Letzte Hoffnung Ungarn

Mit jedem Leben, das sie auslöschten, haben sie, scheint’s, ihre eigene Lebenserwartung verlängert. Am wochenende machte das britische Boulevardblatt The Sun auf mit der Meldung, es habe in Ungarn den Massenmörder Ladislaus Csizsik-Csatary aufgespürt, der für den Tod von mehr als 15.000 Juden verantwortlich sein soll.

Tatsächlich ist es eher der unermüdlichen Arbeit Efraim Zuroffs, dem Leiter des Simon Wiesenthal Centers in der israelischen Hauptstadt Jerusalem und seiner Mitstreiter zu verdanken, daß mit Csizsik-Csatary ein weiterer sadistischer Nazi entdeckt wurde und zugleich Ungarn als Zufluchtsort blamiert ist, in dem Nazis wenig zu fürchten haben.

Denn wie Efraim Zuroff betont, habe er bereits vor 10 Monaten die ungarischen Behörden auf den mittlerweile 97 Jahre alten Verbrecher aufmerksam gemacht, der in Budapest sich bester Gesundheit erfreut. Wie bereits im Fall des ungarischen Nazis Sandor Kepiro, den Efraim Zuroff 2006 in der ungarischen Hauptstadt aufspürte, blieben die dortigen Behörden tatenlos.

(“Nazi-Verbrecher” Simon Wiesenthal: Deutsche Staatsjournaille bei der Qualitätsarbeit)

Selbst nachdem Efraim Zuroff im September 2006 den 92jährigen Verbrecher öffentlich enttarnte, änderte sich an der Haltung der Ungarn nichts. “[E]s scheint recht sicher zu sein, dass sie ihn nicht bestrafen wollen”, beschreibt er deren Untätigkeit in seinem Buch Operation Last Chance. Deshalb hat er diesmal The Sun eingeschaltet.

Sandor Kepiro starb unbehelligt im vergangenen Jahr, ein halbes Jahrzehnt nach seiner Enttarnung. Auch wenn abzuwarten bleibt, was nun mit Ladislaus Csizsik-Csatary geschieht, stehen die Chancen doch schlecht, daß er in Ungarn vor Gericht gestellt wird. Die Staatsanwaltschaft in Budapest nämlich “sieht Probleme bei Fall Csatary”:

“Die dem 97-Jährigen zur Last gelegten Verbrechen in Kosice, das heute zur Slowakei gehört, lägen 68 Jahre zurück, erklärte die Staatsanwaltschaft heute.

Die Ermittlungen bestehen demnach zu einem ‘bedeutenden Teil’ darin, möglicherweise noch lebende Augenzeugen zu finden, von denen viele im Ausland vermutet werden.”

Wer erst nach zehn Monaten und angesichts mehrerer Artikel in internationalen Medien darauf kommt, Vermutungen über mögliche Zeugen anzustellen, hatte es zumindest bisher nicht besonders eilig, überhaupt zu ermitteln. Wie Sandor Kepiro 1944 wurde Ladislaus Csizsik-Csatary übrigens schon einmal für seine Verbrechen verurteilt.

Aber es scheint die Budapester Staatsanwälte wohl zu überfordern, einfach die Akten der Ermittlungen und des 1948 in Abwesenheit des Angeklagten geführten Prozesses in der Slowakei oder der Tschechischen Republik anzufordern.

tw24

Dieser Beitrag wurde unter Antisemitismus Antizionismus, Deutschland Nazis, Israel, Verbrechen abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.