Deutsche Belehrungen

Zum 13. von der Axel Springer AG jährlich veranstalteten Europäisch-Israelischen Dialog, mancherorts auch als Deutsch-Israelischer Dialog bezeichnet, traf man sich am Dienstag in der deutschen Hauptstadt, um den Vorträgen einiger hochrangiger Redner zu lauschen, die sich um das Thema “Zugang zu Energie und Wasser birgt zukünftig verstärktes Konfliktpotential im Nahen Osten” drehen sollten.

Die israelische Seite wurde vertreten durch Uzi Landau, im Kabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zuständig für die Energie- und Wasserversorgung, während Bundeskanzlerin Angela Merkel Thomas de Maizière schickte, ihren Verteidigungsminister, der brav aufsagte, was “wir” aus “unserer blutigen europäischen Geschichte”, in der es wohl weder Täter gibt, sondern alle gleichermaßen nur Opfer sind, gelernt haben:

“Firstly: The peace process is a lengthy process. Secondly: Trust must be gained pragmatically.”

Mit Blick auf wiederholte Drohungen des Regimes in Teheran, Israel und “die Zionisten” vernichten, einen neuen Nahen Osten schaffen zu wollen, “in dem es keine Spur gibt von Amerikanern und Zionisten”, wurde der deutsche Minister konkreter, wie PressTV, ein anerkanntes Sprachrohr des Mullah-Regimes der Islamischen Republik Iran, unter genüßlicher Berufung auf die Jerusalem Post meldet:

“German Defense Minister Thomas de Maiziere has warned Israel against a strike on Iran, describing military action as an ‘unwise’ move. [..]

‘It’s not only a question of what will happen the day after [an attack on Iran] in Tel Aviv; it’s a question of what will happen elsewhere in the world,’ he said.”

Die israelische Regierung, heißt das, solle nicht so egoistisch sein und nur an das eigene Land denken, sondern auch an, beispielsweise, Berlin, wo sich die Hisbollah ungestört von Behörden auf den day after vorbereiten kann. Deutschland, heißt das in aller Deutlichkeit ebenfalls, ist bereit, Israel aufzugeben, Deutschland ist nicht bereit, einen Preis für dessen Existenz, für Frieden in Jerusalem, Tel Aviv oder Haifa zu zahlen.

Die Islamische Republik finanziert die Hisbollah und die Hamas, die aus ihren Absichten so wenig ein Geheimnis machen wie das Regime in Teheran. Doch die Regierung in Jerusalem soll, geht es nach Thomas de Maizière, sich diesen existenziellen Bedrohungen nicht in den Weg stellen, es könnte andernfalls nämlich “elsewhere in the world” etwas geschehen, vielleicht sogar in Deutschland.

Vertrauen muß pragmatisch aufgebaut werden”, so eine der vom deutschen Minister zitierten “Lehren”. Darauf, daß es von der Hamas und der Hisbollah keinen Frieden zu erwarten hat, kann Israel vertrauen. Auf friedliche Absichten Teherans kann es nicht setzen. Zu oft ist aus der Islamischen Republik zu hören, ihre “nationale Mission” sei  Israels “völlige Vernichtung” (“full annihilation”).

Seit 2006 immer wieder durch den UN-Sicherheitsrat aufgefordert, auf jede Anreicherung von Uran zu verzichten, verweigerte Teheran bislang noch jedes Einlenken. Gespräche und Sanktionen haben Fordo so wenig verhindert wie den waffenfähigen Vorrat angereicherten Urans, über den das Mullah-Regime verfügt. Selbst die IAEA klagt, Teheran hätte seit Januar keine Schritte unternommen, seine friedfertigen Absichten zu belegen.

“The head of the UN nuclear watchdog pressed Iran on Monday to grant his inspectors immediate access to the Parchin military site, where they believe Tehran may have conducted explosives tests relevant to the development of nuclear weapons.”

Wem sollte die Regierung in Jerusalem angesichts dieser Lage eigentlich mehr vertrauen?

Sie hat “Verbündete” wie Deutschland und die Vereinigten Staaten, die sich rundweg weigern, “rote Linien” für Teheran zu formulieren, und so deutlich machen, daß auf sie eben kein Verlaß ist; und sie hat Feinde, die Israel wieder und wieder die Zerstörung androhen, terroristische Banden wie Hamas und Hisbollah finanzieren und – gegenüber der IAEA – angeblich friedliche Absichten nicht belegen wollen.

Thomas de Maizières anmaßendes Zitieren von “Lehren” ist ein Beweis dafür, daß er sie selbst nicht verstanden hat. Nicht an die Regierung in Jerusalem sind Forderungen zu stellen, es sind vielmehr die vermeintlichen “Verbündeten”, die sich das Vertrauen Israels erwerben müssen, wollen diese ihm Ratschläge erteilen oder gar ein Mitspracherecht beanspruchen.

Damit jedenfalls, Israels Existenz verbal in Frage zu stellen, erwirbt die Regierung in Berlin ein solches Vertrauen gewiß nicht.

tw24

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