Bundeswehr entlässt radikalen Moslem

Augustdorf. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat erst vor wenigen Tagen vor der radikal-islamischen Sekte der Salafisten gewarnt. Ein mutmaßliches Mitglied dieser Gruppierung ist offenbar als Zeitsoldat am Bundeswehrstandort in Augustdorf tätig gewesen.

Wie ein Sprecher der Panzerbrigade 21 auf Anfrage der NW bestätigte, wurde der Zeitsoldat am 15. März vergangenen Jahres „vor Ablauf seiner Dienstzeit“ entlassen. Zu den konkreten Gründen, die zum Rauswurf des Zeitsoldaten führten, wollte der Sprecher keine näheren Angaben machen.

Nach Recherchen der Neuen Westfälischen war die Bundeswehr zu der Überzeugung gekommen, dass der Mann wegen seiner islamistischen Gesinnung nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stand.

Bei dem Zeitsoldaten handelt es sich um einen deutschen Staatsbürger aus der sauerländischen Stadt Attendorn. Als sogenannter Konvertit war er vor einiger Zeit zum muslimischen Glauben übergetreten. Anschließend soll der Zeitsoldat sein Äußeres verändert und mehr oder weniger offen für die Einführung der Scharia in Deutschland geworben haben. Der Begriff „Scharia“ steht für „islamisches Recht“. Darunter fallen beispielsweise im Koran festgelegte harte Körperstrafen.

Dem Vernehmen nach soll sich der Zeitsoldat im Dunstkreis der Salafisten bewegt haben. Wie eine Sprecherin des Mindener Verwaltungsgerichts auf Anfrage bestätigte, hat er dort nun Klage gegen seine vorzeitige Entlassung aus der Bundeswehr eingereicht. Der Konvertit beruft sich unter anderem auf seine Religionsfreiheit. Ob es genügend Indizien und Beweise für seine Verwicklung in Kreise des extremistischen Islamismus gibt, muss nun das weitere Verfahren zeigen.

Die Strömung des Salafismus stellt nach Einschätzung des Verfassungsschutzes eine besondere Gefährdung für die Bundesrepublik Deutschland dar. Etwa 20 bis 30 Anhänger dieser Gruppierung in NRW würden den heiligen Krieg predigen, erläuterte unlängst NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Vor allem Konvertiten – junge Deutsche und in Deutschland geborene Nichtmuslime, die zum Islam übergetreten sind – seien anfällig dafür, in die salafistische Szene zu geraten, so Jäger. Salafisten würden die freiheitlich-demokratische Grundordnung strikt ablehnen und zum Beispiel die Verschleierung der Frauen fordern.

Der konkrete Fall lässt auch deshalb besonders aufhorchen, weil der als Islamist verdächtigte Zeitsoldat aus dem sauerländischen Attendorn stammt. Im Sauerland hatten 2007 vier Islamisten, darunter zwei Konvertiten, Sprengstoffanschläge vorbereitet. Sie waren dort verhaftet und später zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Weder beim nordrhein-westfälischen Innenministerium noch im Bundesverteidigungsministerium war am Mittwoch zum Augustdorfer Fall eine Stellungnahme zu erhalten. Recherchen zu der Frage, ob es Erkenntnisse über weitere Fälle gibt, in denen Islamisten oder Angehörige anderer extremistischer Gruppierungen als Soldaten bei der Bundeswehr in Erscheinung getreten und anschließend deshalb entlassen worden sind, würden eine etwas längere Recherche erfordern, hieß es zur Begründung.
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