“Jesus war kein Deutscher, der war auch kein Jude, er war Moslem”

Ich bin mir nicht sicher, ob sich Sebastian Gierke wirklich die vollen eineinviertel Stunden der Sendung Menschen bei Maischberger vom 15. Mai 2012 mit dem Thema “Die Salafisten kommen”[1] angesehen hat oder ob es ihm genügt hat, sich den Schluss anzusehen und ein paar gefällige Phrasen zu dreschen, die sein Publikum befriedigen. Denn worüber er sich in [2]

katholikenbashing
aufregt, ist derart partiell, dass er entweder das, was einen anspringen müsste, gar nicht gesehen hat – oder er es seinen Lesern vorsätzlich unterschlägt. Ein erster Zweifel baut sich bereits auf, als Gierke die Diskussion “90-minütig” bezeichnet, während sie tatsächlich 1:13:39 Stunden andauerte.

einsdreizehn

Aber wer weiß, vielleicht hat Gierke eine halbsündige Pinkelpause eingelegt, in der ihm wesentliche Teile der Sendung durch die Lappen gingen. Deshalb musste er sich mit Allgemeinplätzen wie

wird der Dialog zunächst in die seit Jahren übliche Sackgasse und schließlich mit Schwung an die Wand gefahren

begnügen, wobei die Schuldigen, der Titel weist ja bereits darauf hin, die anwesenden Katholiken, Bosbach und Matussek sind. Klar.

Erster Anklagepunkt:

Anschließend [nach einem Statement, dass Gewalt allgemein abzulehnen sei, Anm. Jaspis] wird über Salafisten kaum mehr gesprochen – sondern über den Islam.

Aber warum war das so? Weil die Katholiken das so wollten? Nein, aber das sagt Gierke nicht. Denn derjenige, der das Gespräch in diese Richtung lenkte, war Salafist Hassan Dabbagh höchstpersönlich.

Frage Maischberger (bei 0:08: 40): Herr Dabbagh, was bedeutet Salafismus für Sie, wie leben Sie das im Alltag?

Antwort Dabbaggh: Erstmal: Ich bin ein Moslem und meine Religion ist der Islam. Salafismus ist eine Sache, die rein religiös ist, terminologisches Wort ist. (…) Ich stehe hier nicht als Salafist, ich stehe hier als Moslem.

Frage Friedman: Sind Sie ein Salafist?

Antwort Dabbaggh: Nein, ich bin ein Moslem.

Es folgt der Start in Beschuldigungen: Geheimdienst und Medien scheren alles über einen Kamm, um den Islam als solchen zu verfolgen. Die Feinheiten, die Gierke fehlen, verwischte Dabbagh – und nicht die bösen Katholiken.

Zweiter Anklagepunkt:

Matussek zitiert Thilo Sarrazins Statistiken über straffällige Jugendliche, klagt, der Islam nehme eine ganze Gesellschaft zur Geisel, schwadroniert über eine Opferideologie, die hierzulande speziell auf islamische Jugendliche zugeschnitten sei und behauptet im Brustton der Überzeugung: “Wenn nicht die ganze Zeit die Versteher-Opern gesungen würden”, hätte jeder hierzulande, der deutsch lernt und die Schule abschließt, die gleichen Chancen, eine “super Karriere” zu machen. Dabei haben Studien längst belegt, dass zum Beispiel viele Firmen qualifizierte Migranten gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch einladen

Der letzte Satz stammt natürlich von Gierke und macht selbstredend alles davor Gesagte obsolet. Statistiken hin, Erfahrungswerte her.

Dritter Anklagepunkt:

Die verfolgteste Religion ist laut Bosbach auch nicht der Islam, sondern das Christentum. In Deutschland könnte man doch Moscheen errichten: “Aber suchen Sie mal in Saudi-Arabien Kirchen.” Eine elegante Art, die sozialen und moralischen Maßstäbe zu untergraben, die man zu verteidigen vorgibt: Denn wer Toleranz fordert, für den kann sie nicht dann ein Ende finden, wenn ein anderer nicht tolerant sein will.

Selbstverständlich. Nur sollte man nicht ganz übersehen, was Bosbachs Hinweis auf die Situation der Christen in der Welt des Islam vorausging.

Von Gierke völlig unbeachtet war Dabbagh gleich am Anfang zunächst beharrlich der Frage ausgewichen, ob er denn eigentlich die Scharia mehr achte als das Grundgesetz. Bei etwa 0:09:30 versucht Maischberger mehrmals vergeblich, ihn zu einer Antwort zu bewegen. Erst bei 00:11:51 kommt die reichlich gewundene Antwort:

Der Islam sagt uns, dass wir, wenn wir in einem Land wie z.B. Deutschland leben und wir sind eine Minderheit, dass wir uns an die hiesige Ordnung ordnen müssen und das wir nicht Chaoten werden und deshalb wir halten uns an die Gesetze in diesem Land und wir sind Musleme, das bedeutet, diese Scharia und Grundgesetz

Das griff Bosbach später, ab 0:32:14 auf und hielt Dabbagh vor, er sage,

So lange wir in der Minderheit sind, akzeptieren wir die Rechtsordnung (…) heißt im Umkehrschluss: Ich warne Euch: Wenn wir nicht mehr in der Minderheit sind, dann sieht das anders aus.

Und weiter führte Bosbach aus:

Zweitens: Ich beurteile den Islam nicht danach, wie er sich verhält, wenn er in der Minderheit ist. Ich beurteile ihn, wie er sich anderen religiösen Überzeugungen gegenüber verhält, wenn er in der Mehrheit ist, oder gar Staatsreligion. Wenn der Islam tatsächlich in all seinen differenzierten Ausprägungen steht, für Friedfertigkeit, für Toleranz, für Barmherzigkeit, warum ist es dann in Saudi-Arabien höchstens unter Lebensgefahr möglich, sich zum Christentum zu bekennen? Warum darf man in diesen Staaten, wo der Islam Staatsreligion ist, nicht eine andere Religion praktizieren? Das heißt, wenn man sich in der Minderheit befindet, ist man so lange geschmeidig und nutzt auch gerne die Rechtsordnung des Staates aus für die eigenen Zwecke, so für das Werben für die eigene religiöse Überzeugung, aber sobald man in der Mehrheit ist, gilt diese Toleranz gegenüber anderen Religionen leider, leider nicht mehr.

Das ist ein vollkommen legitimer Einwand, gerade wenn es darum geht, für eine Religion zu werben.

Vierter Anklagepunkt:

Die zum Islam konvertierte Fernsehmoderatorin Kristiane Backer berichtet sehr emotional von ihrer Religion, was sie daran berührt – im Gegensatz zum Christentum. Matussek ruft dazwischen: Das sei die Micky-Maus-Version der Religion.

Kristiane Backer hatte versucht, Bosbachs obigen Ausführungen entgegen zu halten, dass der Islam doch die einzige Religion sei, die alle anderen Religionen anerkenne – weil das der Koran sage.

Bosbach kommentierte das mit den Worten “Wollen Sie uns veralbern? Kennen Sie die Situation in Saudi-Arabien? Ist das kein islamisches Land?“, während Matussek die spätere Wiederholung Backers mit der Bemerkung der “Micky-Maus-Religion” goutierte. Das mag einem nicht gefallen und es ist auch schön für Frau Backer, dass sie in London in einer so schönen rosaroten Welt lebt. Leben kann. Doch die Realität sieht anders aus, in den Ländern, in denen die Todesstrafe auf Missionierung für andere Religionen oder die Abkehr von Islam steht. Herr Matussek ist dabei eher höflich gewesen.

Das alles aber lief vollkommen unbemerkt – oder jedenfalls unerwähnt von Sebastian Gierke, der davon ausgehen darf, dass seine Leser sich die eineinviertel Stunden der Maischberger-Sendung nicht antun werden und ihm folgen werden, wenn er den Katholiken Bosbach und Matussek die Schuld am Scheitern dieser Diskussion vorwirft, in der ein Herr Dabbagh nicht nur ebenso permanent anderen ins Wort fiel wie der Rest der Truppe auch, Maischbergers Fragen beharrlich ignorierte, um seine allgemein gehaltenen Stellungnahmen abzuliefern, sondern als “Argument” andere Standpunkte schlicht als Unsinn abtat. Sachliche Argumente braucht er anscheinend nicht.

Und natürlich fand Sebastian Gierke auch nichts an der krudesten Feststellung des Abends. Als es nämlich darum ging, ob Wulffs Satz, der Islam gehöre zu Deutschland wie Christentum und Judentum, denn nun richtig sei, betonten die bösen Katholiken mehrmals, das sei historisch falsch – was sich auch unschwer belegen lässt. Dabbaghs Gegen-”Argument” (das einzige, das übrigens überhaupt dazu kam) bei 00:59: Die Behauptung, Jesus sei nicht nur kein Deutscher (schau an), und auch kein Jude, sondern Moslem gewesen. Wenn man also sage, so Dabbagh weiter, Christentum und Judentum gehörten zu Deutschland, dann müsse das auch für den Islam gelten, weil schließlich Jesus Moslem gewesen sei.

standbild
Wenigstens stimme ich Gierke in einem Punkt zu: Ein sinnvolles Gespräch, das auch zu irgend etwas führt, kann man da wirklich nicht führen. Ich kann verstehen, dass sich Sebastian Gierke das nicht von Anfang bis Ende antun wollte. Aber dass er dann einen ebensolchen Schwachsinn schreibt und eine Fernsehkritik lediglich dazu nutzt, missliebige Politiker und Journalisten zu diffamieren, das … passt zum QualitätSZjournalismus seines Hauses.

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