Die Raffgier des Günter Wallraff. Oder das Schlechte im Gutmensch

Neben Peter Hahne (Bild am Sonntag, ZDF) und Margot Käßmann (Pfarrerin und betrunken Autofahren) gehört u.a. auch noch der investigative Günter Wallraff zu dem in Deutschland, was man das gute ethisches/sittliches Bewusstsein nennt. Wann immer es darum geht, krude Scholastik zu verbreiten, Seitenbegrenzer mit Reflektoren umzunieten oder zu beweisen, dass man als „Neger“ nicht im Osten Bahn fahren darf, (auch wenn man die Einstellung mehrmalig drehen muss, bis so ein dämlicher Ossi dann endlich mal zupöbelt) für alle Abteilungen des Betroffenseins gibt es einen Spaßmacher, der das ganze delikat und mundpropagandagerecht aufbereitet. Schön, die Fragen die Hahne im ZDF seinen Vorbereitenten Gegenspielern stellt, sind mitunter so arglos wie die schlichten Streifen seiner günstig erworbenen Anzüge (von der Stange). Und auch dass Margot ist, nach erfolgreich absolvierter Bußestunde in den USA wieder eine gefragte Fresse in den superspannenden Talkshows der Dritten Programme nach 23:00 Uhr. Wenn sie dann nicht gerade Urnen prämiert, bei denen man sie lieber in, statt vor dem Objekt sich wünscht, zeigt sie uns Schmuck, den wir sonst nur in exklusiven Läden wie HSE24 oder Quelle online bekommen (stets limitierte Auflage).

Abseitig verhält es da schon mit dem Günter “Ali” Wallraff. Der notorische Zeigefinger, der immer dann zur Stelle war, wenn es darum ging, Einblick zu gewähren, dass wir in einer abgrundtief abscheulichen Gesellschaft leben, die nur aus Rassisten, Eigentümern und Bildzeitungslesern besteht. Der Jahr für Jahr davon lebte, von den von ihm für dünne Hergänge und dicke Fibeln ausgebeuteten Randfiguren des turbokapitalistischen Systems. Die Verzögerten und das nicht nur gesellschaftlich gesehen, ist jene Kundschaft, welche Günter Wallraff Millionen verschaffte, die ihn dazu befähigte u.a. obskuren Sekten wie der MLPD in Duisburg ein Zentrum zu finanzieren, in dem sich Verschwörungsrapper, mit arabischen Antisemiten und Spendensammlern für Saddam Hussein die Klinke in die Hand geben.  Freilich, als Mann der tausend Verhüllungen hat man nicht immer Zeit, sich um jede linke Mülltonne persönlich zu bekümmern, dafür hat man dann irgendwann Leute wie Herr Fahnemann, die das bei Bedürfnis mal überprüfen könnten, wenn der Tag im Leben eines Günter W. nicht mehr als 24 Lehrstunden hätte.

Ausbeutung, das letzte große Thema des Günter W. Was haben wir doch gelacht vor dem vertrauten Empfangsgerät, als wir diesen alten auf jung getrimmten Mann Pakete mit Schmuck und Anzügen haben schleppen sehen. Und dann noch bei RTL. Welch Tiefsinn. Günter Wallraff ist also mal wieder ganz unten angekommen. Ausgerechnet RTL, der Sender, der praktisch das flackernde Bild zur BILD darstellt, der Sender, mein RTL der sich der heimatlichen Inzucht annahm um ein für alle Mal das Rückgrat der Gesellschaft, das deutsche Bauertum vor dem Ansturm weiterer  Fernost-Girls unter 18 Lebensjahren zu hemmen. Der Sender der Menschen und Gestalten wie Günter Jauch den Zauber des Bildungsbürgers verlieh, in dem er noch bescheideneren Gestalten eine von vier fröhlichen Fragen stellte. Der Sender also, der sich der Geistesströmung wie einst Oswald Kolle (Der Orgasmus der Frau) verschrieben hat, gibt dem G. W. einen Sendeplatz zur besten Zeit (Werbewirksamkeit vs. Nettoertrag).

Das, was dann folgte, war jenes, was man schon lange identifizierte. In der Epoche des Internets und seiner schrankenlosen Möglichkeiten bedarf es keines Fragments des vergangenen Jahrhunderts, das mit einem Bekenntnis daherkommt, das eher an der Vorstellung des örtlichen Wanderzirkus erinnert, als an der Ernsthaftigkeit, die man hinter dem Begriff „Aufklärung“ vermuten darf. Wallraff setzt elementar voraus, dass die Subjekte seiner ach so objektiven Untersuchung vom Wesen her Notgedrungene sind, die zwar über die Denkfähigkeit verfügen (irgendwie), aber es nicht so wirklich raushängen lassen. So sind sie alle gezwungen Pakete zu schleppen, praktisch Schlepper von Neppern und Bauernfängern.  Und weil sie gezwungen werden und nicht etwa zu einfältig sind etwas von ihrer Ausbeutung auch nur die Spur abzugeben, brauch es halt eines Günter Wallraffes, der verschmutzt vom grauen Star glaubt, niemand würde ihn in den Anziehsachen eines 30-jährigen Förderschülers erkennen. Ohne weiter auf den faulen Zauber eines Günter Wallraff und die Kunst der Erregung einzugehen, was uns an Wissen vermittelt werden soll, ist so ohne Belang das Wir es auf dem Weg zum Hermes–Paketshop schon wieder vergessen haben. Das Gleiche darf man im Übrigen auch über das Schicksal von Obdachlosen voraussetzten, über das uns der gute Mensch von Sezuan einst in der Beilage einer trivialen Zeitung informierte. Wie die Zeit doch vergeht. Und weil auch Günter Wallraff seine Miete zahlen muss, in der ersten Klasse, statt bei dem von ihm so geliebten Racket in der zweiten Klasse der Deutschen Bahn reisen will und das auf die Stetigkeit eines Jahres mitunter mehr kostet, als das was RTL für bedeutungslose 45 Minuten Mitleids-TV bezahlt, bedarf es an anderer Stelle den roten Stift anzusetzen.

Der Mensch, der aus der Praxis kommt, jener Praxis, die voraussetzt, dass der Mensch ein geknechtetes Wesen und dergleichen Blödsinn ist, weiß wohl am Besten, welchen Hebel es gilt zu bewegen, um diesen Faktor sich zunutze zu machen. Dabei ist nicht die Rede von einer weiteren Maskerade, sondern die öde Alltagspraxis, die das selbstgerechte Leben etwas angenehmer erscheinen lässt. Wie bereits erwähnt, Günter Wallraff ist nicht nur biologisch in einem Alter, dass es vor allem auf dem Friedhof zu bestaunen gibt, sondern auch soweit, als das die geistige Fähigkeit so manche extra Kurve im Runden drehen mag. Über den Alltag hinaus mag das bedeuten, das Günter morgens aufwacht und entsetzt feststellt, dass er bei Google-News einfach nicht erscheint. Und das trotz der Parteinahme für vermeintlich verfolgte „Künstler“, die so gemeinfasslich sind wie die Gewinner der ersten 5 Staffeln von DSDS, (wer erinnert sich nicht) und dem wehklagen über Mindestlöhne nach Vorstellung einer Mauermörderpartei. Und trotzdem so, wie ein Bildhauer eines Lyrikers bedurfte, so bedarf es eines RTL-Laiendarstellers eines zunächst Arbeitslosengeld 1 und späteren Hartz-4 Empfängers.

Für das Bügeln, Putzen und Beantworten von Mitteilungen bezahlte der Retter der Ausgeschlachteten seinem „Mitarbeiter“ zunächst 1000 Euro auf die Hand, vorbei am Arbeitsamt. Dass der Werktag in der Firma Günter Wallraff schon mal 12 Stunden inklusive Wochenende und Feiertage ergab, scherte den Vergelter der Armen nicht. Auf die Fragen, wann denn endlich aus dem illegalen Arbeitsverhältnis ein ordnungsgemäßes Werden würde, fand der investigative Zeigefinger nicht die Zeit zu antworten. Erst Ende 2009 bot Wallraff seinem Mitarbeiter einen Stundenlohn von 8 Euro an, allerdings schwarz auf die Hand und wieder am Amt vorbei. Nur durch die das Geld aus dem Hartz 4 Satz konnte sich A. Fahnemann überhaupt über Wasser halten, nicht zuletzt, weil Wallraff seinen Leibeigenen nach Bedarf einsetzte und bezahlte. Dieser zeigte sich Ende Juni selbst an, nachdem er Wallraff weiter auf diese perfide Form der Ausbeutung wohl bestand. Die Staatsanwaltschaft, sowie die Agentur für Arbeit vertreten durch die Zollbehörde Köln ermittelt nun  gegen den „Arbeitgeber“ und Vermieter von Andre` F..

Günter Wallraff wird sich nun des Öfteren Umschauen, nicht nur nach einem neuen Subjekt, dass er nach Belieben jenseits von Mindestlohn ausbeuten kann, sondern auch nach Ermittlern, die keine alberne Maskerade benötigen, um Unrecht vor das Gericht zu bringen. Dass der Fall G.Wallraff vielleicht demnächst auf RTL zu sehen ist, dürfte eher unwahrscheinlich sein, schließlich stellte man bereits 2008 die Sendung „Das Strafgericht“ ein. Wallraff wird es freuen.

PROZION NRW

Dieser Beitrag wurde unter Öko Bio, Bomber Harris do it again, Deutschland Nazis, Dhimmi Medien Schweinepresse, Geld Kohle Money Kapitalismus, Kunst Kultur, Literatur, SPD Sozialfaschisten abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s