs in Teheran vielleicht gar nicht die anderen? Da wäre Herr Obama nicht der erste, der so etwas macht: Auch bei Neville Chamberlain war seinerzeit nicht immer ganz klar, wem seine “Politik” mehr helfen soll – Nazi-Deutschland oder den Briten. Genau, wie das historische Appeasement schon damals dem Feind geholfen hat, scheint es auch heute wieder die Grundlagen dafür geschaffen zu haben, dass man die gegenwärtige Lage im Iran bald nur noch mit militärischen Mitteln günstig beeinflussen kann.

Und das wäre auch schon das einzige Gute, was das Appeasement im Rahmen des “kritischen Dialogs” produziert. Denn selbstverständlich haben die jahrelangen diplomatischen Bemühungen nichts weiter getan, als die Kosten in die Höhe zu treiben, die für eine Intervention im Iran fällig werden, und zwar zu Lasten des Westens. Die iranische Bombe jedenfalls wurde dadurch nicht entschärft.

Der Westen hat sich einen echten Bärendienst erwiesen, als er sich dem Wahn hingegeben hat, mit den Mullahs wäre ein vernünftiges Gespräch zu führen. Wenn Diktatoren vernünftige Leute wären, hätten sie sich doch gar nicht erst so einen verrückten Beruf ausgesucht. Die Rechnung der Mullahs hingegen ist nicht zuletzt deshalb aufgegangen, weil der sogenannte Westen anscheinend noch viel verrückter ist, als man bisher gedacht haben würde.

Der ganze kontraproduktive Nonsense, der im Rahmen des “kritischen Dialogs” von der deutschen Journaille reproduziert worden ist, als hätte es nie eine Konferenz von München gegeben, nach der in den Zeitungen von “Peace in our time” geschrieben wurde, hat wegen der veränderten Bedingungen “on the ground” nun endlich die Möglichkeit, sich als das zu blamieren, was er immer schon war: Wunschdenken allgemeingefährlicher Art.

Nicht, dass diese Blamage auch nur einen einzigen Osterarsch davon abhalten würde, demnächst wieder auf die Straße zu gehen und “piep, piep, piep – wir ham uns alle lieb” zu gackern. (Sind diese Leute für stilvolle Drogen eigentlich bloß zu arm, oder zu bescheuert? Oder beides?). Und mangels pazifistischer Marschmusik schreibt Margottogott Käßmann ein Kinderbuch: “How I stopped worrying and learned to love the Bomb”; mit einem Vorwort von diesem hauptamtlichen Bewährungshelfer des jüdischen Staates und Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrats, MdB Ruprecht Polenz (CDU)?

Und Obama steht an der Seite von – na, raten Sie mal von wem! An wessen Seite steht “Barry” denn wirklich, liebes Wahlvolk? Sieht doch wohl eher danach aus, als würde demnächst wieder einer seiner Erfüllungsgehilfen das “Bibermann-Regime” zur Raison rufen wollen. Natürlich nur, weil Herr Obama der Sache des “Friedens” dienen will – oder zumindest dem, was die Mullahs darunter verstehen.

Das nächste, was wir von Herrn Obama zu hören bekommen, wird sein, dass es einfach das Beste wäre, was uns passieren konnte, wenn wir den Mullahs die Atombombe zugestehen – zumindest das Beste seit geschnittenem Brot.

Es ist also alles super! Wir können uns wieder hinlegen. Nur, weil der Frack brennt, ist das noch lange kein Grund, aus der Fasson zu geraten. Frauen und Kinder wie immer zu erst, liebe Leserinnen und Leser. Die Kapelle spielt noch ein paar schöne Lieder und wir unterhalten uns ein bißchen über die Qualität von Herrn Augsteins geistigen Stoffwechselprodukten. Und bis es soweit ist, in die Boote zu steigen, amüsieren wir uns doch bitte weiter im Zirkus Broder, dann haben wir vorher wenigstens noch mal herzlich gelacht.

Gerrit Liskow via haolam

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