Blindes Grätschen ist nicht mehr gefragt: Die DFB-Elf symbolisiert alerte Markttauglichkeit, nicht nationale Selbstbehauptung

65-U1Es gibt sie bei jedem Länderspiel seit jenem Weltmeisterschafts-Sommer 2006, für den sich die deutsche Fußballnationalmannschaft als „Projekt“, wie der seinerzeitige Trainer Klinsmann sie bezeichnete, neu erfunden hat: Jene peinlichen Momente, in denen die Vergangenheit die runderneuerte DFB-Elf und ihre liberalen, beredten und weltoffenen Architekten und Repräsentanten einholt. Dann leben längst überwunden geglaubte Sprechchöre wieder auf, aus Zeiten, in denen die Nationalmannschaft von einem Großteil ihrer Zuschauer als Wehrmachtsersatz in kurzen Hosen betrachtet wurde; typischerweise antwortete damals ein tiefer „Sieg“-Schrei auf einen dumpfen Trommelrhythmus oder man verlangte von sich und anderen: „Steh auf, wenn Du Deutscher bist!“.

Bei Länderspielen in München oder Frankfurt/M. dauern diese peinlichen Momente nicht allzu lange, nach zwei, drei Wiederholungen ebbt das Ganze wieder ab; nicht nur der TV-Reporter übergeht diese unliebsamen Bekundungen mit demonstrativem Schweigen, auch die große Mehrheit bleibt der alten Stimmungsmache gegenüber betont passiv, ja zischt sogar ablehnend. Je weiter es allerdings nach Osten geht, desto weniger gelten auch die neuen, guten Länderspielmanieren: die alt-deutschnationale Anfeuerung durch größtenteils ostdeutsche Anhänger während der diesjährigen EM in Polen und der Ukraine muss dem smarten Trainer Joachim Löw (wohnhaft in Freiburg) und seinem Team ein unangenehmes Déjà-vu gewesen sein.

Doch für mehr als ein bisschen Peinlichkeit reicht es auch dort nicht mehr. In der heutigen Länderspiel-Fußballwelt, wo vor fast jedem Match die Mannschaftskapitäne über das Stadionmikrophon antirassistische Gelöbnisse ablegen, sind Szenen wie die 1996 in Zabrze unvorstellbar: Während eines Länderspiels gegen Polen entrollte der DFB-Anhänger-Mob ein Transparent mit der Aufschrift „Schindler-Juden, wir grüßen Euch“. Unvorstellbar zum einen, weil die meisten der damals Beteiligten heute bei solchen Anlässen Ausreiseverbot bekommen, zum Anderen aber vor allem, weil sie sich nicht mehr von der heutigen Nationalelf vertreten fühlen; sie merken genau, dass der neue Multikulturalismus für den alten Mono-Nationalismus keinen Platz mehr hat und fühlen sich entsprechend verraten und verkohlt.

Denn mittlerweile will Schwarz-Rot-Gold von Schwarz-Weiß-Rot abrücken, so weit es nur irgend geht. Die Frage, wer Deutscher ist, die Frage, die das „Steh auf…“-Gegröle ja aufwirft, beantwortet der Verband deshalb auch ganz anders als sein nicht zufällig 2006 endgültig geschasster Präsident Meyer-Vorfelder, der vor dem Nordostdeutschen Fußballverband 2001 noch als Grund für die damalige sportliche Talfahrt der Nationalelf über zu wenige „Germanen“ (Tagesspiegel, 8.1.2002) im deutschen Profifußball geklagt hatte. Statt auf rassische Selbstbesinnung, wie es Meyer-Vorfelder und Konsorten vorschwebte, setzte der DFB auf „kulturelle Vielfalt“ – und das nicht nur notgedrungen fußballtaktisch durch die verspätete Übernahme (in Wahrheit die Hauptursache für die Krise der Nationalelf im Jahrzehnt vor dem „Sommermärchen 2006“) der Defensiv-Viererkette englisch-italienischen Ursprungs und der damit verbundenen Aufweichung der bislang auf dem Spielfeld herrschenden Funktionshierarchien (Manndecker, Spielmacher etc.).

Und nicht nur die Strategie der Nationalelf änderte sich; die in den weißen Trikots mit dem Adlerwappen steckten, waren plötzlich auch ganz andere, entweder zivilisierte Jungangestellte mit Abitur oder soziale Aufsteiger mit unleugbarem „Migrationshintergrund“.Die diese Veränderung begleitende und orchestrierende mediale Präsentation vollzog gar eine glatte Kehrtwende: Noch zur WM 1990 in Italien veröffentlichte die Nationalmannschaft nach alter Tradition einen schmissigen Marschschlager mit Udo Jürgens, der – vermutlich unbeabsichtigt, aber umso verräterischer – musikalisch wie textlich die Erinnerung an den Einmarsch 1943 wachrief: „Wir sind schon auf dem Brenner, wir brennen schon darauf“ hieß es da im Refrain. Hingegen 2006 sang statt der Kicker mit Schlagerpaten das Ökodeutschland-Idol Herbert Grönemeyer zusammen mit dem Sangesduo Amadou & Mariam aus Mali einen WM-Song, bei dem nichts mehr an die Musikkorps von Polizei und Bundeswehr erinnerte, viel aber ans fortschrittliche Anti-Apartheid-Geschunkel einer Miriam Makeba; und deutlicher als der Titel „Zeit, dass sich was dreht“ sagt, hätte der Appell, den „Aufstand der Anständigen“ (Gerhard Schröder) auch im Umfeld der Nationalmannschaft zum Sieg zu führen, kaum ausfallen können.

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