Keine Bühne gegen Israel? Vom Scheitern einer Kampagne

Atzmon ist israelischer Staatsbürger, lebt aber in London und nimmt für sich in Anspruch, Exilant zu sein. Als Musiker genießt er über die Jazz-Szene hinaus einen guten Ruf. Bekannt wurde er in den vergangenen Jahren jedoch nicht als Musiker, sondern als antizionistischer Reisekader, als bekennender Achmadinedschad-Versteher, kurz: als jüdischer Kronzeuge der antisemitischen Internationale. Seine Band hat er nach dem ehemaligen Hauptquartier der PLO das „Orient-House-Ensemble“ benannt, und sein politisches Ziel ist entsprechend die Auflösung Israels samt der Auslieferung der dann rechtlos gewordenen Israelis an die Gnade der Araber –was er, wenn er sich unter Gleichgesinnten wähnt, auch beinahe wörtlich so formuliert. (1) In der Öffentlichkeit redet er lieber von einer gerechten Ein-Staaten-Lösung, was bekanntlich aufs Gleiche hinausläuft, aber nobler klingt.

Natürlich pflegt Atzmon auch die sattsam bekannte Gleichsetzung des Zionismus mit dem Nationalsozialismus: „Für mich ist der Zionismus als rassistisch-expansionistische Bewegung nicht von der Nazi-Ideologie zu unterscheiden.“ (2) Wenn er dann doch einen Unterschied findet, fällt der zu Ungunsten Israels aus: „Ich glaube, dass Israel aus einer bestimmten ideologischen Perspektive noch schlimmer ist als Nazi-Deutschland, denn anders als Nazi-Deutschland ist Israel eine Demokratie. Und das bedeutet, das Israels Bürger Komplizen der israelischen Greueltaten sind.“ (3) Ein offenes Bekenntnis zum Judenhass wird man von Atzmon nirgendwo zu lesen bekommen, doch selten findet man den inneren Zusammenhang von Antisemitismus und Antizionismus so knapp auf den Punkt gebracht wie in seinen Texten: „Zionismus (als Ideologie), Judaismus (als Religion), Jüdischkeit (als Identität) und die Juden (als Volk) sind eng miteinander verknüpft […] die jüdischen Lobbys, jüdische Pressure-Groups und jede andere Form des jüdischen Stammesaktivismus (sind) nicht voneinander zu unterscheiden.“ (4)

Da er den Juden unverblümt eine weltumspannende Verschwörung im Dienste des Zionismus vorwirft und dennoch kein Antisemit sein will, muss er seine Herkunft zum Alibi machen: Er ist ein Jude, der gegen die vermeintliche Verschwörung kämpft; also muss er den Juden die Freiheit zugestehen, dem „Stammesaktivismus“den Rücken zu kehren, weshalb er unmöglich Antisemit sein kann – quod erat demonstrandum. Natürlich ist diese Rabulistik so leicht zu durchschauen wie eine frischgeputzte Fensterscheibe, aber sie erfüllt ihren Zweck: Atzmon bedient jedes antisemitische Klischee seiner Anhänger, doch seine Gegner können ihn nicht darauf festnageln, weil er das Gegenteil immer gleich mitbehauptet. Den Holocaust nennt er eine „neue Religion“ im Dienste von Zionismus und Imperialismus. Er „diente dazu, die Aufmerksamkeit von den ungeheuren Verbrechen der Alliierten abzulenken. Hiroshima, Nagasaki und Dresden sind nur die Kürzel für den institutionalisierten Völkermord aus der Hand des englischsprachigen Imperiums.“ (5)Folgerichtig fordert er unter Bezugnahme auf Achmadinedschad, dass „dieses historische Kapitel historisch untersucht werden muss“ (6)– wirft man ihm daraufhin jedoch vor, die Judenvernichtung zu leugnen, schäumt er vor Empörung und verweist auf die vielen Auschwitz-Überlebenden, die er in seiner Kindheit als Nachbarn hatte.

Und schließlich wendet er ein zentrales Motiv des modernen Antisemitismus diametral in die Gegenrichtung, ohne dass der diese Volte erklären könnte. Seit dem 19. Jahrhundert appelliert der Antisemitismus an diffuse Ressentiments gegen Fortschritt und Aufklärung, und zehrt von der Sehnsucht nach dem„ursprünglichen“ Leben in einer romantisch verklärten Vergangenheit. Bei Atzmon dagegen hat die zionistische Weltverschwörung die Rückkehr in die finstere Unmündigkeit der Vormoderne zum Ziel und den Antizionisten fällt die Rolle der Verteidiger von Humanismus, Fortschritt und Menschenrechten zu. Die Rettung der Aufklärung hängt für ihn also am Sieg von Muslimbrüdern, Salafisten, Baathisten, Alt-Stalinisten und Mullahs über die einzige Gesellschaft des Nahen Ostens, die über eine demokratische Regierung, funktionierende Universitäten, ein liberales Familienrecht und eine nicht von Mord bedrohte Schwulenszene verfügt.

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