Dass Butler mit dem Adorno-Preis bedacht wird, ist, nachdem in den Jahren zuvor bereits Godard und Derrida diesen Preis entgegennehmen durften, und Butler 2002 im Rahmen der Adorno-Vorlesungen referieren konnte, keineswegs verwunderlich, deshalb jedoch nicht weniger unverschämt. Eine Denkerin, deren Geschäft darin besteht, Natur im Diskurs aufzulösen und den ubiquitären Antizionismus und Antiamerikanismus moralphilosophisch zu veredeln mit dem Adorno-Preis zu würdigen, zeugt nicht nur von der Ahnungslosigkeit, mit der Adorno immer wieder zum prä-postmodernen Differenzphilosophen stilisiert wird, sondern auch vom instrumentellen Umgang, den man in Frankfurt mit dem Erbe der Kritischen Theorie pflegt.[2] Gutmütig aber ahnungslos zeigt sich beispielsweise auch Micha Brumlik, der die Ex-Studentin aus Heidelberg gegen Kritik in Schutz nehmen zu müssen glaubt und ihr Kokettieren mit Hamas und Hisbollah als politischen Irrtum abtut, der mit ihrer dem Geiste Adornos verbundenen Philosophie nichts zu tun habe (vgl. konkret 7/2012). Denn anders als Brumlik meint, steht Butlers Engagement gegen Israel und die USA im Namen einer Weltinnenpolitik, die jüdisches Leben erneut der Gefahr der Vernichtung aussetzt, durchaus in Zusammenhang mit ihren theoretischen Überlegungen. Butler mit dem Adornos-Preis zu ehren, ist mithin so schlüssig, wie Adorno posthum mit der Verleihung der Heidegger-Gedächtnis-Medaille zu „würdigen“.
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